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Gläser, Tischdecken, Müll20 Stunden Stress für zwei Karnevalssitzungen an einem Tag

Eine Mitarbeiterin legt eine Tischdecke auf den Tisch.

Zwei Sitzungen an einem Tag im Gürzenich bedeuten Stress für das Personal. Nach der ersten Veranstaltung müssen alle Tische neu eingedeckt werden.

Im Gürzenich gibt es in dieser Session einige Tage mit Doppel-Veranstaltungen. EXPRESS.de war dabei, als Kölns gute Stube in Rekordzeit für die zweite Sitzung hergerichtet wurde.

Die verhältnismäßig kurze Session sorgt für reichlich Stress bei den Karnevalsvereinen und allen Verantwortlichen, die für den reibungslosen Ablauf des jecken Treibens zuständig sind.

Dass Karneval zur Akkordarbeit werden kann, bei der jedes Rädchen perfekt ineinandergreifen muss, erlebte EXPRESS.de in der guten Stube der Stadt. Im Gürzenich stehen in dieser Session fünf Tage mit Doppelbelegungen auf dem Programm.

Koelncongress: 116 Karnevals-Veranstaltungen in den Sälen

Koelncongress betreut mit Gürzenich, Flora, Theater am Tanzbrunnen und dem Congress-Centrum vier Karnevals-Hotspots der Stadt. Insgesamt 116 karnevalistische Veranstaltungen steigen in dieser Session in den Objekten.

Besonders wild wird es dann, wenn gleich zwei Sitzungen an einem Tag erfolgreich durchgeführt werden müssen. 20 Stunden Stress für zwei ausgelassene Feiern. Das klappt nur mit einem motivierten Team und perfekten Abläufen.

Um 8 Uhr morgens beginnen die ersten Vorbereitungen im Gürzenich für die Mädchensitzung der Altstädter. Bevor 1300 bunt kostümierte Frauen zu Eldorado, Räuber, Kasalla und Cat Ballou feiern können, muss der Saal hergerichtet und das Gebäude grün-rot dekoriert werden.

Um 12 Uhr startet der Einlass in den Saal, um 13 Uhr eröffnet Präsident Björn Braun die Sitzung. Laut Zeitplan soll die Veranstaltung um 17.50 Uhr enden, doch ein wenig Verzug hat fast schon Tradition. Während der Regimentsspielmannszug der Altstädter noch die letzten Töne spielt, wird schon mit den ersten Aufräumarbeiten begonnen.

Blick in den Gürzenich bei der Mädchensitzung der Altstädter.

Noch feiern die Gäste der Mädchensitzung der Altstädter ausgelassen. Doch gleich müssen sie den Saal verlassen, damit dort aufgeräumt werden kann.

Die Servicekräfte flitzen zu den Tischen, kippen die stehen gelassenen Getränkereste in Eimer, sammeln die Gläser auf großen Tabletts und stopfen Müll in große Plastiksäcke. Die Altstädter sammeln ihre Tischschilder und liegengelassenen Jahrbücher ein.

Wie ein Ameisenschwarm arbeiten sich die Teams durch den großen Saal, während die Jecken noch ein letztes Alaaf ausrufen. Um 18.06 Uhr ist der letzte Musiker durch die Tür, das Licht geht an und die Menge strömt nach draußen.

Ein Mitarbeiter bringt neue Weingläser zu den Tischen.

Nach der ersten Sitzung müssen sämtliche Wein- und Wassergläser auf den Tischen ausgetauscht werden.

Schon um 18.11 Uhr ist der Saal geräumt, jetzt muss jeder Handgriff sitzen. „Da müssen wir die Nerven behalten. Rund anderthalb Stunden benötigen wir, um den Saal wieder neu herzurichten. Wenn die Abläufe eingespielt sind, merkt der Gast nicht, welcher Stress im Hintergrund herrscht“, sagt Geschäftsführer Ralf Nüsser zu EXPRESS.de.

Das Team von KölnCongress im Gürzenich.

Das Team von KölnCongress: Objektleiter Thomas Leder, Geschäftsführer Ralf Nüsser, Gastronomie-Leiter Sven Häffner und Jill Topfstedt, Geschäftsführung jto Gebäudemanagement (v.l.).

Gastronomie-Chef Sven Häffner steht am Rand und beobachtet stolz das wilde Treiben. „Ich lieb’s. Diese Tage machen doch echt Spaß“, sagt er. „Wer hier arbeitet, muss Menschen und Veranstaltungen mögen. Im Karneval herrscht trotz des Alkoholkonsums keine aggressive Atmosphäre. Die Grundstimmung aller Gäste ist positiv. Das überträgt sich auf unsere Teams.“

Rund 40 Personen kümmern sich um Reinigung, Einrichtung und Garderobe. 120 sind an diesem Tag für den Service eingeteilt. „Wir müssen mit Doppelschichten arbeiten“, sagt Jill Topfstedt von jto Gebäudemanagement.

Ein Mitarbeiter sammelt schmutzige Tischdecken ein.

Berge von schmutzigen Tischdecken müssen vor der zweiten Sitzung ausgetauscht werden.

Trotz der Belastung sind die meisten Mitarbeitenden Stammkräfte, die die Arbeit im jecken Wahnsinn schätzen. Eine Mitarbeiterin könnte eigentlich in den Ruhestand gehen, will aber noch bei sechs Sitzungen mithelfen. Um alle bei Laune zu halten, gibt es je nach Tageszeit gemeinsames Frühstück, Mittag- oder Abendessen sowie Nachtbrote.

Altstädter-Mitarbeiter bauen ihren Stand ab.

Das Team der Altstädter baut seinen Stand im Gürzenich-Foyer bereits ab, während drinnen die Sitzung auf die Zielgerade geht.

In der Küche stapeln sich derweil die schmutzigen Gläser. An diesem Sitzungstag werden 5500 Weingläser und 7000 Wassergläser benutzt. Auch wenn die große Spülmaschine hilft, müssen diese noch kurz nachpoliert werden. Die Wäsche türmt sich ebenfalls. 250 Kilogramm Tischdecke werden an einem Tag benötigt.

Außer Kostümresten oder sonstigem Müll findet sich dieses Mal nichts auf den Tischen, was aufbewahrt werden müsste. Gerne werden schon mal Brillen vergessen. In der Damentoilette wurden auch schon mehrere Ringe am Waschbecken liegengelassen. „Das wird dann alles dokumentiert und 99 Prozent der Gegenstände kommen auch wieder an die richtige Stelle zurück“, sagt Häffner.

Schmutzige Gläser in der Gürzenich-Küche.

In der Gürzenich-Küche türmen sich die verschmutzten Gläser der ersten Sitzung. Viel Arbeit für das Spül-Team.

Während der Saaldienst der Altstädter die Fahnen einrollt und den Verkaufsstand im Foyer abbaut, kommt das Team der Blauen Funken herein. Die Festsitzung im feierlichen Rahmen soll um 20 Uhr beginnen. Dazu werden auf den Tischen die Jahrbücher und die Spendenumschläge ausgelegt. Außerdem werden die Tischkärtchen verteilt.

Vor der Bühne kämpft der Reinigungstrupp mit einer großen Menge Konfetti auf dem Boden. Ein paar Pfützen von umgekippten Gläsern machen aus dem bunten Papier eine klebrige Masse. „Wir wollen nicht die Spaßbremsen sein. Aber hier sieht man, dass Konfetti enorm den Ablauf verzögert. Das ist die absolute Pest“, sagt Nüsser verärgert.

Konfetti liegt im Gürzenich auf dem Boden.

Dieses Konfetti-Schlachtfeld vor der Bühne beschert dem Reiningstrupp besonders viel Arbeit und sorgt für eine Verzögerung im Ablauf.

Objektleiter Thomas Leder schickt einen Trupp durch die Reihen, damit alle Stühle kontrolliert werden. Ist ein Polster nass oder schmutzig, wird es ausgetauscht. Zudem müssen die Stühle, die bei der Party zuvor an die Seite gestellt wurden, alle wieder ordentlich an die Tische geschoben werden.

An der Garderobe werden derweil an der einen Seite die Jacken der Altstädter-Gäste ausgegeben, während an der anderen Seite das Publikum der Blauen Funken ansteht. In den Toiletten steht wieder eine Grundreinigung an.

Mitarbeiterinnen präsentieren das Essen hinter der Theke.

Während der Umbauphase wird auch die Essentheke neu bestückt.

In die Gastro-Theken wird frische Ware geschoben. 900 Frikadellen, 600 Currywürste und 280 Knabberteller gehen weg. Die Gesellschaften halten auch noch Empfänge mit Drei-Gang-Menüs ab, die zeitgleich serviert werden müssen.

Schichtwechsel steht auch bei der Veranstaltungstechnik an. Die sorgt nicht nur für Ton und Licht im Saal, sondern verfasst täglich auch einen Bericht. Darin wird vermerkt, ob es einen medizinischen Notfall gab.

Mitarbeiter der Blauen Funken bauen den eigenen Stand auf.

Das Team der Blauen Funken baut auf. Auch die Vereine müssen bei den Sitzungen kräftig mit anpacken.

„Wenn jemand einen Schwächeanfall hat, können wir nichts dafür. Sollte jemand auf der Treppe stürzen, gehen wir dem nach“, sagt Nüsser. Auch Angaben zur genauen Personenzahl und zum Brandschutz sind vermerkt. „Idealerweise steht in der Überschrift ‚Keine besonderen Vorkommnisse‘“, sagt Nüsser lachend.

Die Musiker des Orchesters Markus Quodt ziehen sich derweil um. Auch sie wechseln in die blau-weißen Outfits für die Funken und haben eine Doppelschicht.

Manfred Hemmersbach schüttelt seine Hand mit Toni Henseler.

Staffelübergabe zwischen zwei Traditionskorps. Manfred Hemmersbach, Hallenwart der Altstädter (l.), übergibt den Saal an Toni Henseler, Chef des Saaldienstes und Reservekorpskommandant der Blauen Funken.

Nach einem letzten Check können um 19.20 Uhr die Saaltüren wieder geöffnet werden und die erneut 1300 Gäste, dieses Mal in der feinen Abendgarderobe, strömen zu den Tischen. Auf sie wartet ein Programm mit Volker Weininger, Paveier, Marc Metzger und Klüngelköpp bis 1 Uhr.

Blick in den Gürzenich-Saal.

Nach knapp anderthalb Stunden ist der große Gürzenich-Saal wieder hergerichtet und die nächsten Gäste können hereingelassen werden.

Danach wird noch im Foyer mit DJ Martin Bender weitergefeiert. Erst um 4 Uhr kann die Haupteingangstür verschlossen werden. 20 Stunden Einsatz für das Brauchtum sind beendet.

Um 9 Uhr geht der Aufbau für die nächste Sitzung wieder los. Tags darauf steht wieder eine Doppelbelegung an. Wenn Karneval zur Akkordarbeit wird…