Nhas-Chicken-Wahnsinn in KölnGründer spricht von Polizei-Verbot – Nachbar am Limit

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Riesenandrang, Müll-Ärger – Nhas City Chicken startet Aktion zum Müllsammeln. Wirt aus der Nachbarschaft ist allerdings frustriert.

Seit der Eröffnung am vergangenen Freitag (18. September) hört es nicht auf: Riesenandrang auf den Imbiss „Nhas City Chicken“ auf der Breite Straße in der Kölner Innenstadt. Auch am Mittwoch (23. September) stehen die Kunden vor seinem Laden Schlange.

Gründer Omar Nhas (32) ist selbst komplett überrascht von dem Ansturm. Drei Filialen betreibt er bisher in Berlin – eine in Köln. Der Chicken-Hype ist über TikTok und Instagram gewachsen und seine Fans rennen ihm auch in Köln die Bude ein.

„Nhas City Chicken“: Ordnungsamt mehrfach vor Ort

Täglich warten hunderte, überwiegend junge Kunden vor seinem Geschäft. Jedes Mal, wenn sich Omar zeigt, kommt es zu einem Jubelsturm. Das soll jetzt ein Ende haben.

Er dürfe vor seinem eigenen Laden keine Fotos mit Kunden mehr machen – angeblich auf Anweisung der Polizei. „Ich habe ein Verbot bekommen. Ich darf nur mit den Gästen drinnen Fotos machen. Das ist Anweisung von der Polizei“, sagt Omar in einem Video auf Instagram. Der Wirbel um seine Person sei zu groß. Kölns neuer Hähnchen-Boss wird gefeiert wie ein Popstar.

Die Polizei relativiert das Verbot auf EXPRESS.de-Nachfrage: Ein generelles Fotografier-Verbot gebe es nicht.

Seit der Eröffnung sei die Polizei einmal im Einsatz gewesen, um das Ordnungsamt zu unterstützen. Nur wenn eine konkrete Gefahrensituation entstehe – etwa durch ein großes Gedränge – würde die Polizei einschreiten, erklärt eine Polizeisprecherin am Mittwoch.

Auch die Stadt Köln befasst sich mit dem Trubel um den Hähnchen-Laden. Ein Stadtsprecher teilt EXPRESS.de mit: Mitarbeiter des Ordnungsamtes seien bereits mehrfach vor Ort gewesen. „Der Andrang konnte mit Sicherheitspersonal und Absperrband so kanalisiert werden, dass Passanten oder andere Geschäftsleute nicht gestört wurden.“ Das Ordnungsamt prüfe den Fall weiter und werde gegebenenfalls weitere Maßnahmen einleiten.

Hinzu kommt das Thema Müll. Auf der Straße würde Verpackungsmaterial herumfliegen, abgenagte Hühnerknochen seien bereits gefunden worden, berichten Anwohner.

Wer Müll sammelt, bekommt Menü gratis

Laut Stadtordnung sind Imbiss-Betriebe dazu verpflichtet, eine ausreichende Zahl ausreichend großer Müllkörbe aufzustellen und den durch ihren Imbiss-Betrieb entstandenen Müll in einem Radius von 50 Metern selbst zu entsorgen.

Der Betreiber zeige sich kooperativ: Zusätzliches Personal, das den Müll einsammelt, sei abgestellt worden. „Auch zusätzliche Tonnen wurden seitens des Betreibers aufgestellt“, so die Stadt.

Und Omar macht noch mehr. Der 32-Jährige mobilisiert über seine Social-Media-Reichweite seine jungen Kunden aktiv zum Müllsammeln. Wer eine volle Tüte eingesammelten Müll bringt, erhält direkten Zutritt ohne Warteschlange sowie ein halbes Hähnchen Special, verspricht Omar.

„Nach den Beobachtungen der AWB hat die Eröffnung des Geschäfts zu einem erhöhten Besucheraufkommen im Bereich der Breite Straße geführt“, bestätigen auch die Abfallwirtschafts-Betriebe (AWB). Die Kundschaft würde sich dabei auch auf die angrenzenden Straßen verteilen, entsprechend falle dort teils Verpackungsmüll an.

Auf der Breite Straße selbst haben die AWB bislang aber keine dauerhaft erhöhte Müllbelastung feststellen können – auch dank der erst Anfang September installierten neuen „Papierkorbgaragen“ mit größerem Fassungsvermögen. Positiv sei zudem aufgefallen, dass der Betreiber selbst im Umfeld Abfälle einsammle. Die Lage werde weiter beobachtet.

Nachbar-Wirt ist gefrustet

In der Nachbarschaft sieht man die Entwicklung nicht so gelassen. Helmut Schmitt (82) führt das Restaurant „Schmittchen“ gegenüber von „Nhas City Chicken“ seit 43 Jahren.

„Wir sind ja immer noch unter dem Wahnsinns-Eindruck des Wochenendes, wo die viel zu geringe Security-Garde damit ja nicht klargekommen ist“, beklagt sich Schmitt. Die Kunden hätten hier an den Tischen gegessen, ihren Müll liegen lassen und alles mit Ketchup und Mayo verschmiert. Die Zustände am Wochenende seien katastrophal gewesen.

Helmut Schmitt, Inhaber des Restaurants „Schmittchen“ in der Breite Straße in Köln

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Helmut Schmitt (82), Inhaber des Restaurants „Schmittchen“ in der Breite Straße in Köln

Für sein eigenes Geschäft sieht Schmitt eine existenzielle Bedrohung – er lebe von den Einnahmen des Restaurants und habe keine andere Einkommensquelle. Am Mittwochmittag sind alle Tische der Außengastronomie leer. Entsprechend aufgewühlt zeigt er sich: „Ich bin im Moment so echauffiert. Ich habe die Lust verloren.“

Es gebe bereits Anfragen von Läden aus der Nachbarschaft, eine Unterschriftenaktion zu starten. „So geht es jedenfalls nicht weiter“, ist Schmitt sauer.

Der Müll rund um „Nhas City Chicken“ reiht sich damit in ein Kölner Dauerthema ein: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte erst kürzlich mitgeteilt, bei einer Müll-Melde-Aktion in Köln seien binnen drei Wochen mehr als 1200 Einweg-Verpackungen erfasst worden, 58 Prozent davon lose auf Straßen oder Grünflächen. Die Organisation fordert von Oberbürgermeister Torsten Burmester, die vom Stadtrat bereits 2025 beschlossene Verpackungssteuer endlich umzusetzen. Burmester hatte im September signalisiert, stattdessen auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Gastronomie setzen zu wollen – ein Kurs, der die Grünen im Rat verärgert.

Vom Familienbetrieb im Libanon zur Berliner Kultmarke

Die Geschichte von „Nhas City Chicken“ beginnt schon 1993 mit dem Geschäft von Omar Nhas' Onkel im Libanon. 1996 eröffnet der erste Laden in Berlin-Neukölln. Omar steigt mit elf Jahren ins Familiengeschäft ein – damals noch kein großer Hähnchen-Fan, aber schon mit ausgeprägtem Geschäftssinn.

2022 folgt ein Rückschlag: Ein Geschäftspartner übernimmt die aufgebauten Stores, darunter das Familiengeschäft an der Sonnenallee in Berlin. 2023 startet Omar neu – mit einem Laden direkt neben dem Original sowie weiteren Standorten am Stuttgarter und Rosenthaler Platz in Berlin. Dann der Durchbruch: Erste Videos gehen viral, eine riesige Community entsteht, aus dem Neustart wird eine Berliner Kultmarke mit heute über 400 Millionen Social-Media-Views.

Köln soll für Omar erst der Anfang sein. Er plane bis zu 32 Filialen in Deutschland – Essen und Herne sollen folgen. „In Köln ist auf jeden Fall Platz für zwei Geschäfte“, verrät Omar im EXPRESS.de-Gespräch. „Ich liebe Köln und freue mich, dass hier der erste Store außerhalb meiner Heimatstadt eröffnet hat.“