Ein Einsatz in der Kölner Uniklinik sorgt für einen Skandal. Sechs Beamte stehen unter Verdacht, rassistische Parolen von sich gegeben zu haben.
„Was war so schlecht im Nationalsozialismus?“Ermittlungen gegen Kölner Polizisten wegen Volksverhetzung

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Ein Einsatz in der Kölner Uniklinik sorgt für einen Skandal (Symbolbild).
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Ein Polizeieinsatz an der Kölner Uniklinik von Anfang Dezember könnte für sechs Beamte gravierende Konsequenzen haben. Das Bonner Polizeipräsidium führt nun die Ermittlungen gegen die sechs Polizisten wegen des Verdachts auf Volksverhetzung. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft diesen Anfangsverdacht offiziell bestätigt.
Laut Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer liegt der Fokus der Ermittler momentan auf der Vernehmung von Zeugen. Die Ermittlungen gegen die Kölner Kollegen wurden aus Neutralitätsgründen an die Bonner Polizei übergeben. Das Polizeipräsidium in Köln äußert sich mit Verweis auf das laufende Verfahren in Bonn nicht. Das berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Bremer bestätigte außerdem, dass Bodycam-Aufzeichnungen des Einsatzes existieren. Was auf diesen Videos zu sehen ist, wird „mit Blick auf die laufenden Ermittlungen“ jedoch noch nicht öffentlich gemacht.
Der Auslöser für die Untersuchungen war ein Polizeieinsatz zu Beginn des Dezembers. Mitglieder einer Roma-Familie hatten sich an den Verein Rom e.V. gewendet. Sie sprachen von rassistischen Bemerkungen und einem überzogenen Polizeieinsatz nach dem Besuch bei einer Mutter und ihrem neugeborenen Kind.
Schwere Vorwürfe gegen Polizei und Uniklinik
Die Version von Rom e.V. und der betroffenen Familie beschreibt den Vorfall am 5. Dezember 2025 in der Frauenklinik der Uniklinik Köln so: Eine 25-köpfige Familie wollte eine Mutter nach der Entbindung und ihr Baby besuchen. Geplant war ein gemeinsames Essen im Foyer. Der Betreiber des dortigen Kiosks soll dem laut Familie zugestimmt haben.
Doch kurz nach dem Eintreffen der Gruppe soll eine leitende Ärztin sie lautstark und ohne Angabe von Gründen des Gebäudes verwiesen und die Polizei gerufen haben. Die Familie richtet ihre Vorwürfe hauptsächlich gegen die eintreffenden Polizeibeamten und deren diskriminierendes Auftreten.
Die Polizisten sollen demnach sofort in einem aggressiven Ton aufgetreten sein, ohne den Sachverhalt zu prüfen. Es sollen Aussagen gefallen sein, welche die Familie als rassistisch und antiziganistisch einstuft. Am schwersten wiegt jedoch die Schilderung, dass ein Beamter auf den Vergleich des Vorgehens mit der NS-Zeit geantwortet haben soll: „Was war so schlecht im Nationalsozialismus?“
Auch am darauffolgenden Tag sollen erneut Polizisten im Eingangsbereich aufgetaucht sein. Sie hätten sich nach der Familie erkundigt und sich dabei abfällig über diese geäußert.
Der Verein Rom e.V. hat daraufhin nach eigenen Angaben die MIA (Melde- und Informationsstelle für Antiziganismus) informiert. Zudem wurde beim Polizeipräsidium Köln eine Strafanzeige und eine Dienstbeschwerde eingereicht. Auch die Uniklinik Köln erhielt eine offizielle Beschwerde.
Uniklinik widerspricht Darstellung
Die Uniklinik wies die Version des Vereins bereits Ende Dezember zurück. Es sei zu mehreren Vorkommnissen gekommen, die von Mitarbeitern, Patienten und anderen Besuchern „als belastend“ wahrgenommen wurden. Die Familie sei „wiederholt und in respektvoller Weise“ auf die geltende Hausordnung aufmerksam gemacht worden.
„Da sich die Situation trotz dieser Hinweise nicht entspannte, wurde in Abstimmung mit der Klinikdirektorin auf Grundlage des Hausrechts die Entscheidung getroffen, die Familie zu bitten, den Foyerbereich der Klinik zu verlassen“, erklärte ein Sprecher. Weil dieser Bitte nicht Folge geleistet wurde und es zu „angespannten Wortwechseln“ kam, sei es nötig gewesen, die Polizei zu rufen, „um die Situation zu beruhigen und um unser Hausrecht durchzusetzen“.
Der Sprecher hob hervor, dass sich die Klinik entschieden von jeder Form der Diskriminierung distanziere. Man erwarte aber auch „Respekt für das Wohlbefinden und die Bedürfnisse“ aller anderen Anwesenden. Auf eine erneute Anfrage teilte der Sprecher mit, dass man dem nichts hinzuzufügen habe. „Wir haben den Zwischenfall intern aufgearbeitet und sind zu dem Fazit gekommen, dass unsererseits vollkommen richtig reagiert wurde.“
Marion Krämer, die Geschäftsführerin von Rom e. V., hatte laut eigener Aussage auf Anfrage noch keine Information über die Übergabe der Ermittlungen an das Polizeipräsidium Bonn. „Nach unseren Informationen ist auch den Betroffenen dazu nichts mitgeteilt worden.“ Die Betroffenen wüssten bisher nur, „dass die Ermittlungen aufgenommen wurden.“ Trotzdem sei dies ein „wichtiger, erster Schritt zur Aufklärung des Sachverhalts“. (red)
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