Frankreichs Rad-Wunder (19): Greift ein Scheich-Team zu?
„Der wird mal ein Monster“Pogacar adelt Rad-Juwel (19) – sogar Macron schaltet sich ein

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Paul Seixas bei seinem Sieg beim Flèche Wallonne. (Archivbild)
Wenn es um die nationale Ehre geht, greift in Frankreich offenbar der Präsident persönlich zum Telefon. So soll Emmanuel Macron bei Rad-Juwel Paul Seixas (19) durchgeklingelt haben. Seine Mission: Das Supertalent überzeugen, bei seinem französischen Team zu bleiben. Denn ein Landsmann, so die Logik, ist bei der größten Equipe des Landes am besten aufgehoben.
Dieser angebliche Anruf, der nie offiziell bestätigt wurde, zeigt vor allem eins: Ganz Frankreich ist wegen Seixas im positiven Sinne aus dem Häuschen. Die Grande Nation hat so jemanden vielleicht noch nie erlebt. Er gilt als Phänomen, als Auserwählter, der dem Land endlich wieder den Sieg bei der Tour de France bringen soll – den ersten seit 1985.
Selbst Legende Hinault ist begeistert
Damals triumphierte Bernard Hinault. Der meinungsfreudige Bretone gilt als Nationalikone und ist für seinen kritischen Umgang mit Nachfolgern bekannt. Doch bei Seixas klingt das ganz anders. «Es kann kein Zufall sein, dass man auf dem Niveau so gut und konstant fährt. Hut ab, wirklich Hut ab», sagte Hinault anerkennend. Dabei ist die Erfolgsbilanz des in Lyon geborenen Seixas, dessen Familienname von den portugiesischen Vorfahren seines Vaters stammt, noch recht kurz. Der Sieg beim Halbklassiker Flèche Wallonne sticht daraus hervor.
Für Ekstase im Land sorgen aber vor allem zwei zweite Plätze. Sowohl bei der Strade Bianche Anfang März als auch beim Ardennen-Monument Lüttich-Bastogne-Lüttich war Seixas der einzige Kontrahent, der dem überragenden Tadej Pogacar Paroli bieten konnte. Am Sonntag in Lüttich gelang es dem wohl komplettesten Radprofi seit Eddy Merckx erst am finalen Anstieg, den acht Jahre jüngeren Seixas loszuwerden. Pogacars anerkennendes Fazit: «Der wird mal ein Monster».

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Nur Tadej Pogacar (vorne) konnte Paul Seixas bei Lüttich-Bastogne-Lüttich abhängen.
Millionen-Poker um Frankreichs Juwel
An diesem Punkt könnte die Beziehung zwischen Frankreich und Seixas allerdings kompliziert werden. Wie die „dpa“ berichtet, möchte Pogacars Team UAE das Wunderkind unbedingt verpflichten – und auch das deutsche Team Red Bull hat Interesse. Finanzen waren bei dem Rennstall aus den Emiraten noch nie ein Hindernis. Teamchef Mauro Gianetti soll sich bereits mit Seixas, der vertraglich bis 2027 gebunden ist, und dessen Management ausgetauscht haben. Eine Gehaltsforderung von acht Millionen Euro steht im Raum – so viel kassiert sonst nur Pogacar.
Doch auch Seixas’ Mannschaft Decathlon ist finanziell nicht schlecht aufgestellt. Obendrein hat Präsident Macron dem Team angeblich seine volle Unterstützung in der Causa Seixas zugesagt. Es wäre nicht die erste Intervention Macrons bei einem Spitzensportler. Als Kylian Mbappé 2022 vor einem Wechsel zu Real Madrid stand, überzeugte der Präsident den Fußballer, in Frankreich zu bleiben. Der Transfer erfolgte schließlich zwei Jahre später.
„Eine ausgereiftere Version von Tadej Pogacar“
Der Plan ist, dass Seixas mindestens bis 2027 bei Decathlon unter Vertrag bleibt. In diesem Zeitraum soll ein Team um ihn geformt werden, mit dem er die Tour gewinnen kann. «Das ist mein großer Traum», so Seixas. Wie gut er schon jetzt ist, betonte Alexandre Roos, Radsport-Chef der Sportzeitung «L’Équipe»: «Er ist ein Vorreiter der französischen Revolution. Paul Seixas ist das fortschrittlichste Modell des Radsports, eine ausgereiftere Version von Tadej Pogacar. Der war in diesem Alter noch nicht einmal Profi und aß noch Pizza.»
Ob er schon in diesem Jahr bei der Tour antreten wird, will Seixas in Kürze bekannt geben. Eine Ikone ist allerdings dagegen. «Ich bin nicht überzeugt», äußerte sich Hinault. «An seiner Stelle würde ich erst den Giro d’Italia fahren, um ein Gespür für ein dreiwöchiges Rennen zu bekommen.» Für ein Kräftemessen mit Pogacar bei der Tour sei Seixas noch nicht reif. Insbesondere, da der Slowene in diesem Jahr seinen fünften Gesamtsieg anstrebt, um einen Rekord einzustellen. (dpa/bearbeitet durch Gemini 2.5 Pro)
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