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Kölner DreigestirnDas kostet es, einmal Prinz zu sein – elf jecke Geheimnisse gelüftet

Das Kölner Dreigestirn.

Copyright: Daniela Decker

Prinz Niklas I., Bauer Clemens und Jungrau „Aenne“ absolvieren in der Session rund 450 Termine. Einen davon auch bei der Feuerwehr Köln. 

Aktualisiert

Sie regieren in jeder Session die Kölner Jecken. Prinz, Bauer und Jungfrau sind überall präsent. Dennoch gibt es noch ein paar spannende Geheimnisse um das Trifolium.

Wenn der Rosenmontagszug durch die Stadt rollt, dann erlebt Kölns Dreigestirn den Sessionshöhepunkt.

Mit der Fahrt an einer Million Jecken vorbei, erfüllen sich Prinz Niklas I. (Jüngling), Bauer Clemens (von Blanckart) und Jungfrau Aenne (Stefan Blatt) von der Prinzen-Garde Köln einen großen Traum. 

Auch, wenn sie wochenlang unter der Beobachtung unzähliger Menschen stehen: Es gibt einiges, was längst nicht jeder über das Dreigestirn weiß! EXPRESS.de lüftet elf Geheimnisse rund um das Trifolium. Zusammengetragen aus vielen Jahren im Karneval und mit der Expertise von Marcus Gottschalk, dem Protokollchef des Dreigestirns. Er kennt als Ex-Prinz der Session 2012 die Abläufe aus dem Effeff.

Kölner Dreigestirn absolvierte in der Session 414 Termine

1) Termin-Wahnsinn: Das Dreigestirn hat in dieser Session rund 450 Termine absolviert. Bis zu 18 Verpflichtungen haben die drei – ein Tag mit dem Dreigestirn ist Wahnsinns-Ritt. Das Festkomitee plant die Termine jeweils zwei Jahre im Voraus, ohne zu wissen, wer überhaupt das Dreigestirn stellt. Etwa die Hälfte der Auftritte finden in sozialen Einrichtungen wie Altenheimen, Krankenhäusern, Kindergärten, Schulen sowie bei vielen Sponsoren und Partnern statt. Die Gesellschaften übermitteln ihre Wünsche. Gottschalk trägt diese in ein Buchungssystem ein und versucht möglichst allen Ansprüchen gerecht zu werden.

2) Hofburg: Seit der Karnevalssession 2018/2019 ist das Dorint am Heumarkt die offizielle Hofburg des Kölner Dreigestirns. Zuvor war dies lange Zeit das Pullman-Hotel – hier finden bald gar keine Karnevals-Veranstaltungen mehr statt. Das Dreigestirn, die drei Adjutanten, der Equipe-Chef, der Prinzenführer und die beiden Hof-Frisöre wohnen dort dauerhaft. Zudem gibt es einen großen Raum, der als Treffpunkt dient, mit einer Küche ausgestattet ist und wo die Maske aufgebaut wurde. „Zu meiner Zeit hatten wir da einen Pizza-Ofen. Da haben wir nach der Session zehn Kilo mehr gewogen. Die Zeiten sind vorbei“, lacht Gottschalk.

Prinz Niklas I. mit Marcus Gottschalk, dem Protokollchef des Dreigestirns.

Copyright: Daniela Decker

Prinz Niklas I. mit Marcus Gottschalk, dem Protokollchef des Dreigestirns.

3) Prinzen-Ornat: Der Prinz trägt rote Lederschuhe mit weißer Schleife. Damit sich keine Blasen bilden, weil er diese oft zwölf Stunden am Stück tragen muss, handelt es sich um orthopädische Maßanfertigungen. Die Strumpfhosen haben zudem einen Reißverschluss, was das An- und Ausziehen erleichtert.

4) Gewand der Jungfrau: Mit den römischen Verzierungen soll an die Stadtgründerin Agrippina (50 n. Chr.) erinnert werden. Sie steht für die „Jungfräulichkeit“ der Kölner Stadtmauer, die nie im Kampf erobert wurde.

5) Hut des Bauern: Auf dem 1,6 Kilogramm schweren Hut seiner „Deftigkeit“ stecken genau 125 Pfauenfedern. Die Quersumme davon beträgt acht. Die Ziffer auf die Seite gelegt, ergibt das Symbol für Unendlichkeit. Auch das Detail, dass der Hut wie ein Rad aussehen soll, spielt auf die Wehrhaftigkeit an.

6) Insignien: Der Prinz hat eine Pritsche in der Hand, auf der die Namen der vergangenen Tollitäten eingraviert sind. Alle 20 Jahre ist kein Platz mehr, dann muss eine neue Pritsche her. Die aktuelle ist aus dem Jahr 2016 und wiegt genau 1111 Gramm. Das war Voraussetzung bei der Ausschreibung. Der Bauer trägt Nachbildungen der Schlüssel zu den Stadt-Toren bei sich. Die Original-Schlüssel sind im Louvre in Paris zu bestaunen. Die Jungfrau soll sich im Spiegel selbst bewundern und den Narren den Spiegel vorhalten. Ex-Oberbürgermeister Norbert Burger führte diese Insigne 1993 ein, vorher ging die Jungfrau leer aus. Außerhalb der Session lagern Pritsche, Spiegel und Schlüssel in einem Safe im Büro der Oberbürgermeisterin.

7) Waschtag: Montags sind in der Regel keine Termine für das Dreigestirn. Dann können alle drei nach Hause fahren und die Familien sehen. Sonntagabends werden die Ornate nach dem letzten Auftritt zu einer Spezialreinigung gebracht. Montagsabends kommen sie dann sauber zurück in die Hofburg.

8) Rosenmontagszug: Das Mega-Highlight für jedes Dreigestirn. Von der Severinsstraße bis zum Dom erleben alle Zoch-Teilnehmenden dreieinhalb Stunden pures Glück! Insgesamt sind rund 11.500 Menschen Teil des Zochs – und die beschenken die Jecken am Straßenrand mit Kamelle und Strüßjer. Rund zwei Tonnen Kamelle hat allein der Prinz auf seinem Wagen. Strüßjer sind auf den großen Wagen eher unpraktisch. Die kommen durch den Wind gerne zurückgeflogen. Insgesamt werden rund 300 Tonnen Süßigkeiten, 700.000 Schokoladentafeln, 220.000 Schachteln Pralinen und 300.000 Strüßjer verteilt.

9) Getrenntes Fahren: Früher stand der Prinz als „Held Carneval“ für sich allein als Regent der Jecken. Bauer und Jungfrau verkörperten eher andere Eigenschaften der Stadt. Daher fahren beide in einem eigenen Wagen im Rosenmontagszug und nicht mit dem Prinzen. In der heute bekannten Form gibt es das Trifolium erst seit 1870 und die Bezeichnung „Dreigestirn“ erst seit 1938.

Das kostet es, einmal Prinz Karneval zu sein

10) Teures Vergnügen: Immer wieder werden Spekulationen angestellt, was es wohl kostet, einmal Prinz Karneval zu sein. „Ich war zu meiner Zeit 32 Jahre alt, im Angestellten-Verhältnis und konnte es mir leisten“, sagt Ex-Prinz Gottschalk. „Die Zahlen, die durch die Gegend geistern, sind meist zu hoch“. Es wird gemunkelt, dass alle drei Beteiligten des Dreigestirns zusammen rund 100.00 Euro für den Spaß bezahlen.

11) Nach der Session: Am Veilchendienstag müssen Prinz, Bauer und Jungfrau ihre Ornate ablegen. Da sie jedes Jahr maßgeschneidert werden, gehen sie in den Besitz des Dreigestirns über. Öffentlich dürfen sie nicht mehr getragen werden. Viele stellen ihre Ornate in den Räumlichkeiten der jeweiligen Karnevalsgesellschaft aus oder ziehen sie in ihrer Wohnung über eine Puppe, um die Erinnerung noch lange vor Augen zu haben.

Menschen sind auf einer Straße unterwegs.

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