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Talk in KölnJan Ullrich sagt seinen Söhnen große Zukunft voraus

Radrennprofi Jan Ullrich bei der lit.Cologne im Theater am Tanzbrunnen.

Copyright: IMAGO/Panama Pictures

Radsport-Idol Jan Ullrich blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Im Rahmen der lit.Cologne sprach er am Dienstag (17. März 2026) über seine Abstürze.

Jan Ullrich hat als einziger Deutscher die Tour de France gewonnen und das Land in eine Radnation verwandelt. Doch es folgte ein tiefer Absturz in die Drogen- und Alkoholhölle. Darüber sprach das Sportidol in Köln.

Er hat sich selbst in der Hölle wiedergefunden. „Ich habe dem Tod ins Gesicht geblickt. Ich war wirklich ganz unten, war bewusstlos und hab’ mich in einem schwarzen, leeren Raum sitzen sehen“, sagt Jan Ullrich (52) rückblickend.

Die deutsche Radsport-Legende gewann 1997 als einziger Deutscher die Tour de France, holte 2000 Gold bei Olympia in Sydney, wurde zweimal Zeitfahr-Weltmeister (1999, 2001). Deutschland war dank Ullrich im Radrausch.

Jan Ullrich: „Die brutalen Abstürze haben auch mein Leben geprägt“

Vom Himmel ging es jäh nach unten: Alkohol, Drogen, Autounfall, Trennung von Ehefrau Sara, Körperverletzung, Entzugsklinik. „Die Niederlagen und brutalen Abstürze haben auch mein Leben geprägt“, sagt er am Dienstagabend (17. März 2026) in Köln.

Im Rahmen der lit.Cologne sprach das deutsche Sportidol im Theater am Tanzbrunnen mit Journalist Stephan Klemm und wurde vom Publikum frenetisch gefeiert. „An Köln habe ich schon immer sehr gute Erinnerungen“, sagte der Radstar grinsend. In Hürth hat er einst bei seinem Freund Artur Tabat in der Einliegerwohnung übernachtet, 2003 gewann er den Klassiker „Rund um Köln“.

Doch aus einem deutschen Helden wurde ein Verstoßener. „Ich hatte ganz viele falsche Freunde. Die Ja-Sager, die gesehen haben, dass es mit mir bergab ging“, sagt er rückblickend. „Viele haben gerne die Partys bei mir auf Mallorca gefeiert.“ Jetzt kann er sogar darüber lachen, damals war er im tiefsten Tal. Sein damaliger Konkurrent Lance Armstrong (54) war einer derjenigen, der ihm half.

Mehrere Bausteine halfen ihm. „Radfahren war eine Medizin für mich. Aber die größte Motivation waren meine Kinder. Ohne sie hätte ich es vielleicht einfach so weiterlaufen lassen, so tief war ich gesunken. Wenn der Alkohol und die Drogen nachlassen, schämt man sich brutal. Man schämt sich vor der Familie, vor Freunden und vor allem vor den Kindern.“ So wie er früher als Leistungssportler die Grenzen nach oben ausgereizt habe, so habe er auch im Negativen die Extreme gesucht.

Radrennprofi Jan Ullrich bei der lit.Cologne im Theater am Tanzbrunnen.

Copyright: IMAGO/Panama Pictures

„Ich bin zufrieden in meiner Mitte“, sagt Jan Ullrich inzwischen. Beim Auftritt in Köln wurde er vom Publikum frenetisch gefeiert.

Anfangs habe er nur schwer Hilfe annehmen können. „Ich dachte, ich habe doch die Tour de France gewonnen, ich bin stark genug. Mir wurde schon im Kindesalter antrainiert, dass Aufgeben keine Option ist. Ich stand vor dem Mount Everest. Hilfe anzunehmen, war der erste Schritt für mich.“

Nach dieser Krise habe er einen Schnitt machen und sich von falschen Freunden trennen können. „Es war jedoch viel schwerer, mich aus der Hölle herauszukämpfen, als die Tour de France zu gewinnen. Aber jetzt bin ich wieder glücklich. Das ist der größte Erfolg, den ich bisher errungen habe“, sagte der 52-Jährige unter lautem Beifall.

Inzwischen lebt Ullrich wieder in Merdingen in Südbaden, wo eine Straße nach ihm benannt wurde. In Bad Dürrheim gibt es ein Ullrich-Museum, im April fährt er den Radmarathon Mallorca 312. Im September findet sein Cycling-Festival im Schwarzwald statt.

Zudem hat er in einem Podcast mit Rick Zabel (32) ein neues Betätigungsfeld gefunden. „Während der diesjährigen Tour de France werden wir täglich einen produzieren, weil wir aktuell sein wollen. Wir wollen auch zum Rennen fahren und vielleicht die eine oder andere Stimme einholen.“

Jan Ullrich reißt beim Passieren des Zielstrichs jubelnd die Arme hoch.

Copyright: dpa

1997 gewann Jan Ullrich die zehnte Etappe der Tour de France und übernahm das Gelbe Trikot.

Am liebsten begleitet er aktuell jedoch zwei seiner drei Söhne. Benno (15) und Toni (13) haben das Radfahr-Talent von ihrem Vater geerbt, sind auch schon im Landeskader von Baden-Württemberg. „Ich mache ihnen keinen Druck, sie wollen es aber. Sie fahren auch Ski, spielen Fußball, laufen. Beim Radfahren kommt aber der Erfolg. Sie gewinnen Rennen und sind auch schon gut.“

Wenn die Ullrich-Söhne in die Pedale treten, hält sich der berühmte Vater jedoch lieber im Hintergrund auf. „Sie haben es gerne, wenn ich dabei bin, soll mich aber zurückhalten. Ich teile ihnen meine Gedanken als Tipp mit. Die Autorität hat aber der Trainer.“ Demnächst steht für sie auch ein Rennen in Spanien an.

Während die beiden schon streng auf ihre Ernährung achten, genießt der 52-Jährige Radfahren als Hobby. „Ich muss keine Rennen mehr fahren. Manchmal teste ich aber noch, ob meine Beine noch gut sind. Man muss ja Respekt bekommen“, sagte er laut lachend.

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