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Interview

Hans SiglWarum der „Bergdoktor“ Kollegen schon mal eine scheuert

Die Schauspielerinnen und Schauspieler Hilde Dalik, Ronja Forcher, Hans Sigl, Monika Baumgartner und Heiko Ruprecht spielen gemeinsam in der Serie "Der Bergdoktor".

Hach, wie schön! Die „Bergdoktor“-Familie: Hilde Dalik, Ronja Forcher, Hans Sigl, Monika Baumgartner und Heiko Ruprecht (v.l.)

Schauspieler Hans Sigl hat mit uns über den „Bergdoktor“, über Fanpost und Hassnachrichten sowie Erste Hilfe gesprochen.

Er ist der Arzt, dem nicht nur die Frauen vertrauen: Hans Sigl rettet als „Der Bergdoktor“ seit 18 Jahren Patientinnen und Patienten am Wilden Kaiser, dem pittoresken Gebirge in Tirol. Am 8. Januar 2026 startet Staffel 19, im Stream gibt's neue Folgen bereits. EXPRESS traf den beliebten Schauspieler zum großen Interview.

Herr Sigl, was lieben Sie an den Bergen?

Hans Sigl: Ich komme aus Österreich und bin dort aufgewachsen – für mich ist es eine Zwangsläufigkeit, es ist meine Heimat. Die Berge sind mein natürliches Habitat und das, wo ich gegroundet bin. Ich stehe da und spüre die Kraft vom Wilden Kaiser ... Auch wenn ich schon seit 1998 in Deutschland lebe, ist es immer noch meine zweite Heimat.

Hans Sigl über das Erfolgsgeheimnis vom Bergdoktor

Am 8. Januar 2026 startet die neue Staffel vom „Bergdoktor“ – welche lustigen Erlebnisse am Set hat's gegeben?

Hans Sigl: Es ist nach wie vor so, dass mein Kollege Mark Keller und ich regelmäßig des Sets verwiesen werden, wenn wir uns in einem Lachkrampf wiederfinden. Ansonsten gibt es natürlich jede Menge schöner Geschichten, die ich mit tollen Kollegen wie Herbert Knaup, Luise Helm, Leslie Malton oder Hans-Werner Meyer erlebt habe. Paul Sundheim hat nach zwölf Jahren wieder bei uns mitgespielt. Tolle Erinnerungen!

Die letzte Bergdoktor-Staffel war wieder ein Quoten-Hit: 5,5 Millionen im linearen TV, 2,6 Millionen im Streaming pro Folge: Warum lieben die Leute den „Bergdoktor“ so?

Hans Sigl: Ich denke, das hat verschiedene Gründe. Man gibt dem Arzt gerne die Zuversicht, dass es am Ende gut wird. Man spricht aber auch von einem gelernten Format. Und meistens gibt es ein gutes Ende. Manch eine „Bergdoktor“-Staffel ist auch mal nicht so schön ausgegangen. Aber prinzipiell ist es das Ringen um Zuversicht und einen guten Ausgang, in Kombination mit den sehr emotionalen Geschichten, die wir erzählen. Es geht letztendlich um Leben und Tod. Und das Ganze spielt natürlich vor einer sensationellen Kulisse. Dieses Bundle hat sich bei den Leuten extrem eingeprägt – genau wie der Staffelstart kurz nach Neujahr.

Mindestens ein wenig wird's wohl auch am Hauptdarsteller liegen. Sie sind beliebt – gerade bei den Damen. Rollt Ihre Frau schon mal mit den Augen, wenn wieder ein Batzen Fanpost ankommt?

Hans Sigl: Im Gegenteil. Einmal im Monat bekomme ich aus der Firma einen Schwung Fanpost und wir haben da ein richtiges Ritual draus gemacht: Dann machen wir uns einen schönen Tee, legen eine Platte auf und „scrollen“ ganz analog durch die Fanpost. Das ist wirklich bezaubernd, dass es noch Leute gibt, die sich die Mühe machen, einen Brief zu schreiben.

Hans Sigl gastiert im Theater im Tanzbrunnen. Der Schauspieler spielt den Bergdoktor in der gleichnamigen Serie und stellt sich den Fragen von EXPRESS-Redakteurin Laura Schmidl am 17. Dezember 2025 in Köln.

Hans Sigl mit EXPRESS-Redakteurin Laura Schmidl beim Gespräch in Köln (Dezember 2025). Der „Bergdoktor“ trägt das Jackett, dessen Print ihm besonders wichtig ist. „Worte haben Macht, wähle sie weise, denke, bevor du sprichst“ steht auf Englisch darauf.  Fotografie,

Sie kriegen aber auch negative Nachrichten. Wie gehen Sie damit um?

Hans Sigl: Die Hater-Zuschriften kommen digital, die machen den Aufwand nicht. Bei denen muss es schnell gehen. Wenn man dann mal antwortet, rudern sie oft zurück und sagen: War gar nicht so gemeint. Ich gehe ganz gerne in den Austausch und frage, was denn heute schief gelaufen ist, und empfehle einen kleinen Spaziergang. Häufig merke ich dann, dass es eigentlich eine Aufmerksamkeitssuche war. Wenn es aber ganz hart ist, kann man auch mal einen Anwalt einschalten.

Warum, glauben Sie, schreiben Ihnen Leute Hass-Nachrichten?

Hans Sigl: Ich glaube, bei vielen ist es eine Übersprungshandlung. Das hat dann gar nichts direkt mit mir zu tun. Sondern, jemand ist im Brass, ist sauer, genervt – vielleicht auch zu Recht. Und dann kommt mein Feed und ist wie eine Ableitung. Man muss trotzdem mit offenem Herzen auf die Menschen zugehen. Mir tut es auch leid für die Leute.

Sie teilen da Ihre politischen Meinungen – finden Sie, man „darf nicht mehr alles sagen“?

Hans Sigl: Nein, das stimmt nicht. Man kann alles sagen. Wenn ich auf der Bühne stehe, sage ich auch, was ich denke, und habe dann die Gelegenheit, darauf zu warten, dass jemand aus dem Publikum etwas dagegen sagt. Dann können wir diskutieren.

Sie haben ein Jackett an, auf dem steht unter anderem: „Choose your words wisely“ – wähle deine Worte weise. Warum?

Hans Sigl: Wir leben in einer immer diversifizierteren Gesellschaft und das ist grundsätzlich wunderbar. Vor einigen Jahren kam das Wort „Achtsamkei“t in den Sprachgebrauch, daraus wurde die „liebevolle Achtsamtkeit“. Wir sind an einem Punkt, an dem es heißt: „Mehr Wir, weniger Ich“. „Words hold Power“, das muss man auch für sich im Alltag berücksichtigen. Was gesagt ist, kann man nicht mehr ungesagt machen. „Think before you speak“ ist grundsätzlich eine gute Idee. Es ist so schnell etwas gesagt, das verletzend sein kann. Das muss nicht sein und darauf sollte man seine Achtsamkeit richten. Deshalb habe ich das auf dem Jackett stehen.

Susanne Sigl und Hans Sigl bei der Roncalli ARTistART Premiere im Werksviertel am Ostbahnhof am 24. Oktober 2025 in München.

Hans Sigl mit seiner Susanne, mit der er seit 2008 verheiratet ist. Sie ist Sängerin, Fotografin und Werbefilmproduzentin. Das Foto wurde im Oktober 2025 aufgenommen.

Also finden Sie nicht, dass man heutzutage viel zu sehr darauf achten muss, welche Wörter man nutzt, um ja niemanden zu verletzen – wie es viele kritisieren?

Hans Sigl: Ich glaube, es gibt einen neuen gesellschaftlichen Kontext, der besagt, dass es gewisse Zusammenhänge gibt, die überaltert sind. Daran kann man sich halten, wenn man achtsamer miteinander umgehen will. Es ist nicht so schlimm, seine Worte etwas weiser zu wählen, deshalb habe ich die ganze Gender-Diskussion auch nicht verstanden. Es ist doch nur ein Add-On, das man hätte nutzen können. Aber da wurde in einem sehr bürokratischen Stil ein Exempel statuiert in Form von Verboten und Geboten, weil damit eine Ideologie verknüpft wird. Das Schlimme ist, dass man in einen Zustand kommt, in dem man Sprache mit Ideologie verbindet. Das beste Beispiel ist die Wurst: Es wird diskutiert, ob man „vegane Wurst“ sagen kann. Wenn man aber einfach schriebe „Wurst, vegan“ wäre alles ganz einfach und Ende.

Was regt Sie in den gesellschaftlichen Debatten derzeit am meisten auf?

Hans Sigl: Die Intoleranz, was die Standpunkte anbelangt. Gerade dieses parteipolitische Hickhack ist überlebt. Da sehe ich zu viele alte, weiße Männer, die sich einen Hahnenkampf liefern. Da denk’ ich immer: „Leute, das ist so hart am Thema vorbei, das macht mich wahnsinnig“.

Sind Sie eigentlich schon mal in die Not gekommen, einen echten Bergdoktor zu brauchen?

Hans Sigl: Ich persönlich nicht, aber ich bin schon in die Situation gekommen, Erste Hilfe leisten zu müssen. Da habe ich gemerkt, dass die Routine am Set mir geholfen hat, einen kühlen Kopf zu bewahren. Das wäre auch noch ein Aufruf an die Leserinnen und Leser, sich zu fragen: Würde ich das hinkriegen? Es ist wirklich wichtig. Also: Leute, bitte, kümmert Euch um Euren Erste-Hilfe-Kurs!

Haben Sie sich durch die Dreharbeiten also eine gewisse medizinische Expertise angeeignet?

Hans Sigl: Es ist eher so, dass ich diese Hemmschwelle nicht habe. Zum Beispiel, wenn jemand ohnmächtig ist, einen Schmerzreiz zu setzen – ihm beispielsweise eine zu klatschen. Darunter leiden manchmal die Schauspielkollegen in den Episoden, wenn sie einen Ohnmächtigen spielen müssen. Ich sage dann immer: „Entschuldigung, aber ich muss das jetzt tun ...“

Hans Sigl: Schauspielausbildung statt Lehramts-Studium

Hans-Dieter Sigl, geboren am 7. Juli 1969 in Rottenmann (Steiermark) ist österreichischer Schauspieler und Moderator. Nach seinem Abitur studierte er an der Universität Salzburg zunächst Jura, dann Psychologie und Englisch auf Lehramt – er brach ab. Es folgte eine Schauspiel-, Tanz- und Gesangsausbildung. Von 1993 bis 1999 war er festes Ensemblemitglied am Tiroler Landestheater. Von 2001 bis 2006 spielte er Major Andreas Blitz in „SOKO Kitzbühel“.

Seit 2008 hat er in der ZDF-Serie „Der Bergdoktor“ die Hauptrolle, Dr. Martin Gruber inne. Insgesamt vier „Romys“ gewann Sigl als beliebtester Seriendarsteller. Er tourt auch mit einem Kabarett-Programm. Mit seiner Ex Katja Keller hat Sigl einen Sohn, seit 2008 ist er mit Musikerin und Fotografin Susanne Sigl verheiratet und wohnt mit ihr am Ammersee. Hans Sigl steht für eine klare Kante gegen Rechtsextremismus.