Am Kölner Eigelstein ist die Lage katastrophal. Anwohner kämpfen gegen Müllberge und Fäkalien-Geruch in vier Bahnbögen. Stadt und Deutsche Bahn wissen Bescheid, aber die Anwohner fühlen sich im Stich gelassen.
Dreck, Gestank, AngstKölner schlagen Alarm wegen Bahnbögen

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An einem der Bahnbögen am Eigelstein sind noch Brandspuren zu sehen.
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Verrottende Kadaver, Abfallhaufen, Brandflecken – so beschreiben Anwohner den Zustand der vier Bahngewölbe zwischen Plankgasse und Gereonswall im Herzen von Köln.
Seit Monaten sei die Situation unhaltbar. Sie beklagen gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ üblen Geruch, die Furcht vor Seuchen und eine steigende Feuergefahr. Eines der Gewölbe hat im Mai dieses Jahres bereits gebrannt.
Ungeklärt ist, wer für die Beseitigung dieser Zustände verantwortlich ist. Eigentümerin ist die Deutsche Bahn, die sie an Dritte weitervermietet hat.
Die Kölner Stadtverwaltung verweist auf durchgeführte Kontrollen, soziale Hilfsmaßnahmen und mögliche Schritte des Ordnungsamtes. Den Anwohnern genügt das bei Weitem nicht.
Anwohner fürchten um ihre Gesundheit
„Der Gestank, der aus Richtung der Bahnbögen zu unseren Häusern zieht, ist unzumutbar. Fenster nach hinten können kaum geöffnet werden, ohne dass die Wohnungen nach Fäkalien und Verwesung riechen“, schildert Joerg Bremen die Lage. Er lebt in einem der Gebäude, dessen Hinterhof direkt an die Bahnbögen grenzt. In seiner Nachbarschaft sammelte er Unterschriften und wandte sich damit an Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD).
Bremen sorgt sich aber nicht nur um die Gesundheit, sondern auch um die allgemeine Sicherheit. Im Mai geriet laut Angaben der Bahn nachts ein kaputter E-Bike-Akku in einem der vier Gewölbe in Brand. „Die Flammen sind meterhoch geschlagen, die Brandspuren sind bis heute zu sehen“, so Bremen. Er sei zum Glück wach geworden und habe umgehend die Einsatzkräfte alarmiert. „Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn das Feuer auf unsere Häuser übergegriffen hätte“, sagt Bremen.
Die Befürchtung, dass es erneut zu einem Brand kommen könnte, treibt ihn um. In den vier Bahnbögen lagern riesige Mengen an Unrat, durch die sich ein Feuer rasant ausbreiten könnte. Es wird auch berichtet, dass Teile der offenen Drogenszene vom Neumarkt in den letzten Monaten zum nahegelegenen Hansaring umgezogen sind.

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Einige der Bahnbögen am Eigelstein sind verwahrlost.
Für Bremen ist die Situation lebensbedrohlich – sowohl für die wohnungslosen Menschen in den Gewölben als auch für die Anwohner. Seiner Meinung nach kümmert sich die Deutsche Bahn als Eigentümerin nicht genug um die Missstände, und auch die Stadtverwaltung sei zu passiv. „Die Stadt Köln kann und muss den Eigentümer in Anspruch nehmen und die Deutsche Bahn verpflichten, die Bögen einzuzäunen, zu räumen und den Müll fachgerecht zu entsorgen“, fordert Bremen.
Die Stadt Köln hat ihrerseits verlauten lassen, die Probleme an den Bahnbögen am Eigelstein intensiver bekämpfen zu wollen. Die Verwaltung werde immer wieder über die Vermüllung und potenzielle Gefahren informiert, erklärt ein Sprecher der Stadt. „Die Stadt Köln erlangt immer wieder Kenntnis über Missstände an Bahnbögen“, steht in der Antwort auf eine Anfrage unserer Redaktion. Man prüfe diese Meldungen umgehend. Bei Bedarf ergreife die Stadt ordnungsrechtliche Maßnahmen. Was dies im speziellen Fall heißt, wird nicht klar: Aus der Stellungnahme geht nicht hervor, ob die Stadt bei den vier genannten Bögen bereits aktiv wurde oder ob es bei Überprüfungen blieb.
Abgesehen vom Abfall und der potenziellen Feuergefahr beschäftigt die Stadt auch die soziale Lage vor Ort. Der Sprecher bestätigt, dass die Bahngewölbe von obdachlosen und suchtkranken Personen als Rückzugs- und Lagerort dienen. Das städtische Programm „Aufsuchendes Suchclearing“ und Streetworker seien regelmäßig präsent, um Gespräche zu führen und Angebote der Sucht- und Wohnungslosenhilfe zu unterbreiten.

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Müll stapelt sich in einem der Bahnbögen am Eigelstein.
Ein erheblicher Anteil der Personen sei dem Suchclearing bereits bekannt, wird mitgeteilt. Laut städtischen Informationen vermitteln die Helfer monatlich zwischen 30 und 40 Menschen an weiterführende medizinische und soziale Einrichtungen – beispielsweise an Suchtberatungsstellen, Entgiftungskliniken, Substitutionsprogramme, Wohninitiativen oder das Jobcenter. Diese Statistik bezieht sich jedoch auf die gesamte Tätigkeit des Suchclearings, nicht ausschließlich auf die vier Bahnbögen am Eigelstein.
Als kurzfristige Maßnahme plant die Stadt, ihre Präsenz zu verstärken: Ordnungsamt, Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) und Sozialdienste sollen enger kooperieren. „Die Abstimmung zwischen den jeweiligen Dienststellen wird fortlaufend geprüft und angepasst, um eine spürbare Verbesserung zu erzielen“, erklärt der Stadtsprecher. In welcher Frequenz Ordnungsamt und AWB zukünftig vor Ort sein werden, wird nicht präzisiert.
Der marode Zustand mancher Bahnbögen ist eines der seit Jahren ungelösten Probleme in der Domstadt. Insgesamt gibt es 90 dieser Gewölbe – 35 davon am Eigelstein, die übrigen 55 in Ehrenfeld. Die Deutsche Bahn ist die Eigentümerin und trägt seit 2023 wieder die alleinige Verantwortung. In dem Jahr konnte die Bahn einen Rechtsstreit mit dem früheren Pächter für sich entscheiden.
Bahn sieht Mieter in der Verantwortung
Seit diesem Zeitpunkt arbeitet der Konzern laut eigener Auskunft an der Klärung der bestehenden Mietverträge. Die Bahn strebe an, geordnete Verhältnisse mit allen Mietern zu etablieren und sich parallel einen Überblick über den Zustand der Bauten und deren technische Anlagen zu verschaffen, so ein Bahnsprecher auf Anfrage. Eine ordnungsgemäße Übergabe der Bahnbögen an die Deutsche Bahn habe es nie gegeben, weshalb die Prüfung der vertraglichen Situation andauere.
Wer die Pächter der vier verwahrlosten Bahnbögen am Eigelstein sind, möchte die Bahn nicht preisgeben. „Die Vermietung der Bahnbögen und insbesondere die mietvertraglichen Vereinbarungen mit den dortigen Mietparteien sind vertraulich“, teilt der Bahnsprecher mit. Für Anwohner und die Öffentlichkeit ist somit nicht nachvollziehbar, wer außer der Bahn konkret für die Sicherung, Säuberung und Entrümpelung der Bögen zuständig ist.
Hinsichtlich der Verwahrlosung der Bahngewölbe sieht die Bahn ihre Untermieter in der Pflicht. Eigene Mitarbeiter seien zwar regelmäßig vor Ort und über den Zustand der Objekte im Bilde. Wenn Müll oder Verwahrlosung bemerkt werden, erinnere das Unternehmen die entsprechenden Mieter an ihre vertraglichen Pflichten. „Wir erwarten von allen Vertragspartnerinnen und -partnern, dass sie ihren Beitrag zu Sicherheit und Sauberkeit der Anlagen leisten“, sagt der Bahnsprecher.
Im Hinblick auf obdachlose und hilfsbedürftige Personen unterstreicht die Bahn, dass ihre Anlagen keine passenden Orte zum Schlafen oder Verweilen seien. Gleichzeitig wolle man die persönliche Not der Betroffenen nicht ignorieren. (red)
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