Gitarrenvirtuose Eric Clapton hat eines seiner drei Deutschland-Konzerte in Köln gespielt. In der Lanxess-Arena präsentierte er mit seiner Band mitreißenden Bluesrock und einige seiner größten Hits.
War es ein Abschied für immer?Eric Clapton beschert Köln eine Rock-Sternstunde

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Obwohl Tausende Fans während der Konzerte Fotos und Videos machen, untersagt Eric Clapton Fotografen, Bilder der aktuellen Tour zu erstellen. Daher hier nur ein Archivbild aus dem Jahr 2021.

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Als der fast 50 Jahre alte JJ-Cale-Klassiker „Cocaine“ ertönte, gab es endgültig kein Halten mehr. Die Fans sprangen von ihren Stühlen auf und rannten zur Bühne, um der Legende noch einmal ganz nah zu sein.
Nach acht Jahren hat Eric Clapton (81), der Gitarrenvirtuose, der rund 280 Millionen Alben verkauft hat und als einziger Künstler dreimal in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen wurde, Köln noch einmal eine Sternstunde beschert.
Eric Clapton in Köln: 15.000 Fans in ausverkaufter Lanxess-Arena
Offiziell war dieser Abend nicht als Abschiedskonzert tituliert. Eine beispiellose Karriere hätte damit aber einen mehr als würdigen Schlusspunkt gefunden. Die Lanxess-Arena war am Freitagabend (15. Mai 2026) mit 15.000 Fans restlos ausverkauft. Und das trotz Ticketpreisen von 180 bis über 400 Euro.
Geboten bekam das Publikum hochklassigen, zeitlosen Bluesrock. Mit 90 Minuten und nur 14 gespielten Songs fiel der Abend zwar etwas kurz aus, aber dennoch genossen es alle noch einmal, in Großaufnahme auf der Leinwand zu beobachten, wie Claptons Finger an der schwarzen Fender Stratocaster zauberten.
Erste Erfolge feierte die Gitarrenlegende Mitte der 1960er mit den Yardbirds. Mit Cream, einer der ersten Supergroups der Rockgeschichte, gelang ihm der internationale Durchbruch. Der Klassiker „Badge“ eröffnet daher auch das Konzert. Über „Key To The Highway“ und „I’m Your Hoochie Coochie Man“ ging es zum ersten Höhepunkt. Der Klassiker „I Shot the Sheriff“ endete mit einem epischen Solo des Künstlers, den sie „Slowhand“ nennen.
Beim Akustikset sorgten bereits die ersten Akkorde von „Layla“ für einen kollektiven Entzückungsschrei des Publikums. Inspiriert wurde er zu dem Song 1970 von seiner unglücklichen Liebe zu Topmodel Pattie Boyd. Sie war mit Claptons Freund verheiratet, dem Ex-Beatle George Harrison. Als die Ehe zerbrach, heiratete er die Fotografin 1979. Auch diese Beziehung hielt nur zehn Jahre.
Es folgte direkt der nächste Mega-Hit. Das Drama, als sein Sohn Conor im Alter von vier Jahren aus dem Fenster eines Hochhauses in New York gestürzt ist, liegt zwar schon 35 Jahre zurück. Die Trauer in „Tears In Heaven“ schmerzt aber immer noch, auch wenn sie in der aktuell gespielten Reggae-Version erträglicher wird.

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Eric Clapton schaut inzwischen schon auf eine über 60-jährige Karriere zurück.
In bester Bob-Dylan-Manier gab es keinerlei Ansagen ans Publikum. Doch während der Ende 2025 bei seinem Köln-Gastspiel enttäuschte, riss Clapton von der ersten Minute an die Fans mit. Vor allem seine hervorragende Begleitband ließ jeden Titel zum musikalischen Fest werden.
Bei „Crossroad Blues“ und „Little Queen Of Spades“ durfte jeder einmal glänzen. Pianist Chris Stainton, auch schon stolze 82 Jahre alt, duellierte sich mit Tim Carmon an der Orgel. Doyle Bramhall II zauberte ebenfalls an der E-Gitarre.

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Eine echte Rock-Legende: Eric Clapton gewann 1993 gleich sechs Grammys, allen voran für seinen Song „Tears in Heaven“ und das Unplugged-Album.
Viele Fans hatten im Vorfeld Bedenken, ob die über 60-jährige Karriere nicht zu viele Spuren hinterlassen haben könnte. Da war die Heroin- und Alkoholabhängigkeit. Seit vielen Jahren leidet Clapton zudem an einer Nervenkrankheit, die das Gitarre spielen erschwert. Zudem macht ihm der fortschreitende Gehörverlust zu schaffen. Aber wenn er anerkennend nach links und rechts schaute, um seine Mitmusiker beim auslandenden Solo zu verfolgen, dann huschte sogar ein Lächeln über sein Gesicht.
Nach der einzigen Zugabe „Before You Accuse Me“ endete die Zeitreise jedoch abrupt. Vom jüngsten Studioalbum „Meanwhile“ hatte es gar kein Song ins Programm geschafft. Auch auf Hits wie „Wonderful Tonight“, „Lay Down Sally“ und „Change the World“ musste das Publikum verzichten. Eine tiefe Verbeugung, dann schritt der Blues-Senior von der Bühne. Und das Publikum strömte schwärmend in die Nacht.
