Nach Zoff in Höhenhaus: Stadt plant jetzt doch Auto-Brücke
Brücken-Zoff in KölnKölner Dezernent macht Kehrtwende nach massivem Protest

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Die Siedlung Schönrath in Köln-Höhenhaus ist nur noch über eine Straße mit dem Auto zu erreichen, weil die Brücke der Straße am Flachsrosterweg abgerissen wird (Foto vom 29. Mai 2026).
Erst das klare Nein, jetzt die Rolle rückwärts! Im Zoff um eine wichtige Brücke in Höhenhaus lenkt die Stadtverwaltung ein. Für 3500 Menschen ist das eine riesige Erleichterung.
Im Zoff um die Brücke Am Flachsrosterweg in Höhenhaus vollzieht Mobilitätsdezernent Ascan Egerer eine komplette Kehrtwende. Sein ursprünglicher Plan sah vor, nach dem Abriss auf einen Ersatzbau für Autos zu verzichten. Die Gründe waren die hohen Kosten und der knappe Zeitplan. Nun wird eine solche Lösung doch in die Wege geleitet. Seit die Brücke am 18. Mai gesperrt wurde, ist die Siedlung Schönrath mit ihren 3500 Einwohnern für den Autoverkehr nur noch über die viel befahrene Berliner Straße erreichbar.
Dezernent entschuldigt sich für Vorgehen
Egerer hat außerdem sein Bedauern über die bisherige Handhabung ausgedrückt. „Ich bedaure, dass es nicht gelungen ist, hier sofort eine temporäre Ersatzlösung umzusetzen, und verstehe, dass sich viele Anwohnerinnen und Anwohner eine frühzeitigere Beteiligung gewünscht hätten. Wir arbeiten aber weiter daran – weil es uns wichtig ist – die Einschränkungen für die Menschen so gering wie möglich zu halten“, so die Worte des Mobilitätsdezernenten.
Das zuständige Amt für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau wird nun das bereits involvierte Planungsbüro anweisen, zusätzlich eine provisorische Brücke für Pkws zu prüfen. Erst im Anschluss an diese Untersuchung kann die Stadtverwaltung eine Aussage treffen, ob ein solches Bauwerk technisch realisierbar ist, welche Bauzeit veranschlagt wird und mit welchen Kosten zu rechnen ist. Geklärt werden muss dann auch der Preis für die Montage – abhängig davon, ob die Arbeiten bei laufendem Zugverkehr stattfinden können oder ob die Strecke extra gesperrt werden muss. Die Überführung überspannt die Bahnstrecke, die Köln und Wuppertal verbindet.
Anschließend beabsichtigt Egerer, der Politik eine Vorlage zum Beschluss vorzulegen. Der Mobilitätsausschuss des Stadtrats sowie die Bezirksvertretung (BV) Mülheim sollen dann darüber befinden, ob und wie die Finanzierung für die provisorische Auto-Brücke gestemmt werden kann. Genau über diese Finanzen hatten sich Egerer und die BV vorher gestritten.
Die Lokalpolitiker hatten für den Bau einer Behelfsbrücke für Pkws gestimmt – diese wäre 700.000 Euro kostspieliger gewesen als die vom Dezernenten favorisierte Lösung für den Rad- und Fußverkehr. Daraufhin teilte Egerer mit, die Mittel nicht zu besitzen, und ließ den politischen Beschluss vorerst unberücksichtigt.
Verfahren startet teilweise von vorn
Somit fängt der Prozess in gewissen Aspekten wieder von vorne an. „Nach Einbringung des Dringlichkeitsbeschlusses zum Rückbau der Brücke ‚Am Flachsrosterweg‘ fanden viele Gespräche und Diskussionen zwischen der Verwaltung und den politischen Vertreterinnen und des Stadtbezirks Mülheim statt, um die Umsetzungsmöglichkeit im Zeitfenster der für die städtische Maßnahme genehmigten Sperrung und die erforderliche Finanzierung zu finden. Leider konnte dafür kurzfristig keine Lösung gefunden werden“, erklärt Egerer.
Die Untersuchung des Brückenzustands habe gezeigt, dass es aus Sicherheitsaspekten keine andere Möglichkeit als den Abbruch gebe. „Das bringt Einschränkungen und Umleitungen für die Menschen vor Ort und belegt die Bedeutung dieser Verkehrsbeziehung“, gesteht der Mobilitätsdezernent zu.

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Die Brücke der Straße Am Flachsrosterweg in Köln-Mülheim (hier am 16. April 2026) muss abgerissen werden.
„Ich freue mich sehr, dass das Amt für Brücken die Planung einer Pkw-Behelfsbrücke beauftragt. Eine hervorragende Nachricht für die Anwohnerinnen und Anwohner, die dringend auf diese Verbindung angewiesen sind“, äußert sich Bezirksbürgermeister Vincent Morawietz (SPD). Nun sei eine schnelle Vorlage der Resultate aus der Planung erforderlich.
Die Bürgerinitiative in der Schönrath-Siedlung hat die Kehrtwende des Mobilitätsdezernats am Montag positiv aufgenommen. „Die Entscheidung ist alternativlos und unabdingbar – nicht zuletzt die zwei kurz aufeinanderfolgenden Großeinsätze der Feuerwehr haben gezeigt, wie wichtig eine verlässliche Verkehrsverbindung für die Sicherheit, die Rettungskräfte und den Durchgangsverkehr ist“, meint Anwohner Alexander Dick. Dies sei auch dann der Fall, wenn die Realisierung wegen der schon verstrichenen Zeit höhere Ausgaben nach sich ziehen sollte.
Hinsichtlich der lokalen Verkehrslage hat das Mobilitätsdezernat vorab Analysen mit einem Verkehrsmodell erstellen lassen, wie ein Sprecher der Stadt mitteilt. Laut der Bewertung der Fachleute befahren täglich unter 2500 Autos die Strecke. Die Auslastung sei aus der Perspektive des Dezernats „vergleichsweise gering“. In der Siedlung wohnen 3500 Personen. An der einzig verbliebenen Zufahrt über die Berliner Straße rechnet das Dezernat mit „einen verträglichen Anstieg des Verkehrs“. Außerdem entfalle der Transitverkehr durch das Wohngebiet, welcher bislang die Hälfte des gesamten Aufkommens darstellte.(red)
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