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„Froh, dass es mein letztes Mal war“Wut-Interview: Deutscher Ski-Star hat keinen Bock auf Olympia

Linus Straßer im ZDF-Interview.

Copyright: Screenshot ZDF

Linus Straßer zeigte sich im ZDF-Interview frustriert von seiner olympischen Erfahrung.

Linus Straßer ledert nach dem Slalom gegen die Olympischen Spiele in Bormio. Er spricht von einem sterilen Event.

Dieses Interview hatte es in sich! Linus Straßer ließ nach dem olympischen Slalom seinem Frust freien Lauf. Bei seinem Wut-Interview ging es aber nicht um die eigene Enttäuschung, sondern die Olympischen Spiele im Allgemeinen.

Diese verdammten Winterspiele, fauchte der Münchner nach seinem neunten Platz im Slalom von Bormio, könnten ihm gestohlen bleiben. „Wenn das der Genuss von Olympia sein soll, bin ich froh, dass das mein letztes Mal war“, schimpfte er genervt: „Sagen wir mal, wie es ist: Es ist für’n Arsch.“

Linus Straßer über Olympia: „Ganz ehrlich, ich kann darauf verzichten“

Ob im Flockenwirbel des ersten Laufs oder im Sonnenschein des zweiten: Straßer kam einfach nicht zurecht mit der Pista Stelvio, auf der Weltmeister Loic Meillard aus der Schweiz zu Gold raste. Doch das war es nicht, was Straßer so sauer aufstieß. Sondern das Flair – das nicht vorhandene, der Niedergang der olympischen Idee.

„Meine komplette Familie ist da, mit Freunden und so weiter. Aber du hast überhaupt keine Interaktion mit irgendwelchen Zuschauern“, polterte der 33-Jährige, dem 1,04 Sekunden zu Bronze fehlten. Eigentlich hatte er sich zurückhalten wollen, „ich will nicht zu viel haten“, betonte Straßer, doch er war zu aufgebracht.

„Die Geschichte hinter Olympia ist unglaublich, jeder will Olympiasieger werden oder Medaillen gewinnen, ich auch“, sprudelte es aus ihm heraus: „Aber hier sind wenig Emotionen, wenig Interaktionen mit Fans – das macht es doch eigentlich aus. Es ist absolut steril. Ganz ehrlich, ich kann darauf verzichten.“

So ging es wohl auch Atle Lie McGrath. Nach Lauf eins lag der Norweger, der am Tag der Eröffnungsfeier seinen Großvater („mein größtes Vorbild“) verloren hatte, vorne. Im Finale schied er aus, warf seine Stöcke weg und stapfte zerknirscht Richtung Wald. Silber hinter Meillard gewann der Österreicher Fabio Gstrein vor Henrik Kristoffersen aus Norwegen.

Straßer hatte das „Stockerl“ bei schwieriger Sicht schon zur Halbzeit aus den Augen verloren – wie einige Favoriten. In einem wilden Rennen schieden 51 von 95 Startern aus, darunter Brasiliens Riesenslalom-Olympiasieger Lucas Braathen. „Kurssetzung, Hang – das ist keine einfache Kombination“, klagte Straßer nach Zwischenrang zwölf: „Solche Rennen sind immer frustrierend. Man könnte mich noch zehnmal runterfahren lassen, und ich wüsste nicht, wie.“ Er tat es tapfer ein zweites Mal und patzte, als es galt, die Geschwindigkeit ins Flache mitzunehmen.

Straßer und Olympia – das war und ist keine Liebesbeziehung, trotz Team-Silber 2022. Seine Premiere im wenig skibegeisterten Pyeongchang war ein einziger Krampf, vier Jahre später hatte er bei den Corona-Spielen von Peking eine Slalom-Medaille vor Augen und wurde Siebter. In Bormio klagte er nach der Team-Kombination über den „leichtesten Slalom-Hang, den ich je auf diesem Niveau gefahren bin. Das hier kann gefühlt jeder.“

Straßer liebt die Klassiker - Kitzbühel, Schladming, Wengen, Adelboden -, wo die Emotionen überkochen. Und doch: Tief in ihm drin schlummert ein Olympia-Fan. „Der kleine, freche Linus hat immer davon geträumt“, sagte er, „allein dem bin ich es schuldig“, alles zu geben. Das tat er, doch es war nicht genug.

Die deutschen Skirennläufer warten damit weiter auf die erste Medaille seit dem Doppel-Olympiasieg von Markus Wasmeier 1994. Zum Vergleich: Die Frauen haben seitdem 15 Medaillen gewonnen, darunter siebenmal Gold. Am Mittwoch im Slalom greifen Emma Aicher und Lena Dürr erneut das Podium an. (are/sid)

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