Scooter-Frontmann H. P. Baxxter (62) hat mit uns über alte Autos, Verlockungen der Drogenwelt und mutmaßlich bekloppte Songtexte gesprochen.
H. P. Baxxter„Ganz so blöd können unsere Texte ja nicht sein!“

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H.P. Baxxter, Frontmann der Techno-Band Scooter, heißt eigentlich Hans-Peter Geerdes. Das Foto zeigt ihn im Februar 2025.

„How much is the fish?“ oder „Respect to the man in the ice cream van“ – die Songtexte von Scooter um Frontmann H. P. Baxxter finden die einen doof, Millionen andere kultig. Fakt ist: Scooter sind ein deutscher Exportschlager – weltberühmt.
Nächstes Jahr geht es mit „Rave From Outer Space“ unter anderem ins Rhein-Energie-Stadion in Köln (19. Juni 2027, Karten gibt es im Vorverkauf ab ca. 50 Euro). Schnapszahlige 33 Jahre gibt es die Band nun schon. Zeit für einen großen EXPRESS-Talk mit dem Sänger (62).
H. P. Baxxter: Scooter ist Spaß und Abfahrt
2027 kommen Scooter für eine riesige Stadion-Show nach Köln. Waren Sie mal in Deutschlands bestem Club – dem Bootshaus in Köln-Deutz – zum Feiern?
H.P. Baxxter: Ja, da war ich auch schon, das ist allerdings schon etwas länger her. Das hat mir aber auch gut gefallen. Ich gehe ja gerne noch in Techno-Clubs, nur nicht mehr so oft wie früher. Erst kürzlich war ich noch im Berghain in Berlin. Wenn ich es mal privat hinkriege, dann genieße ich das schon sehr.
Erkennen die Leute Sie nicht?
H.P. Baxxter: Im Berghain ist es ja so, dass jeder für sich tanzt und das ist ziemlich entspannt. Grundsätzlich werden ja sowieso alle Handys abgeklebt. Es guckt mal einer, lächelt mal einer, sagt „Hallo“ – aber insgesamt ist es super easy.

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H. P. Baxxter (Mitte) und die Bandmitglieder Jürgen „Jay Frog“ Frosch (links) und Marc Blou.
Scooter stehen inzwischen auch bei Rock- und Metalfestival wie dem „Download“ oder bei „Rock am Ring“ auf der Bühne. Führt kein Weg mehr an Techno vorbei – oder was hat Scooter, das auch genrefremde Festivals Sie buchen?
H.P. Baxxter: Das Besondere ist, dass wir genreübergreifend sind, ich finde, sowas gibt es kaum noch. Vielleicht noch The Prodigy. Eine Bandformation mit Techno, aber die Show ist ja näher am Rock’n’Roll als am Techno. Es ist eine Symbiose. Vor Rock am Ring damals hatte ich echt Bauchschmerzen, ob die Rock- und Metalfans Bock auf uns haben. Aber es hat super funktioniert. Meine Wurzeln aus meiner frühen Jugend sind ja sowieso im Rockbereich. Ich denke, diese Art der Bühnenshow und wie ich mich präsentiere, ist beeinflusst von Leuten wie Billy Idol.
Ist es Teil vom Erfolgsgeheimnis, dass die Songs auch bisschen „bekloppt“ sind und sich nicht so ernst nehmen?
H.P. Baxxter: Scooter ist auch Spaß, Abfahrt, das ist Alles-um-sich-herum-vergessen. Aber es ist nicht so platt, wie manche denken. Ich sehe die Text eher abstrakt, das ist schon eine Kunstform. Mit Wortspielen, witzigen Reimen, Slang aus der Szene. Manche sind besser als andere. Nicht jeder Text gelingt. Aber auch nicht jedes Bild gelingt einem Künstler. Aber auf einiges werde ich seit Jahrzehnten angesprochen, also bleibt ja doch etwas hängen. Ganz so blöd, wie es dargestellt wird, kann es ja dann doch nicht sein.
Wie kommen Sie auf solche Songs?
H.P. Baxxter: Ich mache mir immer Notizen. Ich beobachte sehr gerne. Ich saß mal in Irland in einem Pub und über der Tür stand ein Spruch: „Don’t take life too seriously, nobody gets out alive anyway“ (Anm. d. Red.: fand Eingang im Text aus dem Scooter-Lied „Oi“). Und ich dachte, da steckt so viel Wahrheit drin. Man soll nicht alles so ernst nehmen, man ist eh nicht so lange da. Das größte Problem vieler Menschen ist, dass sie denken, sie würden ewig leben und können alles mitnehmen ins Grab. Diese Endlichkeit ist so ein Tabu. Aber wenn man alles halbwegs begriffen hat, liegt man unter der Erde und warum man überhaupt da war, wird man sowieso nie erfahren.
H. P. Baxxter: Vor Drogen hatte er immer Schiss
Bei Elektro-Musik wird dem Klischee nach viel konsumiert – Sie sagen, sie haben noch nie Drogen genommen. Nie mal in Versuchung gewesen, auch nicht in jüngeren Tagen?
H.P. Baxxter: Das ist bei mir so verinnerlicht seit meiner Kindheit – meine Mutter hat immer gesagt: „Hans-Peter, du darfst später machen was du willst, aber du darfst niemals Drogen nehmen“. Das hat sich eingebrannt. Später dachte ich auch: Lass mal – ich kenne mich, ich bin ein Gewohnheitsmensch und ich weiß, wenn mir etwas gefällt, wird es schwierig, davon wegzukommen. Ich hätte vielleicht hier und da mal gerne etwas ausprobiert, hatte aber einfach Schiss, dass es mir nachher zu gut gefällt und es nach hinten losgeht. Und das hat man in der Szene ja auch zu oft erlebt, auch mit Alkohol. Da bilde ich mir ein, das im Griff zu haben. Ich feiere punktuell auch gerne, habe dann aber auch meine Auszeiten, wo ich nichts trinke und nur Sport mache.
Sie sitzen bei Ihren Shows ja nun nicht unbedingt mit der Akustikgitarre auf dem Barhocker. Wie kommt man so in Stimmung vor einem Auftritt um dann auf der Bühne zu eskalieren?
H.P. Baxxter: Was vor 30 Jahren mit einem Ghettoblaster angefangen hat, ist heute wie ein kleiner Club im Backstage-Bereich, komplett mit Licht- und Soundsystem. Ich höre zwei Stunden vor der Show Sets in hoher Lautstärke, genehmige mir ein, zwei Drinks und bin dann wirklich gut drauf und kann rausgehen. Hinterher machen wir mit Crew und Tänzerinnen eine Aftershow-Party. Somit ist es ein runder Abend. Dadurch ist es für mich auch authentisch – und nicht, dass man in einem nackten Raum mit Neonröhren steht, ein Glas Wasser trinkt und dann auf die Bühne geht und das Ganze abfrühstückt, in die Limo springt und im Hotel sitzt. So könnte ich das nicht, und das ist auch nicht Scooter. Ich kann das nicht sehen wie eine Dienstleistung, es ist auch Leidenschaft dabei.
Wie viel Rave und Abriss ist bei Ihnen im Alltag?
H.P. Baxxter: Da ist alles etwas gediegener. Ich finde, das Leben ist spannend durch Gegensätze. Neulich war ich bei einer Dampflok-Ausfahrt, weil ich als Kind großer Dampflok-Fan war. Da war ich mit einem alten Sandkastenfreund. Ich beschäftige auch viel mit meinen alten Autos, den Oldtimern, da reise ich auch gerne mit. Ich muss in meiner Freizeit keinen Extremsport machen. Mein Leben ist auch so schon actionreich genug.

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H.P. Baxxter mit seiner Frau Sara (24) bei einer Vernissage im November 2015 in Hamburg.
Sie sind Liebhaber alter Autos, besitzen einige Oldtimer. Wie viele sind es aktuell?
H.P. Baxxter: Im Moment 13. Fünf Jaguar, fünf Rolls-Royce, ein Lamborghini, ein Mini Cooper und ein alter Land Rover. Also meistens Engländer.
Was fahren Sie im Alltag?
H.P. Baxxter: Auch nur Oldtimer. Meinen einzigen Neuwagen hat mir meine Frau geklaut. Ich habe auch zwei, drei, die allwettertauglich sind. Die habe ich gut konserviert. Mir macht das einfach viel Spaß, es ist auch eine Entschleunigung. Es riecht anders, es ist gemütlich. Mir ist das alles zu viel Plastik und Technik heutzutage.
Was fehlt Ihnen noch?
H.P. Baxxter: Es gibt natürlich Autos die sind fernab von Gut und Böse, was den Preis angeht. Ich bin jetzt gerade an einem Aston Martin DB6 dran (Anm.d. Red.: das Auto, das James Bond am Ende von „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ fährt und das Nachfolgemodell seines Dienstwagens). Den finde ich ziemlich cool.

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Party auf der Bühne gehört für H. P. Baxxter dazu. Das Foto zeigt ihn 2024 bei einem Konzert in Köln
Drei schnelle Fragen: Wofür geben Sie am liebsten Geld aus?
H.P. Baxxter: Für Autoreparaturen – okay, am liebsten sei dahingestellt. Zumindest gebe ich dafür am meisten aus.
Wer ist Ihr großes Vorbild?
H.P. Baxxter: Mit den Jahren werden die Vorbilder weniger. Früher der Gitarrist Richie Blackmore, eine Ikone. In den 80ern außerdem Depeche Mode.
Was war Ihre erste Platte, die Sie sich gekauft haben?
H.P. Baxxter: Von T-Rex, „20th Century Boy“. Passt ganz gut, denn ich sehe mich auch als 20th Century Boy – ein Auslaufmodell.
Es läuft aber noch für Scooter. Was können Fans im Stadion 2027 erwarten?
H.P. Baxxter: Es wird gigantisch, allein diese Größe der Bühne, die Menschenmassen. Scooter war schon immer größenwahnsinnig. Wir sind jetzt in der Planung. Es wird ein Spektakel, das es für uns so noch nicht gab. Ich bin selbst schon aufgeregt.
Um den Bogen zu schlagen: Wird man Sie danach im Kölner Bootshaus antreffen?
H.P. Baxxter: Die Show ist ja am Wochenende und ich denke, dass wir gegen 21 Uhr auf der Bühne stehen werden, danach wäre noch Raum… Das ist also durchaus denkbar.
H. P. Baxxter: Künstlername kam von einer Schulfreundin
H. P. Baxxter, eigentlich Hans-Peter Geerdes, ist geboren am 16. März 1964 in Leer in Ostfriesland. Sein Künstlername entstand schon in der Schule, eine Mitschülerin brachte ihn auf die Idee. Geerdes ist Frontmann der EDM-Band Scooter und Mitinhaber des Labels Kontor Records. Nach dem Abitur 1985 studierte er für kurze Zeit Jura, brach aber ab und begann eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Danach arbeitete er bei einem Musiklabel. 1987 gründete er die Synthie-Pop-Band Celebrate The Nun, war damit aber nur kurz erfolgreich.
1993 gründete er Scooter. Seitdem verkaufte die Band in 50 Ländern mehr als 30 Mio Tonträgern, 23 Songs waren in den Top Ten der Singlecharts. Bekannte Hits wie „How much is the fish?“, „Hyper Hyper“ oder „The Logical Song“ sind typisch für Scooter-Songs, die oft absurd und willkürlich erscheinen – unter Fans aber als kultig gelten. H. P. Baxxter lebt in Hamburg und ist mit der 38 Jahre jüngeren Sara Bakhsh verheiratet. Es ist seine dritte Ehe. Kinder hat er nicht.
