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Obdachlosen-Lager in KölnAnwohner: „Zu jeder Tages- und Nachtzeit unsagbar laut“

Unterhalb eines Baugerüsts befindet sich ein Schlaflager.

Copyright: Sven S.

Obdachlose haben unterhalb des Baugerüsts an den Hallen Kalk ihr Lager eingerichtet.

Obdachlose haben in einem Kölner Veedel ihr Lager aufgeschlagen. Für Anwohnende kommt es seitdem zu unerträglichen Situationen. 

Sie schlafen in Hauseingängen, auf dem nackten Boden in U-Bahnstationen oder in Zelten unter Rheinbrücken: Obdachlosigkeit begegnet einem in Köln fast überall. Oft handelt es sich dabei um Menschen in schwierigen persönlichen Situationen, die Hilfe bräuchten, aber nur selten annehmen.

Der Kölner Sven S. (46) erlebt das Elend inzwischen täglich vor seiner Haustür in Kalk. An Schlaf sei seitdem kaum mehr zu denken, sagt er.

Obdachlosen-Lager in Köln-Kalk: Lärm und Müll

„Seit geraumer Zeit hat sich unterhalb des Baugerüsts der Hallen Kalk eine Gruppe obdachloser Menschen ‚angesiedelt‘“, erzählt der 46-Jährige gegenüber EXPRESS.de. Dies sei an und für sich kein Problem, meint er. „Diese spezielle Gruppe sticht allerdings dadurch hervor, dass sie zu jeder Tages- und Nachtzeit unsagbar laut ist.“

Es werde gebrüllt und laut geflucht, vor allem nachts, schildert Sven S. „Weiterhin häuft sich in ihrem Lager der Unrat, welcher extrem stinkt, sobald er nass geworden ist.“

Das Problem sei seitens der Anwohner und Anwohnerinnen rund um den Ottmar-Pohl-Platz bereits mehrfach den AWB sowie dem Ordnungsamt gemeldet worden. Der Kölner beklagt: „Beide fühlen sich allerdings nur bedingt zuständig. Das Ordnungsamt ermahnt bei nächtlichen Ruhestörungen vor 23 Uhr nur, sofern überhaupt etwas passiert, und verweist sonst auf die Polizei. Die kommen zwar, können aber auch nicht mehr machen als Platzverweise aussprechen.“

Auch die AWB räume zwar den Müll weg – nach mehrmaligen Aufforderungen, wie Sven S. behauptet –, aber nach ein paar Tagen sehe es schon wieder aus wie vorher.

Hallen Kalk: Situation ist der Stadt bekannt

„Die Stadt Köln wurde durch Anwohner mehrfach dazu aufgefordert, dieser Gruppe von Menschen zu helfen, allerdings ist nie etwas passiert, um die Ursache zu lösen. Es werden lediglich die Symptome behandelt“, meint der Kölner. Die Situation sei für die Anwohnenden so in der Form nicht mehr tragbar! 

Kurz darauf meldet er sich erneut bei EXPRESS.de und erzählt gefrustet: „Mittlerweile sind es zwei Lager.“

Die Situation sei bekannt, bestätigt Katja Reuter vom städtischen Presseamt auf EXPRESS.de-Nachfrage. „Es handelt sich überwiegend um drogengebrauchende, obdachlose Personen.“ Das Aufsuchende Suchtclearing, ein Hilfsangebot der Stadt, sei regelmäßig vor Ort und kläre über Hilfsangebote auf, sagt sie. So wird auf Beratungsstellen hingewiesen, Notschlafplätze sowie Drogenkonsumräume angeboten. Dennoch ist die Situation an den Hallen Kalk scheinbar unverändert. Mehr noch, wie Anwohner Sven S. berichtet, zieht es dort immer mehr Obdachlose hin. 

„Mitarbeitende des Kommunalen Ordnungsdienstes haben bereits vergangene Woche und auch diese Woche den Bereich um und unter dem Baugerüst der Hallen Kalk durch die AWB räumen lassen“, erklärt Katja Reuter weiter. Neben den Räumungen werde ordnungswidriges Verhalten durch die Außendienstkräfte geahndet.

Doch die obdachlosen Menschen kehren immer wieder zurück. Laut Katja Reuter sei die Örtlichkeit bereits im Juni und Juli 2025 durch den Kommunalen Ordnungsdienst mit der Polizei, der AWB und den Streetworkern aufgesucht und geräumt worden.

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Auch die AWB bestätigt, dass es im Bereich unter dem Baugerüst der Hallen Kalk wiederholt zu Abfallansammlungen gekommen ist. „Diese wurden im Rahmen der uns bekannten Einsätze jeweils ordnungsgemäß entsorgt. Unsere Mitarbeitenden nehmen vor Ort wahr, dass insbesondere sperriger Abfall und Unrat anfällt, der in regelmäßigen Abständen beseitigt wird“, erklärt Sprecher Jörg Daniel. 

In den vergangenen zwölf Monaten habe es an der genannten Stelle insgesamt sechs Einsätze gegeben, die alle friedlich und ohne besondere Vorkommnisse verlaufen seien. „Unabhängig davon ist uns wichtig zu betonen, dass es sich bei den betroffenen Personen um Menschen in einer schwierigen Lebenssituation handelt“, so der AWB-Sprecher. Man habe aber Verständnis dafür, dass die Situation für Anwohnende belastend sein kann, insbesondere im Hinblick auf Lärm, Gerüche und Sauberkeit. 

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