Wer Erwin Müller besucht, wundert sich bestimmt über ein eingerahmtes Nummerschild – K-1400. Dahinter steckt das bewegende Leben des Kölners als ehemaliger OB-Chauffeur.
Er war Fahrer von drei Kölner OBs„Wir haben auf der Autobahn aus einem Topf gegessen“
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Der Dienstwagen von Kölns OB Torsten Burmester hat ein besonderes Kennzeichen. K-OB 2000 E. Warum 2000, wo Burmester doch 2025 sein Amt antrat? Als EXPRESS.de darüber berichtete, wurde ein Kölner ganz wehmütig.
Erwin Müller (70) – er war der Cheffahrer von gleich drei Kölner Oberbürgermeistern, chauffierte Norbert Burger von 1991 bis 1999, anschließend Harry Blum bis 2000 und Fritz Schramma bis 2003!
Kölner Erwin Müller konnte legendäres Nummernschild behalten
Der 70-Jährige erinnert sich noch gut, als Schramma sich passend zu seinem Amtsantrittsjahr das 2000-Kennzeichen wünschte. Bis dahin hatte der Dienstwagen des Kölner Oberbürgermeisters immer die Nummer K-1400. Aber schon zu Norbert Burgers Zeiten, erzählt Erwin Müller, sei mindestens anderthalb Jahre lang gemunkelt worden, dass sie das Kennzeichen, beginnend mit der begehrten 1, abgeben müssen.
„Meiner Recherche nach fuhr schon Konrad Adenauer ‚K-1400‘. Darum bin ich besonders stolz, ‚K-1400‘ bis zum Schluss gefahren zu sein. Aber wir haben es nicht gerne abgegeben, weil es seit Adenauer Tradition war“, erzählt der Ex-Cheffahrer. Als das Nummernschild bei dem Wechsel weggeschmissen werden sollte, durfte er es behalten.
Erwin Müller blickt auf ein spannendes Arbeitsleben zurück. Nach einer Ausbildung bei Ford und einer Bundeswehrzeit fing er mit 23 bei einer Bundesbehörde an. „1990 gingen dann Teile nach Berlin, da hatte ich keinen Bock drauf“, erklärt er. Er sei dann zur Stadt Köln gewechselt, habe eine Bürgermeisterin gefahren.
„Der damalige Oberbürgermeister Burger hat mich dann gefragt, ob ich nicht zu ihm wechseln wolle. Ich dachte: ‚Leck' mich am Arsch, was machste jetzt? So ein Angebot kriegste nie wieder‘!'“, erzählt Erwin Müller schmunzelnd. Das Vorstellungsgespräch wird er nie vergessen. „Er fragte, wo kommst du denn her? Ich habe geantwortet, ich sei in der Ehrenstraße groß geworden. Daraufhin sagte er, er käme von der Subbelrather, das würde dann schon mit uns passen. Fünf Minuten, das war alles.“

Copyright: Müller
Zeitzeugen-Dokument: Erwin Müller steigt in den Dienstwagen, während der Kölner Oberbürgermeister Norbert Burger (l.) die Fahrzeugtür öffnet. Müller war von 1991 bis 1999 Burgers Cheffahrer.
Damit habe eine sehr interessante Zeit angefangen. „Ich habe so viele Menschen, darunter Recep Tayyip Erdoğan, Jassir Arafat und Roger Moore hautnah erlebt – da brauchen andere drei Leben für“, erzählt der 70-Jährige.
„Wenn ich mit Ihnen einen Unfall baue, stehe ich im EXPRESS (...)“
Als er die Witwe des israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin vom Flughafen abholte, um mit ihr und OB Burger zu dem Platz zu fahren, der nach dem ermordeten Politiker benannt wurde, habe Burger ihn darauf hingewiesen, dass er etwas langsam fahren würde. „Ich entgegnete ihm: Wenn ich mit Ihnen einen Unfall baue, stehe ich im EXPRESS, mit Frau Rabin stehe ich in der New York Times“, erinnert sich der Rentner.
Palästinenser-Präsident Arafat habe er auf dem Petersberg eine rund 60 Zentimeter große Kölner Vase als Gastgeschenk überreichen dürfen. Müller: „Er hätte sie fast fallen lassen, weil er da schon erkrankt war. Ich habe sie dann noch aufgefangen. Vergesse ich nie im Leben.“
Erdogan habe er nach Chorweiler zur Bezirkssportanlage chauffiert. „Als der da antanzte, haben alle mitten im Spiel aufgehört“, erinnert er sich. Schauspieler Roger Moore, den er vom Rathaus zum Hotel fuhr, habe er als „sehr angenehmen Menschen“ empfunden.
Kölner Oberbürgermeister liebte das Essen von Müllers Ehefrau
„Ich habe meinen Job mit Leib und Seele gemacht, bin insgesamt mehrere Millionen Kilometer unfallfrei gefahren“, so der Kölner stolz. Bei längeren Fahrten versorgte ihn seine Frau („eine sehr gute Köchin“) mit Proviant. „Dann hat OB Burger hinten die Düfte in der Nase gehabt und gefragt: Haste noch was?“, erzählt er lachend. Darauf habe er geantwortet, dass er doch schon eine zweite Gabel mit hätte.
Norbert Burger war ein Freund von selbstgemachtem Essen. „Wenn meine Frau Kartoffelsalat gemacht hat, haben wir auf der Autobahn im Stau aus einem Topf gegessen.“ Besonders Linsensuppe habe Kölns ehemaliger Oberbürgermeister geliebt. „Das war seine Leibspeise.“
Mit Ex-OB Burger verbindet der Kölner viele Erlebnisse. So habe der über Jahrzehnte immer eine große Holzkiste im Dienstwagen dabeigehabt – voll mit Karnevalsmützen, peinlich genau sortiert. „Ich hatte die Aufgabe, ihm sofort nach dem Aussteigen die richtige Mütze auf den Kopf zu setzen“, erklärt der ehemalige Cheffahrer. Norbert Burger sei als Kölner Oberbürgermeister in jedem Karnevalsverein Mitglied gewesen und habe jährlich 60 bis 70 Sitzungen besucht.
„Das war damals so“, erklärt Erwin Müller weiter. Bei einer Sitzung im Sartory sei es dann passiert: „Ich habe ihn mit der falschen Mütze reingeschickt.“ Ganz offensichtlich sei die falsch einsortiert gewesen. Müller gibt zu: „Ich hätte es aber an der Farbe sehen müssen. Da war er schon sauer.“
Der 70-Jährige war auch hautnah dabei, als Oskar Lafontaine am 25. April 1990 bei einer Wahlkampfveranstaltung in Köln in den Hals gestochen wurde. „Ich saß in der zweiten Reihe, als die Frau mit einem Blumenstrauß an den Sicherheitskräften vorbeiging, um Lafontaine diesen angeblich zu überreichen“, erinnert er sich.
Doch hinter dem Strauß hatte die psychisch kranke Attentäterin ein Messer mit langer Klinge versteckt. Erwin Müller: „Das ging alles so schnell. Es ist ein Ereignis, das mich bis heute nicht loslässt.“


