„Ihr seid ja verrückt“Die unglaubliche Geschichte des VW Golf GTI zum 50. Geburtstag

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Zeig mal, was Du noch so alles kannst: Statt Kuchen zum 50. Jubiläum gab's eine Teilnahme an einer waschechten Oldie-Rallye.
Ein alter Golf GTI kämpft sich durch die härteste Rallye.
Drei Uhr morgens in Wales. Auf einer verlassenen Kreuzung steht ein Golf GTI, dessen Warnblinker einsam gegen die Finsternis ankämpfen. Dass er es bis hierher geschafft hat, ist ein Phänomen. Denn der schwarze Volkswagen von 1984 nimmt an der „LeJog“ teil, die den Ruf hat, die härteste Oldtimer-Rallye der Welt zu sein.
Die Strecke führt von Land‘s End im Südwesten Englands bis nach John O’Groats in Schottland, und erst ein Drittel ist geschafft. Trotzdem hat der GTI mit der Startnummer 45 schon mehr durchgemacht als die meisten Autos seines Alters. Und seine Insassen auch.
Keine Zeit für schönes Wetter
Die LeJog ist keine gemütliche Tour. Wenn andere Sammler ihre Schätze längst in der Garage haben, prügeln hier fast 100 Teams ihre mindestens 35 Jahre alten Autos vier Tage lang durch Nacht und Nebel. Über die widrigsten Wege, mit minimalem Schlaf, einmal quer durchs britische Königreich.

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Handarbeit gefragt: Wo es langgeht, wird bei der Oldtimer-Rallye LeJog auf klassische Weise erarbeitet.
Als wäre das nicht genug, müssen die Teams ihren Weg selbst finden. Statt einer Route gibt es drei dicke Rätselbücher. Jede Kreuzung wird zum Quiz, bei dem mit Lupe und Geodreieck nach Koordinaten gesucht wird. Wer es da bis nach Wales schafft, muss schon ein bisschen verrückt sein.
So wurde aus dem Golf ein Sportler
Genau wie die VW-Mitarbeiter, die sich in den 1970ern einen Sport-Golf in den Kopf gesetzt hatten. Ganz im Geheimen tüftelten sie an der Idee. Bei der ersten Präsentation bekamen sie von Entwicklungsvorstand Ernst Fiala ein „Ihr seid ja verrückt!“ zu hören, wie die dpa berichtet. Doch sie gaben nicht auf.

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Kantiger Klassiker: Dass die ersten Golf GTI schon ein halbes Jahrhundert auf dem Blech haben - kaum zu glauben, oder?
Im Frühjahr 1975 gab es grünes Licht für die Prototypen. Auf der IAA im September 1975 feierte der GTI seine Premiere und kam im Sommer 1976 auf den Markt.
Über 180 Sachen Spitze – das war schon was
Seinen sportlichen Charakter beweist der GTI bei der LeJog immer wieder. Auf abgesperrtem Privatgelände, etwa auf unbeleuchteten Kartbahnen oder Schotterpisten, wird gegen die Uhr gefahren. Und hier macht der GTI mächtig Punkte gut.
Sein 1,8-Liter-Vierzylinder mit 82 kW/112 PS dreht gierig hoch. Der Golfball auf dem Schaltknauf liegt perfekt in der Hand, die 840 Kilo des Klassikers fliegen durch den Slalom. Von null auf 100 in 9,0 Sekunden und 182 km/h Spitze – das war damals eine Ansage.

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Zeitmaschine: Hinter dem Volant des Golf I GTI eine anspruchsvolle Strecke unter die Räder nehmen zu können, ist etwas, von dem so manche VW-Fans träumen.
Kein Wunder, dass die Fans begeistert waren. Ursprünglich war der GTI auf nur 5.000 Exemplare ausgelegt. „Doch aus der Kleinserie sind in acht Generationen mehr als 2,5 Millionen Exemplare geworden“, sagt Golf-Sprecher Philipp Dörfler.
Der Wolf im Golfspelz
„VW etablierte mit dem GTI das, was die Engländer kurz darauf Hot Hatches nannten“, erklärt Frank Wilke, Chef des Marktbeobachters Classic Analytics. Der GTI war ein Underdog, ein Wolf im Schafspelz. Nur Kenner erkannten die Power hinter dem roten Rahmen am Kühlergrill.

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Erkennungszeichen GTI? Na klar der Schriftzug, aber auch der rote Rahmen um den Grill hebt den Sportler vom Normalo ab.
Der GTI erfüllte PS-Träume, die sonst nur ein Porsche 911 stillen konnte. „Und auch wenn er mit einem Startpreis von 13.850 D-Mark anderthalbmal teurer war als der 08/15-Golf, hat er halt nur ein Drittel so viel gekostet wie ein Porsche“, so Wilke. Dieser Preisvorteil gilt bis heute: Ein guter GTI der ersten Serie kostet mindestens 25.000 Euro – immer noch billig im Vergleich zu einem alten 911er.
Ein weiterer Vorteil ist seine simple Technik. Man kann ihn ohne Computer in der Garage reparieren. Oder eben am Straßenrand in Wales. Ein kaputtes Radlager wirft die Startnummer 45 nicht aus dem Rennen. Nach einer Zwangspause geht die Rallye mit Tagesanbruch weiter. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

