Zum ersten Todestag von Deutschrap-Legende Xatar traten viele Künstler in der Lanxess-Arena zum Gedenk-Konzert auf. Es war emotional. Das unkommentierte Fehlen einiger Stars sorgte aber auch für Frust.
Konzert für Xatar in KölnTränen und Gänsehaut – fünf Stars fehlten einfach

Copyright: Arton Krasniqi
SSIO (l.) war der Abräumer beim Tribute-Konzert für Deutschrap-Legende Xatar. Viele Künstler traten am Donnerstagabend (7. Mai 2026) in der Lanxess-Arena auf.

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„Alles oder nix“ war wahrlich das Lebensmotto von Giwar Hajabi, Deutschlands einzig wahrem Gangsterrapper Xatar. Sein viel zu kurzes Leben war eine Achterbahnfahrt, die aktuell in einer dreiteiligen ARD-Dokumentation nachempfunden werden kann.
„Alles oder nix“ – das galt auch für das Tribute-Konzert an seinem ersten Todestag. Ein Jahr nachdem der Rapper im Alter von 43 Jahren tot in seiner Kölner Wohnung aufgefunden worden war, hatten alte Weggefährten einen großen Abend auf die Beine gestellt, um sein Vermächtnis zu feiern.
„Tribute to Xatar“: 12.000 Fans feiern die Deutschrap-Legende in Köln
Es wurde ein Treffen der Rapszene, das für die einen hoch emotional und begeisternd war, während andere enttäuscht nach Hause gingen. 12.000 Fans sorgten für eine beeindruckende Kulisse. Es wurde in der Halle ohne Unterlass geraucht und gekifft. Und zwischendurch kullerten einige Tränen.
„Wir haben versucht, alle Register zu ziehen und das Maximum herauszuholen, um einen möglichst ehrenvollen und denkwürdigen Abend auf die Beine zu stellen“, sagte Xatars Manager Tobias Hilprecht kurz vor der Show. „Das wird ein Moment für die Ewigkeit.“
Veranstalter Philipp Jacob-Pahl räumte aber auch ein, wie kompliziert solch ein Event mit so vielen Beteiligten ist. „Der Zuspruch war riesig. Dennoch war es zum Ende raus ein ziemlicher Flohzirkus.“ Der Soundcheck zog sich deshalb etwas in die Länge, weshalb der Einlass und auch die Show erst verspätet beginnen konnten.

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Dardan sang einen neuen Song, den er vor Xatars Tod produziert hat und der bald auf einem Album erscheinen wird.
„Auf dem Weg nach oben gibt’s keine Abkürzung. Oder doch, nur wenn du diese gehst, zahlst du ein’n ganz großen Preis.“ Mit dieser Textzeile aus dem Song „Mama war der Mann im Haus“ ging es emotional mit den Supreme Girls los. Max Herre und Joy Denalane („Esperanto“) folgten. „Alles Liebe an die Familie. Wir vermissen dich, Giwar“, rief der Stuttgarter Hip-Hopper.
Eko Fresh sang „Gheddo“, „Köln Kalk Ehrenmord“ und seinen neuen Song „Friedrich“. „Als Giwar im Knast war, hörte er meine Lieder“, sagt der Köln, „und als er dann rauskam, haben wir zusammen Musik gemacht.“
Der Stuttgarter Dardan („Daytona“) verriet, dass bald ein posthum fertiggestelltes Xatar-Album auf den Markt kommt, und präsentierte seinen Song „Salam Alaikum“, den er mit seinem „großen Bruder“ gemacht hat. „Er war ein großes Vorbild, ein Visionär. Der Erste, der an mich geglaubt hat. Er hat es erreicht, dass Straßenrap in den größten Arenen Deutschlands stattfindet“.
In den Pausen zwischen den einzelnen Programmpunkten flimmerten immer wieder Ausschnitte der ARD-Doku über die Leinwände. Paruar Bako vom Verein Our Bridge erinnerte daran, dass Xatar für den Bau eines irakischen Waisenhauses im kurdisch geprägten Teil des Landes gesorgt hat. Da es keinen Moderator gab, der durch das umfassende Programm führte und die Pausen überbrückte, wirkten die einzelnen Auftritte recht willkürlich zusammengestellt.

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Für Xatars Freund Samy war der Auftritt in der Lanxess-Arena hoch emotional. „Ihr streichelt mein Herz“, sagte er zum Publikum.
Zudem war das Musikspektrum äußerst breit gefasst. Viele Fans hätten lieber mehr Medleys und Features aus dem Leben des Produzenten gehört. Xatars „Bruder vom Brüser Berg“ Samy fiel es schwer, zum Play-back von „Nur Gott kann mich richten“ zu rappen.
Schwester Ewa kämpfte noch mehr mit den Emotionen. „Ich könnte heulen“, sagte die gebürtige Polin, die den Weg aus der Prostitution zum Rapstar geschafft hat. Ihren Song „Schubse den Bullen“ nutzte sie zum Diss gegen eine Kollegin: „Von der Hure zum Rapstar, mein Weg war nicht unbeschwert. Die gleiche Karriere wie bei Ikkimel, nur umgekehrt“, rappte sie.

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Schwester Ewa holte ihre Tochter Aaliyah mit auf die Bühne.
Die 41-Jährige sorgte für den größten Gänsehaut-Moment des Abends. Erst präsentierte sie ihren unveröffentlichten Song „Du warst mein Leben“, ehe sie ihre Tochter Aaliyah mit auf die Bühne nahm. „Onkel Giwar, du bist ein Stern. Wir haben dich vermisst“, sagte die Siebenjährige zuckersüß.
Der Auftritt von Jan Böhmermann irritierte viele in der Halle. Der Moderator rappte „Recht kommt“ und „Ich hab’ Polizei“. Die zurückhaltenden Reaktionen kommentierte er passend: „Wenn eins von Giwar bleibt, dann ist es die Fähigkeit, die Arme auszustrecken und Menschen zusammenzubringen.“

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Moderator Jan Böhmermann zeigte, dass er auch Fähigkeiten als Rapper hat. Der Kurzauftritt wurde jedoch verhalten registriert.
Jan Delay („Klar“, „Oh Jonny“) wirkte auf den ersten Blick bei diesem Deutschrap-Abend auch etwas deplatziert. Farid Bang („Killa“, „Moros“) machte Werbung für sein bald erscheinendes Album, auf dem er nach langjähriger Rivalität einen Xatar-Song gecovert hat.
Höhepunkt des Abends war eindeutig der Auftritt von SSIO, einem weiteren Rap-Wunderkind aus Bonn. Mit „Hash Hash“, „Alles oder nix“ und „Nullkommaneun“ sorgte er für Ausnahmezustand in der Arena und bekam als einziger Künstler „Zugabe“-Rufe. Doch stattdessen übernahm Peter Fox die Bühne. „Es ist ein hartes Los, in dieser Halle nach SSIO aufzutreten“, gestand der Berliner.

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Jan Delay sorgte mit seinen bekannten Hits für Bewegung beim Publikum in der Lanxess-Arena.
Die Dancehall-Hits „Schwarz zu Blau“, „Schüttel deinen Speck“ und „Alles neu“ sorgten für den nächsten musikalischen Stilbruch. „Wenn man in mein Alter kommt, merkt man, wie wichtig es ist, zusammenzuhalten“, sagte der 54-Jährige und schickte gleich noch eine politische Botschaft zur Wehrpflicht-Debatte hinterher. „Mein Sohn ist 15. Ich hätte keinen Bock, wenn er für Deutschland kämpfen müsste.“
Das große Finale bildeten die Heavytones. Die TV-Band hatte vor Xatars Tod mit dem Rapper die Songs bei einer Tour neu interpretiert. Beeindruckend, wie die Gruppe in der Arena live spielte und der Gesang zu „Baba aller Babas“, „Interpol.com“, „Schwesterherz“ und „Mama war der Mann im Haus“ via Leinwand dazukam.

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Peter Fox hatte für seinen Auftritt seine komplette Band mitgebracht.
Journalist Tobias Kargoll erinnerte daran, dass Xatar alles war: Drogendealer, Musiker, Goldräuber, Geschäftsmann. „Er hatte keinen frühen Tod verdient. Er hätte das Bundesverdienstkreuz verdient gehabt, weil er das Land verändert hat.“
Zum Finale griff auch noch Witwe Farvah Hajabi zum Mikro. In Richtung ihrer Kinder, die den Abend in einer Loge verfolgt hatten, sagte sie: „Das hier ist alles für euer Baba. Er ist der Größte, der Tollste. Lasst euch niemals irgendwas anderes erzählen, sonst wär‘ nicht diese ganze Halle voll hier für euren Vater. Es kommt der Tag, an dem wir vor eurem Vater stehen, und dann müssen wir gehobenen Hauptes vor ihm stehen. Bis dahin: Macht ihn stolz.“

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Die Fans feierten vor allem Schwester Ewa, die für den emotionalsten Moment in der Lanxess-Arena sorgte.
Als das Licht nach der über dreistündigen Show wieder anging, war aber auch endgültig klar, dass fünf der angekündigten Acts fehlten. Eno hatte via Instagram mitgeteilt, dass es einen Todesfall in seiner Familie gegeben hat. Mero, Jazeek, Bausa und Haftbefehl tauchten hingegen ohne Angabe von Gründen nicht auf.
Haftbefehl soll nach EXPRESS.de-Informationen morgens beim gemeinsamen Grabbesuch der Xatar-Freunde noch dabei gewesen sein. Auf die Bühne hat der gesundheitlich angeschlagene 40-Jährige es aber nicht mehr geschafft.
