Das Hitze-Wochenende in Köln: Klaus Leitner war mit seinem Fahrdienst für Bestatter im Dauereinsatz – „so was habe ich noch nicht erlebt.“
Kölner Todes-Hitze„Noch nicht mal zu Corona-Zeiten“ – Kühlräume voll

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Klaus Leitner ist Inhaber eines Fahrdienstes für Bestatter. Am Hitze-Wochenende hat sein Unternehmen fast 70 Menschen abgeholt, die hitzebedingt verstorben sind.

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Klaus Leitner (62) hat schon viel Leid gesehen. Seit 22 Jahren ist er in der Bestattungsbranche in Köln tätig. Aber dieses Wochenende hat ihn schockiert. „So was habe ich noch nicht erlebt. Noch nicht mal zu Corona-Zeiten“, sagt er im Gespräch mit EXPRESS.de.
Die Polizei hatte am Montag bestätigt, dass von Freitag bis Sonntag 120 ungeklärte Todesfälle in Kölner Einsatzgebiet registriert wurden – fast viermal so viele wie an einem durchschnittlichen Wochenende. Verursacht vermutlich durch die Hitze.
Liegen noch weitere Hitze-Opfer in ihren Wohnungen?
In dieser Zahl sind ausschließlich ungeklärte Todesfälle erfasst. Menschen, die eines natürlichen Todes gestorben sind, sind darin nicht enthalten. Die tatsächliche Zahl der Sterbefälle in Köln dürfte also noch deutlich höher liegen.
Teilweise sei sein Unternehmen den Abholanfragen kaum noch hinterhergekommen, beschreibt Klaus Leitner die prekäre Lage. Und es gebe in Köln ja noch weitere Abholunternehmen.
„Die Anzahl der Sterbefälle lag am Wochenende deutlich über dem Durchschnitt. Vor allem die vielen Freigaben aufgrund ungeklärter Todesursachen bereiten uns viel Mehrarbeit. Unsere Mitarbeiter helfen den Familien in dieser schwierigen Zeit und gehen dabei weit über den normalen Einsatz hinaus“, so der Kölner Bestatter Christoph Kuckelkorn.
Die Zahlen, die Klaus Leitner nennt, sind erschreckend: 22 Abholungen am Samstag, 30 am Sonntag, 16 am Montag – und auch am Dienstag war er wieder unterwegs, um Verstorbene abzuholen. Sein Unternehmen „LK Fahrdienst West Plus UG“ ist auf solche Fahrdienstleistungen für Bestatter spezialisiert und führt auch Hausabholungen bei Todesfällen durch. Insgesamt macht er Abholfahrten für rund 50 Bestatter in Köln und der Region.
Der 62-Jährige vermutet, dass noch weitere Hitze-Opfer in ihren Wohnungen liegen und deren Verlust noch gar nicht aufgefallen ist. Eine absolute Horror-Vorstellung.
Lagerung der Toten in Kühlräumen
Gelagert werden die Toten in speziellen Kühlräumen – unter anderem auf den Kölner Friedhöfen. Diese Räume seien inzwischen gut gefüllt, behauptet Leitner.
„Die Stadt Köln hält auf 20 Friedhöfen Kühlräume in unterschiedlichen Größen vor. Die Gesamtfläche aller Kühlräume beträgt ca. 700 Quadratmeter“, erklärt eine Sprecherin der Stadt. Die Auslastung sei weitgehend normal, nur an einem Standort höher als üblich.
Die Sprecherin ergänzt: „An einem weiteren Standort sind die Kapazitäten derzeit ausgelastet, da die Friedhofsverwaltung aktuell Landesbehörden in Amtshilfe unterstützt. Dies hat aber keine Auswirkungen auf das Bestattungswesen an diesem Standort.“
Auch in der Rechtsmedizin können Leichen gelagert werden. Dort ist man inzwischen an die Kapazitätsgrenze gestoßen.
Das bestätigt ein Sprecher der Kölner Uniklinik auf EXPRESS.de-Nachfrage: „Das Institut für Rechtsmedizin ist bezüglich der Kühlkapazitäten zur Leichenaufbewahrung an seine Auslastungsgrenze gestoßen. Sollten es noch mehr Verstorbene werden, müssten Zusatzmaßnahmen getroffen werden, die bislang noch nicht notwendig sind.“
Dramatische Bilanz in den Kölner Kliniken
Alexander Lechleuthner, Leiter des städtischen Rettungsdienstes, bestätigte am Montag einen Zusammenhang mit den Temperaturen: „Die extreme Hitze bedeutete insbesondere für ältere und vorerkrankte Menschen eine hohe gesundheitliche Belastung und führte zu einer Übersterblichkeit.“ Wie viele Todesfälle direkt auf die Hitze zurückzuführen sind, lasse sich medizinisch aber nicht belastbar feststellen.
Auch die Kölner Kliniken zogen eine dramatische Bilanz: An den Notaufnahmen in Merheim und Holweide wurden am Wochenende insgesamt 791 Patienten registriert – rund ein Drittel mehr als sonst. 45 davon wurden mit hitzebedingten Erkrankungen behandelt, 15 landeten auf der Intensivstation. Die Zahl der Reanimationen lag doppelt so hoch wie üblich.
Die Stadt hatte am Samstagabend in der Messe ein Notlazarett und eine Kälteinsel eingerichtet. KVB-Busse brachten Patienten dorthin, die keine Versorgung während der Fahrt im Krankenwagen benötigten.
