Kommentar Proklamation in Köln: Warum tut ihr uns das Kommerz-Geschacher an?

Proklamation des Kölner Dreigestirns 2021

So ähnlich wird es auch 2022: Letztes Jahr wurde das Kölner Dreigestirn im Hotel The Qvest  ohne Zuschauer proklamiert, nun im Gürzenich.

Der EXPRESS.de-Kommentar zur bevorstehenden Prinzenproklamation im Kölner Gürzenich.

Zum zweiten Mal hintereinander findet die Kölner Prinzenproklamation unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, dieses Mal im Kölner Gürzenich. „Ein volksfernes Geschacher auf dem Rücken des Brauchtums“, findet unser Autor. Ein EXPRESS.de-Kommentar.

Die Kölner Prinzenproklamation muss man nicht lieben. Aber sie ist etwas Besonderes: der Duft von Mett und Chanel, edle Roben und Getuschel – und natürlich der stürmische Jubel über das neue Kölner Dreigestirn.

Neu ist an dem Konzept von WDR und Festkomitee nach einem Jahr der Planungen genau: nichts. Gut, dieses Mal trifft man sich im Gürzenich und nicht im Hotel The Qvest ohne Zuschauer, wieder bekommt das bemitleidenswerte Dreigestirn unter dem Applaus von ein paar Menschen die Insignien überreicht. Wieder Tristesse pur.

Immerhin: Vor einem Jahr schaffte man es im WDR unter dem  Eindruck von Lockdown und ohne flächendeckendes Impfangebot, einen tollen „Pripro-Karnevals-Erklärfilm“ zu basteln und eine wirklich gelungene Sendung auf die Beine zu stellen.

Aber: Die Vorzeichen haben sich geändert! Die Corona-Schutzverordnung schafft Platz für mehr kreative Lösungen, als abermals das gesamte Volk auszuschließen. Was es gebraucht hätte? Mehr Kreativität und Mut! Gut, auch sonst ist die Pripro eher der erlauchten Gesellschaft vorbehalten, aber das hätte man auch einmalig ändern können.

Die Verordnung hätte es beispielsweise zugelassen, dass im Kölner Tanzbrunnen, dem Neumarkt oder sonst wo eine coronakonforme Inthronisierung möglich gewesen wäre. Mit Abstand, mit Würde – und wenigstens mit Familien, Vereinsmitgliedern und anderen Teilnehmern. Im Gürzenich wären, das sei angemerkt, übrigens auch aktuell 750 Menschen zugelassen.

Der Haken: Liegt nicht unbedingt beim Festkomitee. Klar ist aber auch: Eben weil Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn sich mit der Düsseldorfer Erklärung mit MP Hendrik Wüst so weit aus dem Fenster gelehnt hat, kann er jetzt auch nicht mehr zurückrudern. Und der WDR? Hat sich in Sachen Pripro bewegt wie eine Bahnschwelle, pocht aber auf die Einhaltung der Verträge.

Köln: Open-Air-Pripro wäre coronakonform gegangen

Somit steht der normale Jeck vor einem Sammelsurium zwischen persönlichen Eitelkeiten, finanziellem Druck und der Angst vor einem Shitstorm auf den sozialen Netzwerken, was den Start in den Karneval angeht. „Bloß nichts falsch machen, sonst steht Köln wieder als der Buhmann der Nation da.“ Kurze Anmerkung: Wer sich an geltende Gesetzte hält, macht auch nichts falsch. Und: Der 11.11. war erwiesenermaßen kein Superspreader. Vorsicht ja, aber vorauseilender Gehorsam: nein. Der organisierte Karneval hat bewiesen, dass Open-Air-Konzepte greifen.

Deshalb hätte man es vielleicht lieber gleich lassen sollen – oder eben kreativer sein müssen. Das Argument, Corona habe die Planer kurzfristig ereilt, zählt dabei nun wirklich nicht mehr. Schon im Sommer hätte man Pläne A, B und C erarbeiten müssen, die bei Bedarf aus der Schublade hätten gezogen werden können. 

Was nimmt der „normale“ Jeck mit aus diesem unkreativen Auftakt in den „Sitzungskarneval“? Kommerz ist immer wichtig, auch wenn man dafür volksfern auf dem Rücken des Brauchtums tanzt. Es tut einem vor allen Dingen für das Kölner Dreigestirn leid. Und für zahllose Basis-Jecke, von denen man sich mit solcherlei Aktionen meilenweit entfernt.

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