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Interview

Elf Jahre Literat der Prinzen-Garde„Ich bin der jüngste alte weiße Mann im Kölner Karneval“

Literat Dennis Hille telefoniert im Foyer.

Der wichtigste Begleiter von Dennis Hille ist das Handy. Damit hält der Literat der Prinzen-Garde den Kontakt mit den Künstlerinnen und Künstlern.

Dennis Hille absolviert derzeit seine elfte Session als Literat der Prinzen-Garde. Was hinter den Kulissen schon alles passiert ist und wie er in die Zukunft blickt, verrät er im EXPRESS.de-Interview.

Sie ziehen die Strippen hinter den Kulissen jeder Karnevalssitzung. Die Kölner Literaten sind dafür verantwortlich, dass die Jecken in den Sälen Spaß haben.

Sie buchen die Künstlerinnen und Künstler, sorgen für den reibungslosen Ablauf jeder karnevalistischen Veranstaltung und sind Ansprechpartner für alle Beteiligten.

Dennis Hille absolviert seine elfte Session als Literat der Prinzen-Garde

Ohne die vielen Literaten im Kölner Karneval könnte keine Sitzung über die Bühne gehen. Sie sind das Herzstück der Gesellschaften hinter den Kulissen und meist im Foyer zu finden.

Einer von ihnen ist Dennis Hille. Mit gerade einmal 38 Jahren feiert er bereits seine elfte Session als Literat der Prinzen-Garde Köln. In der Funktion ist er für das Programm von insgesamt 13 Veranstaltungen verantwortlich.

Im EXPRESS.de-Interview blickt Dennis Hille zurück und spricht über die Zukunft des Kölner Karnevals.

Wie wird man mit gerade einmal 28 Jahren zum Literaten der Prinzen-Garde, zudem auch noch als Nicht-Mitglied?

Dennis Hille: Durch den unerwarteten Tod von Literaten-Legende Josef Lutter im September 2015 ging alles rasant. Zwar war seit 2013 geplant, dass ich eines Tages sein Nachfolger werden sollte, dass es aber dann so schnell passierte, damit hatte natürlich keiner gerechnet. Ich hatte zwar eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann und eineinhalb Jahre für die Agentur „Alaaaf“ gearbeitet, dennoch bin ich bis heute unserem Präsidenten Dino Massi und unserem Sitzungsleiter und Ex-Prinz Marcus Gottschalk dankbar. Sie haben mir trotz meines Alters und der Tatsache, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch kein Mitglied der Prinzen-Garde war, ihr Vertrauen geschenkt.

Die Bläck Fööss im Gespräch mit Dennis Hille.

Literat Dennis Hille im Gespräch mit den Bläck Fööss. Die wichtigste Frage lautet stets: „Wie liegt ihr in der Zeit?“

Wie lief die erste Sitzung?

Dennis Hille: Meine Feuertaufe erlebte ich im Rahmen der Herrensitzung am 3. Januar 2016. Da ich noch keine Uniform hatte, musste ich mir eine viel zu große Litewka leihen, genau so, als wenn man in zu große Fußstapfen tritt. Ich gebe zu, ich hatte ein sehr mulmiges Gefühl, das sich mit Nervosität abwechselte. Wenn man auf jemanden wie Josef Lutter folgt, der eine absolute Ikone des Kölner Karnevals war und der maßgeblich den Sitzungskarneval mitgeprägt hat, ist das schon heftig gewesen.

Wie ging es weiter?

Dennis Hille: Ich war sehr stolz, hatte aber auch riesengroßen Respekt vor der Aufgabe. Daran hat sich bis heute auch nichts geändert. Es macht mir wirklich Spaß und bei jeder Sitzung überkommt mich das Kribbeln, vor allem wenn ich in den Saal schaue, wo gerade die Stimmung überkocht.

Dennis Hille zusammen mit dem Kölner Dreigestirn.

Auf den Moment hat Dennis Hille den ganzen Abend gewartet: Endlich kann er seine Freunde – das Dreigestirn aus den Reihen der Prinzen-Garde – begrüßen.

Gibt es noch besondere Momente?

Dennis Hille: Die besonderen Momente erlebe ich vorwiegend neben der Bühne. Die Begrüßungen mit den Künstlern, die entstandenen Freundschaften. Für mich ist Karneval nicht Aschermittwoch vorbei, sondern zieht sich durch mein ganzes Leben.

Stichwort Künstler. Was ist denn bisher schiefgelaufen?

Dennis Hille: Tatsächlich musste ich erstmals im letzten Jahr eine Band ohne Auftritt wieder fahren lassen. Grund dafür war die Ehrung von Peter Horn für sein Lebenswerk. Es war ein wunderbarer Moment, der vor lauter Emotionen aber unseren Zeitplan gesprengt hat. Die Paveier warteten schon, weil sie anschließend pünktlich in der Lanxess-Arena sein mussten. Es tat mir zwar wirklich leid für die Jungs, aber es hätte zeitlich definitiv nicht mehr gepasst und wir mussten auf den Auftritt der Paveier verzichten.

Bernd Stelter spricht mit Dennis Hille.

Kurze Abstimmung vor dem Auftritt: Literat Dennis Hille im Gespräch mit Bernd Stelter (l.).

Gab es schon ein Loch im Programm?

Dennis Hille: Ich glaube, diese Situation musste schon jeder Literat durchleben. Bei mir passierte es erstmals 2018. Da hatten wir ein Loch von 15 Minuten, weil das Dreigestirn nicht von der Bühne im Maritim gekommen ist. Verantwortlich dafür war der damalige Präsident der Roten Funken, Heinz-Günther Hunold. Der hatte den Prinzen ordentlich hochleben lassen.

Wie wurde das Problem gelöst?

Dennis Hille: Sitzungsleiter Marcus Gottschalk hat einfach sein Dreigestirns-Medley von 2012 noch mal gesungen. Die Leute sind nicht nur im Saal geblieben, sondern hatten auch Spaß. In solchen Situationen laufe ich nicht wie ein aufgeschrecktes Huhn durchs Foyer, ganz im Gegenteil. Was passiert, passiert halt. Was soll man machen? Das Schlimmste ist, wenn Künstler oder Bands hektisch anrufen, weil sie im schlechten Wetter feststecken. Denen sage ich: Macht ruhig und fahrt bitte langsam. Lieber sicher ankommen als gar nicht.

Was ist noch passiert?

Dennis Hille: Es war in der Session 2024 und fing damit an, dass unser Spielmannszug aus Uerdingen verkehrsbedingt es nicht rechtzeitig zum Beginn unserer Kostümsitzung im Gürzenich geschafft hat. Selbst unser eigenes Korps steckte im Stau fest. Musiker und Technik unseres Saalorchesters Helmut Blödgen waren auch noch nicht da. Der rote Bühnenvorhang wurde geschlossen, der Elferrat nahm sofort Platz, anstatt durch den Saal einzuziehen – es fehlte schließlich die Musik. Die Techniker konnten so unsichtbar für die Gäste alles aufbauen. Anstatt mit dem Einzug unseres Korps starteten wir mit Guido Cantz. Es war zwar sehr chaotisch, aber auch sehr witzig. Eine Sitzung auf Zuruf erlebt man nicht oft.

Dennis Hille zusammen mit Marc Metzger.

Dennis Hille bringt „Blötschkopp“ Marc Metzger persönlich zur Tür, bevor der auf die Bühne geht.

Was hatte es mit der spontanen Beförderung 2019 vom Literaten zum Prinzenführer auf sich?

Dennis Hille: Bei unserer Festsitzung tragen wir alle einen Frack. Als der damalige Prinzenführer Rüdiger Schlott mich so sah, nahm er seine Mütze ab und setzte sie mir auf und meinte mit einem breiten Lachen: „Du machst jetzt mal den Prinzenführer und ich mache eine Pause an der Theke.“ Ich bin dann eingezogen, stand auf der Bühne, und Dino Massi traute seinen Augen nicht. Ich dagegen war mächtig stolz.

Wie steht es um die Zukunft des Kölner Karnevals?

Dennis Hille: Es heißt immer, der Karneval verändere sich. Das ist auch gut so. Ich glaube aber, dass die Leute das klassische Sitzungsformat mit drei Rednern, drei Bands, Tanzgruppe und Aufzug eines befreundeten Korps auch in der Zukunft noch sehen wollen. Es wird nicht nur auf Karnevalspartys hinauslaufen, wo sich die Leute einfach nur besaufen. Ich sage immer scherzhaft, dass ich der jüngste alte weiße Mann im Kölner Karneval bin, wenn es um Tradition geht. Es ist mir sehr wichtig, dass diese erhalten bleibt. Unser Karneval ist so vielfältig und bietet so viele verschiedene Formate an, da findet jeder etwas für sich.

Hat das Amt des Literaten immer noch einen besonderen Reiz?

Dennis Hille: Für mich ist es kein Ehrenamt, sondern ein ganz besonderes Privileg. Diese ganzen wunderbaren Momente sauge ich komplett auf. Ich liebe und lebe den Karneval und bin unendlich dankbar dafür.

Außenaufnahme des Pullman-Hotels in Köln.

Hiobsbotschaft für alle Karnevalisten

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