„Wir waren nie nur die Opfer“ Talk in Köln: Lesbische Frauen mit überraschendem Rückblick

Mit einer großen Regenbogenfahne ziehen Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer CSD-Parade in Berlin mit.

Während des ColognePride werden in Köln verschiedene Veranstaltungen angeboten, unter anderem ein Talk zu lesbischen/queeren Frauen jeder Generation. Das Foto aus dem Jahr 2022 zeigt eine Regenbogenflagge, die als Symbol für die Akzeptanz sexueller Vielfalt gilt.

Lesbische und queere Frauen in jedem Alter – wo liegen die Unterschiede? Ein weiteres spannendes Thema, das in einer Talk-Runde während des ColognePride in Köln aufgegriffen wird.

Das anyway Köln an der Kamekestraße hat am Mittwochabend (29. Juni) die Café-Türen für einen ganz besonderen Talk geöffnet. Vier lesbische Frauen aus unterschiedlichen Generationen trafen aufeinander und sprachen über persönliche Erfahrungen. 

Zu Gast waren unter anderem Monika Mengel (71) und Birgitte Häder (73), die jeweils Teil einer älteren Generation sind, sowie Carla Stirnatis (25) und Zora Weinand (20), die aus einer jüngeren Generation stammen.

Die Generation der 70er führte teilweise zu einem Umdenken in Deutschland, was die homosexuelle Lebensweise anging. Trotzdem war der damalige Weg zum Coming-out ein schwerer und es fehlte oft an genügend Akzeptanz. 

Die beiden Gastsprecherinnen aus der neuen, heutigen Generation, Zora Weinand und die 25-jährige Carla Stirnatis, berichteten über ein durchweg positives Coming-out und über positive Reaktionen. Für Carla, die ehrenamtlich auch bei anyway Köln tätig ist, war das Coming-out „an jeder Stelle etwas sehr Positives“.

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Und trotz jeder Menge Akzeptanz in der Familie wie auch im Freundeskreis, mussten auch die beiden jungen Frauen bereits Erfahrungen mit Anfeindungen gegen sie als Personen der LGBTQI+-Community machen. 

Lesbischer Talk in Köln: Generationen treffen aufeinander

Für die 73-jährige Birgitte Häder verlief der Weg zum Coming-out nicht ganz so glimpflich. Erst im Rentenalter konnte sie ihre Sexualität tatsächlich ausleben und dazu stehen, dass sie lesbisch ist. Heute sagt sie: „Vielleicht hätte ich mutiger sein müssen.“

Für die in der Lesbengruppe „Golden Girls“ aktive Birgitte Häder war es ein langer Weg. Die heutige Offenheit lesbischer Frauen nimmt sie selber als starkes Selbstbewusstsein wahr, wovon sie „früher nicht einmal hätte träumen können“.

Aber hatten es homosexuelle Frauen in der älteren Generation wirklich so viel schwerer? Die 71-jährige Journalistin Monika Mengel spricht aus Erfahrung und hält fest: „Es ist ein Vorurteil, dass wir in den 70er Jahren nur Opfer waren. Wir waren nie nur Opfer, wir waren die, die angegriffen haben. Aber ich bin total stolz, was junge Frauen heute bewegen.“

Ein großer, aber wichtiger Unterschied zwischen älterer und jüngerer Generation sind die in der heutigen Zeit viel präsenter werdenden Anlauf- und Informationsstellen für junge Menschen. Auch das anyway Köln bietet lesbischen, schwulen, bisexuellen, inter- und transsexuellen Jugendlichen vor Ort Unterstützung an. 

Am kommenden Wochenende (1. bis 3. Juli 2022) steht in Köln nach zwei Jahren Corona-Pause wieder die größte CSD-Parade in Deutschland an. Über 800.000 Menschen werden in der Domstadt erwartet.

Egal ob alte oder junge Generation – der Christopher Street Day bietet eine generationsübergreifende Möglichkeit, unterschiedliche sexuelle Orientierungen frei ausleben zu können. Die 20-jährige Zora sagt: „CSD ist etwas Gemeinsames und da kämpfen wir für unsere Rechte.“ (kvk)

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