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Comeback nach langem StreitDeutzer Kirmes setzt auf Spektakel und Sicherheit

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Nach zweijähriger Zwangspause aufgrund des Vergabestreits steigt wieder die Deutzer Kirmes. Der Veranstalter legt großen Wert auf Sicherheit und ein gutes Verhältnis zu den Anwohnenden.

Dreimal in Folge musste das Kirmesvergnügen auf der Deutzer Werft ausfallen. Ein heftiger Vergabestreit mit juristischen Auseinandersetzungen, Gerichtsverfahren und sogar tätlichen Angriffen stand statt des Volksfestes lange auf der Tagesordnung.

Anfang Juli erhielt schließlich Wilfried Hoffmann den Zuschlag. Der Schausteller aus Köln-Ehrenfeld darf bis Ende 2029 siebenmal die Kirmes ausrichten. Vom 24. Oktober bis zum 1. November geht es jetzt an neun Veranstaltungstagen wieder auf der Schäl Sick rund. Gerechnet wird mit bis zu 100.000 Gästen.

Deutzer Kirmes vom 24. Oktober bis zum 1. November

„Ich bin froh, dass wir für das Kölner Publikum wieder eine Kirmes machen können“, sagte Hoffmann am Freitag (23. Oktober 2026) mit Blick auf den Eröffnungstag. „Es war aufregend, aber wir schauen nur noch nach vorn und wollen in den dreieinhalb Jahren, die wir haben, zeigen, was wir können.“

Das Gelände zwischen Deutzer Brücke und Severinsbrücke ist komplett belegt. Ein Höhepunkt ist sicher der 85 Meter hohe Freifallturm „Hangover“, der vor ein paar Wochen noch auf dem Oktoberfest in München stand.

Dort war es zu einem dramatischen Unfall gekommen. Ein 52-jähriger Mitarbeiter hatte sich verbotenerweise beim Herabfahren der Gondel im Gefahrenbereich des Turms aufgehalten, wurde eingeklemmt und erlag wenig später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Ein technischer Defekt wurde nach Untersuchungen durch den TÜV ausgeschlossen.

Es gibt Nervenkitzel und Überkopfabenteuer. Auf „Mr. Gravity“ rotieren die Fahrgäste in 20 Metern Höhe mit bis zu 100 km/h und erleben dabei Kräfte von bis zu 5 G. Eine Riesenschaukel erreicht rund 45 Meter Höhe. Der Achterbahn-Klassiker „Wilde Maus“ wurde zu „Katz & Maus“ durch drehbare Wagen erweitert.

Pressekonferenz zur Deutzer Kirmes: Veranstalter Wilfried Hoffmann.

Copyright: Alexander Schwaiger

Wilfried Hoffmann ist der Veranstalter der Deutzer Kirmes. Hinter ihm liegen aufwühlende Monate mit vielen Gerichtsprozessen.

„Wir haben sehr viele alte Schausteller und auch neue, auswärtige Geschäfte“, sagt Hoffmann. „Die Mischung stimmt. Seitens der Kollegen ist die Resonanz positiv. Die Kollegen freuen sich wieder auf Köln und sind auch mir gegenüber positiv eingestellt. Ich habe jetzt schon Bewerbungen für Ostern 2027, obwohl die Ausschreibung noch gar nicht begonnen hat.“

Pressekonferenz zur Deutzer Kirmes. Blick auf „Hangover“ und Riesenrad.

Copyright: Alexander Schwaiger

Beim Freifallturm „Hangover“ (l.) ist es auf dem Münchner Oktoberfest zu einem Todesfall gekommen.

Karussellklassiker, Spielgeschäfte und Gastronomie mit Rheinblick zeichnen die Deutzer Kirmes ebenfalls aus. „Wir haben mit den Schaustellern die Einigung getroffen, dass die Fahrpreise bezahlbar bleiben“, sagt Pressesprecher Hugo Winkels. „Die Kölner Kirmes ist im oberen Preissegment. Wir wollen aber, dass jeder bei uns Freude haben kann.“

Deshalb engagieren sich die Veranstalter sehr im sozialen Bereich. Senioren- und Jugendeinrichtungen erhielten Freitickets. Ins Kinderkrankenhaus werden Kuscheltiere gebracht, damit auch dort etwas Kirmes-Freude entsteht. Nicht verzehrte Lebensmittel werden der Tafel zur Verfügung gestellt. Durch Pfandsammelboxen soll die Obdachlosenhilfe unterstützt werden.

Pressekonferenz zur Deutzer Kirmes. Blick auf die Achterbahn „Katz & Maus“.

Copyright: Alexander Schwaiger

Die beliebte Achterbahn „Wilde Maus“ wurde erweitert und heißt jetzt „Katz & Maus“.

Mit den Anwohnenden der Deutzer Werft gab es schon einen Termin, um die Wünsche abzufragen. Mehrmals täglich werden die angrenzenden Straßen gereinigt, Toiletten außerhalb des Festgeländes sollen Wildpinkeln verhindern. Zudem gibt es eine 24-Stunden-Hotline für die Anwohnerinnen und Anwohner. „Bisher gibt es überhaupt keine negative Stimmung. Wir legen auch großen Wert darauf, die Lautstärkerichtlinien einzuhalten“, sagt Winkels.

Das Thema Sicherheit steht ebenfalls oben auf der Agenda. „Es wird sehr viel Security auf dem Gelände sein. Wir wollen eine sichere Kirmes ermöglichen.“ Zudem können neun Videotürme der Polizei im Ernstfall Bilder liefern. „Vor zwei Jahren hatten wir einen einzigen Taschendiebstahl, der wurde aufgeklärt“, sagt Winkels stolz.

Pressekonferenz zur Deutzer Kirmes: Sprecher Hugo Winkels.

Copyright: Alexander Schwaiger

Hugo Winkels ist Sprecher der Deutzer Kirmes. Er präsentierte die Planungen für das Volksfest.

Auch auf die aufziehenden Sturmböen von bis zu 85 km/h sehen sich die Veranstalter vorbereitet. „Die Schausteller sind vorbereitet. Alle losen Gegenstände werden entfernt. Die TÜV‑Abnahme ist auch in Hinblick auf den Sturm erfolgt“, sagt der Sprecher.

Deutzer Kirmes: Vom 24. Oktober bis 1. November. Täglich von 12 bis 21.30 Uhr, Freitag und Samstag von 12 bis 22 Uhr, am 1. November von 18 bis 21.30 Uhr. Am 28. Oktober ist „Räägeboge Mettwoch“ mit Programm ganz im Zeichen gesellschaftlicher Vielfalt. Die Anreise wird mit dem ÖPNV empfohlen. Am Festgelände gibt es auch einen Fahrradparkplatz.