Ein Einsatz in Köln endete vor 30 Jahren tödlich – und rettet heute Leben.
„Wir verdanken ihm letztendlich das Leben“Wie der Tod eines Kölner Feuerwehrmannes alles veränderte

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Der Einsatz in der Kierberger Straße in Zollstock im Jahr 1996.
Für die Kölner Feuerwehr markiert ein Datum eine tiefe Zäsur: der 6. März 1996. Jener Tag beendete nicht nur ein Leben, sondern revolutionierte die Arbeit der Einsatzkräfte in Köln und darüber hinaus. Als Brandmeister Andreas Stampe mit seiner Mannschaft der Wache 2 zu einem Feuer in der Kierberger Straße 15 in Zollstock gerufen wurde, ahnte niemand die Tragweite.
Vorschriftsmäßig drangen drei Männer mit Atemschutz in den Keller vor. Sie krochen am Boden durch absolute Finsternis. Wie sich später herausstellte, hatten Schaumstoffmatratzen Feuer gefangen und den Keller mit undurchdringlichem schwarzem Qualm gefüllt.
Drama im Keller: Kollegen kämpften um sein Leben
Für den 28-jährigen Stampe wurde es zur Falle: Seine Fangleine hatte sich unbemerkt aus dem Beutel gelöst und im Gerümpel des Kellers verhakt. Er saß fest, als das Signal zum Rückzug ertönte. Axel Strang, der damals an seiner Seite war, schildert laut „Kölnischer Rundschau“ die dramatischen Minuten: „Ich habe über Funk versucht, nach draußen Kontakt zu bekommen. Ich habe immer wieder gerufen. Aber ich habe nie eine Antwort bekommen.“
Strang ließ einen Kameraden bei dem gefangenen Feuerwehrmann und folgte dem Schlauch zurück, um Verstärkung zu alarmieren. Ein Wettlauf gegen die Zeit, denn der Luftvorrat in den Pressluftatmern war auf 20 bis 25 Minuten begrenzt. „Man konnte in dem Keller nichts sehen. Überhaupt nichts. Und es war furchtbar heiß“, so Strang. „In der Zeit habe ich zwei, drei Mal gedacht: So, das war's.“
Doch Strang schaffte es und rief Niko Irmler zur Hilfe. „Durch Zufall hatte ich ein Messer dabei“, berichtet Irmler. Er tastete sich am Schlauch entlang in die absolute Dunkelheit. „Ich bin dann quasi über die beiden Kollegen gestolpert, habe das Messer rausgeholt und der andere Kollege hat die Fangleine von Andreas durchgeschnitten.“

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In der Kierberger Straße in Zollstock brannte es am 6. März 1996 im Keller, dann griff der Rauch auch auf die Wohnung des Hochhauses über.
Doch für Andreas Stampe kam die Hilfe zu spät. Sein Atemgeräusch war bereits verstummt. Die Bergung wurde zur Qual, denn allein die Ausrüstung wiegt mehr als 40 Kilo. „Und dann sagte mein Kollege: Niko, ich muss raus. Ich habe keine Luft mehr. Dann war ich alleine mit Andreas“, erzählt Irmler. „Ich habe es nicht geschafft.“
Ein nachrückender Trupp konnte Stampe schließlich bergen. Er wurde reanimiert und in die Uniklinik gebracht, wo er jedoch seinen Verletzungen erlag. „Für Andreas war Feuerwehr sein Leben“, sagt Axel Strang, „und wir waren alle eine Familie.“
Nach der Katastrophe: So rüstete die Feuerwehr auf
Der Tod des jungen Brandmeisters war eine Zäsur. Eine eingesetzte Unfallkommission zog bundesweit Konsequenzen. „Wir haben viel investiert, um Atemschutzeinsätze sicherer zu machen“, sagt der Chef der Kölner Feuerwehr, Dr. Christian Miller. „Und es ist nicht immer Technik, die da entscheidend ist, sondern auch Abläufe und Kommunikation.“
Die Ausrüstung wurde grundlegend modernisiert: Die Beutel für Fangleinen erhielten erst Klettverschlüsse, heute sind die 20 Meter langen Leinen in leuchtend roten, gesicherten Taschen verstaut. Flammenhemmende Schutzkleidung und spezielle Hauben ersetzten die alten Ledermäntel. „Wenn die Ohrläppchen anfingen zu schmelzen, dann war es Zeit für uns, rauszugehen“, beschreibt Sprecher Ulrich Laschet kopfschüttelnd die früheren Zustände.
„Wir verdanken Andreas Stampe mit seinem Tod letztendlich das Leben“
Auch die Kommunikation wurde revolutioniert. Statt nur einem Funkgerät pro Trupp wie 1996 ist heute jeder Retter einzeln ausgestattet. Der Notruf „Mayday, Mayday, Mayday“ wurde als Standard für Atemschutznotfälle etabliert und wird intensiv geübt. Außerdem steht nun immer ein eigener Rettungstrupp für verunfallte Kollegen bereit.
„Das Schicksal von Andreas Stampe hat sich wirklich ganz, ganz tief in die DNA der Feuerwehr Köln eingebrannt“, betont Christian Miller. Dieses tragische Erbe rettet heute Leben. Das beweist der Einsatz von Stefan Jucken am 1. Januar 2016. In einer brennenden Tiefgarage in Porz verlor sein Trupp die Orientierung. „Wir sind gefühlt im Kreis gelaufen und haben den Weg raus nicht mehr gefunden.“ Jucken setzte den „Mayday“-Ruf ab, woraufhin der Sicherheitstrupp sie in letzter Sekunde fand.
Sein Fazit sorgt für Gänsehaut: „Wir verdanken Andreas Stampe mit seinem Tod letztendlich das Leben. Ohne die Mechanismen, ohne die Technik und die Ausstattung, also den Sicherheitstrupp oder die Funkgeräte, würden wir heute nicht mehr leben.“ (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

