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Neureuther mit Spitze gegen Vance„Ein bisschen die Realität abhandengekommen“

Kritische Blicke vor der Olympia-Abfahrt der Männer: Experte Felix Neureuther (links) und Moderator Markus Othmer konnten später aufatmen: Es gab keine schweren Stürze. (Bild: ARD)

Kritische Blicke vor der Olympia-Abfahrt der Männer: Experte Felix Neureuther (links) und Moderator Markus Othmer konnten später aufatmen: Es gab keine schweren Stürze. (Bild: ARD)

Aktualisiert

Es gab einen souveränen ersten Olympiasieger und jede Menge „Uiuiui“, „Eieiei“ und „Bist du narrisch?“. Bei der Herren-Abfahrt zum Auftakt der Olympischen Winterspiele gab es ein Sicht-Problem, und auch Experte Felix Neureuther und Kommentator Bernd Schmelzer rangen um den Durchblick.

Franjo von Allmen aus der Schweiz ist der erste frisch gekürte Olympiasieger der 25. Winterspiele von Mailand und Cortina d'Ampezzo. Und das, obwohl er in Bormio gewann, das von beiden Olympia-Orten jeweils über 100 Kilometer entfernt liegt. Nicht das Einzige, das paradox anmutete. So war das technische Aufgebot mit 54 fest installierten Kameras und vier Drohnen gegenüber dem menschlichen mit 36 Startern, den wenigsten aller Olympia-Zeiten, deutlich in der Überzahl. Aber so gab's immerhin spektakuläre Bilder. Aber auch etliche Enttäuschungen.

Dass der einzige deutsche Starter Simon Jocher auf Rang 21 abschwang, ist nicht wirklich enttäuschend. Auch die Kommentatoren Neureuther und Bernd Schmelzer konnten das nötige Wunder nicht herbeireden. „Das war net so optimal“, musste Neureuther stöhnen.

„Ich freu mich so für den. Was für ein Athlet.“

Immerhin kam Jocher deutlich vor Barnabás Szőllős ins Ziel. Den hatten Neureuther und Schmelzer als den „Exoten“ ausgemacht, weil er für Israel startet. „Pass auf, jetzt kommt der Kollege aus Israel und fährt vorne rein. Was machen wir dann?“, fragte Neureuther scherzhaft. Dabei ist Szőllős in Budapest geboren, trat früher für Ungarn an, wechselte erst 2017 die Start-Nationalität. Und lieferte, als Sechster in der Kombination bei den Olympischen Spielen von Peking 2022, das beste israelische Resultat bei Winterspielen aller Zeiten.

US-Vize-Präsident JD Vance macht seit seiner Ankunft bei Olympia von sich reden. (Bild: 2026 Getty Images/Pool)

US-Vize-Präsident JD Vance macht seit seiner Ankunft bei Olympia von sich reden. (Bild: 2026 Getty Images/Pool)

Da war die Enttäuschung für Marco Odermatt (Schweiz) verständlicher. Der große Favorit, der aber schon die Streif in Kitzbühel „verloren“ hatte (obwohl er Zweiter wurde), verpasste die Medaillenränge. Die belegten hinter Odermatts Landsmann von Allmen (dem amtierenden Weltmister), zwei Italiener. Streif-Sieger Giovanni Franzoni (24) holte Silber, Veteran Dominik Paris (36) sicherte sich bei seinen letzten Olympischen Spielen mit Bronze seine erste Olympia-Medaille. Neureuther war gerührt: „Ich freu mich so für den. Was für ein Athlet.“ Schmelzer lobte Sieger Franjo von Allmen mit Stilblüte: „Frantastisch.“

ARD-Kommentator nennt Bronze-Gewinner „Nachteule“

Dabei hatte Paris zwar „Oberschenkel wie ein Bär, mit denen kannst kaum laufen vor Kraft“ (Neureuther) - aber keine optimalen Bedingungen. Die Sicht! Wolken schoben sich vor die Sonne. „Da siehst die Schläge nicht so“, analysierte Neureuther als Problem. Dem Paris umgehend im Interview widersprach. Sein Credo: „Lieber nix sehen, da kriegst keine Angst und kannst volle Kanne drüber.“

Schmelzer nannte Paris eine „Nachteule“, auch weil: „Man weiß ja, was Paris so abends zu leisten imstande ist, auch außerhalb der Piste. Aber hier, so aus der Tiefe des Raumes kommend, im Dunkeln auf der Stelvio - das hatte schon viel Schönes.“ Für das entspannt sinnarme Gelaber hatten Schmelzer und Neureuther aber auch Zeit. Ab Startnummer 16 war der Drops gelutscht.

Nur noch einer aus dem hinteren Starterbereich fuhr in die Top Ten: Kyle Negomir. Als Zehnter wurde er bester US-Amerikaner. Ob JD Vance, immerhin mit 14 Flugzeugen angereister US-Vizepräsident, amused war? Eher nicht. „Da ist ein bisschen die Realität abhandengekommen“, meinte Neureuther. Nicht wegen der Platzierung der US-Boys, sondern wegen der riesigen Luftflotte von Donald Trumps Vize.

Der Wettbewerb wurde zum Nationenkampf zwischen Schweiz und Italien. Und somit für Österreich zur sauberen Watschn. Deren Bester wurde Vincent Kriechmayer auf Platz sechs. Daniel Hemetsberger, der sich als Erster die 3.186 Meter lange Höllenabfahrt runtergeworfen hatte, landete auf Sieben. Und das, wie Schmelzer bemerkte, „ohne Kreuzband“. Adrian Smiseth Sejersted fuhr dagegen nur mit einer Schulter. Schmelzer: „Die andere ist ihm hingeklebt.“ Als der Norweger rausrutschte, war Schmelzer klar: „Schuld ist die Schulter.“

Trotz Schnarchen: Franjo von Allmen wird Olympiasieger in der Abfarht

Blöd lief's auch für die Franzosen. Maxence Muzaton flog ab (Neureuther: „Vorsicht, Vorsicht, um Gottes willen! Aber das gehört dazu“), Nils Alphand verfuhr sich kurz vor dem Ziel. „Was macht er, wo ist er hin? Bist du narrisch?“, stöhnte Neureuther. Als Alphand nicht im Fangnetz, sondern doch spektakulär zurück auf der Piste landete, sprach Schmelzer ein Bonmot: „Oh la la, wie der Franzose sagt. Aber das hier war La la Oh!“ Dann: „Das ist eine verrückte Olympia-Abfahrt.“ Wohl wahr.

Stichwort unnützes Wissen. Davon hatte Schmelzer auch über den Sieger von Allmen (24) was zu bieten. Während Neureuther schwärmte (“Was für ein Athlet, so ein Schlawiner“), wusste Schmelzer: „Er schnarcht sehr laut, und keiner will mit ihm aufs Zimmer.“ Na dann, gute Nacht aus Bormio. (tsch)

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