„Verstappen mit Abstand“Danner erstellt die Machtpyramide der Formel 1

Christian Danner

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Christian Danner ist ein Formel-1-Insider.

Christian Danner gibt vor dem Grand Prix in Zandvoort exklusive Einblicke in die Formel 1. 

In den Dünen von Zandvoort fühlt sich Max Verstappen (28) wohl. Bei seinem Heimrennen ist der „fliegende Holländer“ der unumstrittene Herrscher, gewann nach dem Formel-1-Comeback dreimal in Folge und wurde zweimal Zweiter.

Vor dem „Final Race“ (Sonntag, 23. August 2026, 15 Uhr, RTL & Sky) war es für ihn Ehrensache, die Vertragsverlängerung mit Red Bull bis 2030 hier bekannt zu geben. Aber was bedeutet das für den Fahrermarkt? Für EXPRESS.de erstellt RTL-Experte Christian Danner (68) die Machtpyramide der Formel 1.

„Erst wenn sich der Pharao Max bewegt, fallen die anderen Dominosteine“

Wer ist der mächtigste Fahrer der Formel 1: Rekordweltmeister Lewis Hamilton, Vierfach-Champion Max Verstappen oder das alte Alphatier Fernando Alonso?

Danner: Max Verstappen ist mit großem Abstand der Mächtigste. Weil er anerkannterweise, von Freund und Feind, der Beste ist da draußen. Und deswegen bestimmt er grundsätzlich den Fahrermarkt. Solange er signalisiert, dass er zu haben ist, hat er alles andere blockiert. Um das Bild der Machtpyramide aufzugreifen: Erst wenn sich der Pharao Max bewegt, fallen die anderen Dominosteine.

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Angeblich gab es von seiner Seite Wechselabsichten, Mercedes oder McLaren hätten Interesse. Wie bewerten Sie seine Verlängerung?

Danner: Max musste abwägen zwischen dem, was er bei Red Bull hat, und dem, was er woanders bekommen könnte. Bei Mercedes scheint das Experiment mit Kimi Antonelli aufzugehen. Der junge Kerl fährt ja aktuell auf Titelkurs. Das heißt, Toto Wolff braucht alles andere als einen weiteren Megastar in seinem eigenen Stall. Da ist ein George Russell hundertmal besser. Der ist aktuell zwar hintendran, aber ein Siegfahrer und muckt nicht auf. Bei McLaren sieht es ähnlich aus.

Der Manager von Lando Norris ist Geschäftsführer Zak Brown. Braucht der einen Verstappen, der die Stimmung um seinen Superstar Norris extrem stört?

Danner: Nein, der ist mit dem Piastri eigentlich besser aufgestellt. Dann haben wir Ferrari. Da brauchen wir eigentlich gar nicht drüber reden, jetzt, da Hamilton seinen zweiten Frühling erlebt. Wo Leclerc auch wieder gewinnt und gerade langfristig verlängert hat. Da brauchst du keinen Verstappen. Natürlich hätte er zu Aston Martin gehen und das Auto zusammen mit Adrian Newey entwickeln können, aber dazu hatte er offensichtlich keine Lust. Also blieb nur Red Bull. Ich habe schon oft geäußert, dass er meiner Meinung nach bleibt.

Haben er und sein Vater mit ihren Unmutsäußerungen also nur Druck gemacht, um das Auto zu verbessern?

Danner: Das hat ja bei einigen Rennen schon funktioniert, aber nicht auf Dauer ... Genau, natürlich hätte er gerne ein schnelleres Auto. Bei Red Bull wissen sie genau: Wir brauchen den Max, sonst gewinnen wir nicht. Aber Max weiß auch, dass er Red Bull braucht, um zu gewinnen. Klar ist: Max sitzt am längeren Hebel. Und auf dieser Machtpyramide ist keiner unter ihm, der ihn absägen oder den Red-Bull-Drive haben will. Da sitzt der König ganz oben auf seinem Thron und zappelt und schimpft, aber wo hätte er denn hingehen sollen?

Wer folgt auf der Machtpyramide unterhalb von Verstappen?

Danner: Natürlich haben wir einen Hamilton, Leclerc und Norris, die als Weltmeister bzw. Spitzenfahrer eine Machtposition inne haben. Aber was können sie damit bewirken innerhalb ihres Teams oder gegenüber dem Weltverband? Was will denn ein Hamilton? Der möchte in Frieden die nächsten zwei Jahre bei Ferrari weiterfahren, und das Gleiche will der Leclerc auch. Und bei McLaren ist das auch so. Der Lando Norris, der will nicht weg. Der nützt seine Macht höchstens dazu, das beste Auto zu kriegen, sonst nichts.

Es war aber ein hartes Stück Arbeit, sich gegen den frechen Oscar Piastri durchzusetzen.

Danner: Stimmt. Im Moment hat er sich durchgesetzt. Ob das so bleibt, werden wir sehen. Denn im ganzen Fahrerkarussell gibt es zwei Fahrer, die in Topautos sitzen, die immer wieder das Fett abkriegen. Das eine ist der George Russell und das andere ist der Oscar Piastri. Ich würde beide nicht abschreiben. Weil beide sind ziemliche Beißer, beide sind hervorragende Rennfahrer und beide sind auch jung genug, sich nicht zufriedenzugeben. Die wollen beide Weltmeister werden. Die haben zwar keine Macht und sind die, die am ehesten wackeln. Aber die sind beide so gut, dass du die nicht einfach ohne Grund auswechselst.

Steht auf ihrer Stufe auch der aktuelle WM-Führende Antonelli?

Danner: Ja, vor allem auch deswegen, weil zu einem Machtmenschen gehört natürlich auch Persönlichkeit. Und Persönlichkeit ist nicht etwas, das sich schon im Alter von 19 Jahren voll ausgebildet hat. Da muss er noch etwas warten. Lass den Kimi mal ein, zweimal Weltmeister werden, lasst den mal etwas erwachsener werden, dann kommt das Thema Macht dazu. Im Moment gibt es bei Mercedes nur einen, der Macht hat, und das ist Toto Wolff.

Wo stehen die alten Haudegen Alonso und Hülkenberg?

Danner: Die stehen noch darunter. Weil sie einfach nur froh sind, noch mitzufahren. Alonso ist gerade dabei zu überlegen, wie glücklich er noch bei Aston Martin ist. Hülkenberg sagt das die ganze Zeit, wie zufrieden er ist, auch wenn das bei Audi noch etwas harzig läuft.

Und ein Isak Hadjar, der im Red Bull immerhin schon aufs Podium fuhr, und ein Pierre Gasly, dessen Wort in der Fahrergewerkschaft GPDA Gewicht hat?

Danner: Der Hadjar ist ja viel besser als immer alle glauben. Nur hat der Macht? Nein, der hat null Macht. Wenn der jetzt den Verstappen vom Stand bügelt, dann hat er Macht. Jetzt ist er mal so gerade dran, aber hat keine Macht. Das Gleiche gilt für den Gasly, den Sainz und Albon. Die sind in ihren Teams oder der GPDA ein Faktor, aber die haben nicht wirklich Macht. Das gilt erst recht für alle anderen. Die sind einfach froh, mitfahren zu dürfen.

George Russell in seinem Mercedes auf dem Kurs in Zandvoort.
Kein Sieg und Motor-Strafe
Russell und Leclerc heizen Antonelli richtig ein