Hitzewelle in Köln, 25.000 Badegäste, ausverkaufte Milch — und ein Verbot, das Eltern im Sommer 1952 das Herz schwer machte.
Tragischer Hitzesommer 195225.000 im Stadionbad – Kinder mussten draußen bleiben

Copyright: Zeitzeugin Hoecke / Carl und Liselott Diem-Archiv
Stadionbad Köln: Das Foto wurde 1954 aufgenommen – im Hintergrund der alte Sprungturm. Rechts die bekannte Statue von 1912 „Bursche mit Pferd“.

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Die Stadt kocht. Eine Hitzewelle hat sich über Köln gelegt. Erste Schulen melden Hitzefrei. Ein Blick in das Archiv zeigt: Auch im Juni/Juli 1952 war es in Köln verdammt heiß.
Das Stadionbad im Müngersdorfer Stadion erlebt einen Ansturm, der die Helfer des Roten Kreuzes an ihre Grenzen bringt: Über 25.000 Besucher werden am Sonntag (29. Juni 1952) gezählt, 148 Schnittwunden behandelt. Das berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“ in der Ausgabe am 3. Juli 1952.
Wegen Kinderlähmung: Köln begrenzte Besucherzahl im Stadionbad
Doch für Tausende Kölner Kinder bleibt die Badefreude in diesem Sommer verwehrt. Besonders tragisch: Wer unter 16 Jahre alt ist, kommt nicht rein – grundsätzlich nicht. Die Gesundheitsbehörde hat es so angeordnet, und der Grund ist so ernst wie erschreckend: Kinderlähmung.
Die Kinderlähmung – medizinisch Poliomyelitis – ist in den frühen 1950er-Jahren eine der gefürchtetsten Krankheiten überhaupt. Kein Impfstoff, keine Heilung.
Erst 1955 wird ein wirksames Vakzin zugelassen. Bis dahin versuchen die Behörden, die Ausbreitung mit dem einzigen Mittel einzudämmen, das sie haben: Abstand halten, Menschenansammlungen meiden – besonders für Kinder ist das im Hitzesommer 1952 tragisch.
Das Stadionbad, in dem sich an heißen Tagen Tausende auf engstem Raum drängen, gilt als Risikoherd. Die Folge: Nachdem sich mehr als 25.000 Menschen im Freibad tummelten, wird die Besucherzahl vorläufig auf 5000 Menschen beschränkt. Die Gesundheitsbehörde appelliert an die Bevölkerung um Verständnis – und die Eltern haben keine Wahl.
Als wäre das nicht genug, bringt die Hitzewelle Köln auch sonst an seine Grenzen. Der Getränkeverbrauch schnellt über Nacht auf das Doppelte.
Besonders bitter: Milch ist in vielen Geschäften bereits innerhalb einer Stunde nach Lieferung ausverkauft. Einer Normalzufuhr von 103.000 Litern steht plötzlich eine Nachfrage von 202.000 Litern gegenüber. Die Milchversorgung der Stadt ordert notfallmäßig weitere 40.000 Liter aus der Region Niederrhein.

Copyright: KStA-Archiv
Im Sommer 1952 gab es eine Hitzewelle in Köln. Ein Auszug aus dem KStA-Archiv zeigt den Wasserrohrbruch in Deutz, der kurz für eine Abkühlung sorgte.
Das Rote Kreuz ist derweil im Dauereinsatz: am Neumarkt, am Hauptbahnhof, am Mülheimer Bahnhof, an der Universität – und eben im Stadionbad. Schwächeanfälle, Ohnmacht, Herzprobleme. Die Zahl der Helfer muss vielerorts verdoppelt werden.
Und die Kinder? Die finden ihren Spaß anderswo – zumindest laut dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ von damals. Ein Wasserrohrbruch in Deutz überflutet die Siegburger Straße. Für die Jugend, die ins Stadionbad nicht darf, heißt es: immerhin eine nasse Entschädigung.

