Olympia-Teilnehmer Gus Kenworthy kritisiert die umstrittene US-Behörde ICE. Konsequenzen hat das nicht. Auch US-Sportler halten die Vorgänge in ihrer Heimat für bedenklich.
„Fuck“-Botschaft im SchneeOlympia-Athlet sorgt mit Pinkel-Protest für Wirbel
Der britische Freestyler Gus Kenworthy muss wegen seines eindeutigen Statements gegen die US-Einwanderungsbehörde (ICE) keine Bestrafung durch das Internationale Olympische Komitee fürchten.
Kenworthy hatte kurz vor dem Start der Olympischen Winterspiele in Italien auf Instagram ein Bild gepostet, auf dem „fuck ICE“ zu sehen ist – nach seinen Angaben hat Kenworthy den Schriftzug in den Schnee gepinkelt.
JD Vance in Mailand ausgebuht
„Während der Olympischen Spiele haben alle Teilnehmer die Möglichkeit, ihre Ansichten gemäß den Richtlinien für die Meinungsäußerung von Athleten zu äußern. Das IOC reguliert keine persönlichen Beiträge in sozialen Medien“, teilte ein IOC-Sprecher der Press Association mit.
Sportlerinnen und Sportlern sind laut der Olympischen Charta Regel 50 politische Proteste oder Botschaften während der Spiele in großen Teilen verboten.
„Unschuldige Menschen wurden ermordet, und es reicht jetzt. Wir können nicht länger zusehen, wie ICE weiterhin mit ungehinderter Macht in unseren Gemeinden agiert“, schrieb Kenworthy (34), der bei den Spielen 2014 in Sotschi noch für die USA die Silbermedaille im Slopestyle gewann, dazu.
Die US-Einwanderungspolizei steht in der Kritik wegen ihres teils brutalen Vorgehens gegen Migranten in den Vereinigten Staaten, bei dem auch zwei Menschen getötet wurden.
In der US-Olympia-Delegation sollen sich ICE-Beamte um den Schutz von Offiziellen wie US-Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio kümmern. Vance wurde bei der Eröffnungsfeier in Mailand ausgebuht. Zudem kam es zuvor in Mailand zu Protesten gegen ICE.
Auch im US-Team wird das Vorgehen der ICE-Behörde in den USA kritisch gesehen. „Ich bin untröstlich, wenn ich sehe, was in den USA passiert“, sagte Freestyler Chris Lillis. „Als Land müssen wir uns darauf konzentrieren, die Rechte aller zu respektieren und sicherzustellen, dass wir unsere Bürger sowie alle anderen mit Liebe und Respekt behandeln.“
Auch bei seinem Teamkollegen Hunter Hess rufe es „gemischte Gefühle“ hervor, die USA im Moment zu vertreten. „Wenn es mit meinen moralischen Werten übereinstimmt, fühle ich mich vertreten. Aber nur weil ich die Flagge trage, heißt das nicht, dass ich alles repräsentiere, was gerade in den USA passiert.“ (dpa)

