Am Samstagabend wird in Wien der Eurovision Song Contest entschieden. Laut der Wettplattform Polymarket hatte ein Land die Nase vorn – aber die Konkurrenz war stark.
Wer gewinnt ESC 2026?Neue Prognose zeigt klaren Favoriten – bitterer deutscher Platz

Copyright: AFP
Sarah Engels aus Deutschland mit dem Titel „Fire“ steht bei der Probe für das Finale des 70. Eurovision Song Contest (ESC) auf der Bühne.
Aktualisiert:
25 Länder, eine Bühne, ein Sieger. Beim 70. Eurovision Song Contest in der Wiener Stadthalle fiel am Samstagabend (16. Mai) die Entscheidung: Bulgarien gewann mit großem Abstand – mit 516 Punkten vor Israel (343 Punkte). Dritter wurde Rumänien (296 Punkte).
Die Stimmung auf der Wettplattform Polymarket sah anders aus: Dort galt Finnland kurz vor der Show als haushoher Favorit. Das zeigten die Prognosen bei Polymarket kurz vor dem Start, auf der Nutzer mit echtem Geld auf den Ausgang von Ereignissen wetten können – von Wahlen bis hin zu Popkultur-Events wie dem ESC.
Die Preise der einzelnen „Anteile“ spiegeln dabei die kollektive Einschätzung der Nutzer wider: Ein Preis von 49 Cent bedeutet, dass die Wettenden diesem Ergebnis eine Wahrscheinlichkeit von 49 Prozent zuschreiben.
Polymarket gilt als eine der meistbeachteten Prognoseplattformen weltweit – weil echtes Geld im Spiel ist, sind die Märkte oft präziser als klassische Meinungsumfragen.
Finnland vorn, Australien folgt
Vor dem Start der Sendung führte Finnland mit rund 49 Prozent Wahrscheinlichkeit das Polymarket-Ranking an. Das finnische Duo Linda Lampenius & Pete Parkkonen tritt mit einem Disco-lastigen Song an und hat bereits im ersten Halbfinale mit 67 Prozent Favoritenquote dominiert.

Copyright: AFP
Die Musiker Linda Lampenius und Pete Parkkonen, die Finnland mit dem Song „Liekinheitin“ beim ESC vertreten.
Dicht dahinter folgte Australien mit rund 25 Prozent – Delta Goodrem tritt für Down Under mit ihrem Song „Eclipse“ an. Dass Australien überhaupt beim ESC dabei ist, hat eine eigene Geschichte: Seit 2015 nimmt das Land als assoziiertes Mitglied der EBU teil. Am Ende wurde das Land Vierter.
Interessant ist der Blick auf die unterschiedlichen Wertungen: Beim reinen Jury-Votum sahen die Märkte Australien vorn (54 Prozent), während beim Televote – also der Publikumswertung – Israel mit 54 Prozent als klarer Favorit galt. Der Gesamtsieger ergibt sich aus beiden Wertungen zusammen, was das Rennen noch offen hält.
Dänemark und Israel als Überraschungskandidaten
Auch Dänemark wurde von den Polymarket-Nutzern als ernsthafter Kandidat gehandelt – der dänische Künstler Søren Torpegaard Lund tritt mit dem Song „Før Vi Går Hjem“ an und hatte sich souverän für das Finale qualifiziert. Dänemark erreichte am Ende Platz 7.
Israels Teilnahme war in diesem Jahr besonders umstritten: Fünf Länder – darunter Spanien – boykottierten den ESC 2026 aus Protest gegen Israels Teilnahme.
Deutschland ging mit Sarah Engels ins Rennen, die beim deutschen Vorentscheid im Februar mit dem Song „Fire“ gewann. Bei Polymarket kam Deutschland auf unter ein Prozent – die Wettenden sahen also faktisch keine Chance für einen deutschen Sieg. Dass Deutschland in den Top 10 landet, glaubten vor Show-Start gerade einmal fünf Prozent. Nur Österreich (3 Prozent), Belgien (3 Prozent) und Großbritannien (2 Prozent) standen noch schlechter da.
Deutschland erreicht 23. Platz
Das überrascht wenig: In den vergangenen Jahren landete Deutschland beim ESC regelmäßig im hinteren Drittel. 2023 belegten Lord of the Lost mit „Blood & Glitter“ den letzten Platz, 2024 schaffte es Isaak mit „Always on the Run“ immerhin auf Platz 12, 2025 landeten Abor & Tynna mit „Baller“ auf Platz 15. Im Schnitt der vergangenen zehn Jahre rangierte Deutschland auf Platz 20.
Und beim aktuellen ESC? Sarah Engels erreichte am Ende den 23. Platz – mit gerade einmal 12 Punkten. Beim Televoting erreichte Deutschland null Punkte.
Was ist Polymarket überhaupt?
Polymarket ist eine amerikanische Prognoseplattform, auf der Nutzer mit der Kryptowährung USDC (einem an den US-Dollar gekoppelten Stablecoin) auf den Ausgang realer Ereignisse wetten. Anders als klassische Wettbüros setzt Polymarket auf sogenannte Prediction Markets: Der Preis eines Anteils bildet sich durch Angebot und Nachfrage – und spiegelt damit die kollektive Einschätzung Tausender Nutzer wider.
Bei der US-Präsidentschaftswahl 2024 lag Polymarket mit seiner Donald-Trump-Prognose deutlich früher richtig als viele klassische Umfragen. Seither gilt die Plattform als eine der zuverlässigsten Quellen für Ereignisprognosen – auch wenn Wetten auf Kultur-Events naturgemäß weniger präzise sind als politische Märkte.
Das Finale des ESC 2026 findet in der Wiener Stadthalle statt. Moderiert wird die Show von Victoria Swarovski und Michael Ostrowski. (mg)

