Gianni Infantino, der Chef der Fifa, hat Pläne, die WM an Geldgeber zu veräußern. Nun äußert er sich dazu – und gießt Öl ins Feuer.
WM-Beben um Milliarden-DealJetzt bricht Fifa-Boss Infantino sein Schweigen
Nun meldet er sich persönlich zum Aufruhr in der Fußballwelt! In einer Videoaufnahme, die der Weltverband am Mittwochabend publizierte, hat sich Fifa-Präsident Gianni Infantino (56) zum ersten Mal zu seinen kontroversen Investoren-Vorhaben für die Fußball-WM erklärt.
Der Schweizer redet dabei überraschend von Demokratie und nennt sein Projekt „zunächst einmal ein Vorschlag, ein Angebot.“
Milliarden-Köder: Infantino macht den Verbänden Druck
Worum geht es eigentlich? Infantinos Vorhaben sieht eine Privatisierung der Weltmeisterschaft vor, wobei ein Stück der Vermarktungsrechte an einen Geldgeber abgegeben werden soll. Zu diesem Zweck ist die Gründung einer neuen Fifa-Tochtergesellschaft mit der Bezeichnung „Fifa Forward Enterprise“ (FFE) vorgesehen, deren Leitung Infantino persönlich übernehmen soll.
Es ist angedacht, 20 bis 30 Prozent an Investoren abzugeben, während die Fifa mehr als 50 Prozent behalten und circa 20 Prozent an die 211 Mitgliedsverbände ausgeschüttet werden sollen. Die Erlöse werden auf über vier Milliarden US-Dollar (rund 3,5 Mrd. Euro) geschätzt. Das berichtet „bild.de“.
Das Vorhaben stößt auf heftige Kritik, insbesondere von der Uefa und deren Präsidenten Aleksander Ceferin (58). Infantino hebt allerdings hervor, dass es sich um eine „Chance, keine Verpflichtung“ handle. Erst bei einer Zustimmung durch die Mehrheit der 211 Mitgliedsverbände sowie des Fifa-Rates könne FFE als Tochterfirma umgesetzt werden, welche komplett unter der Kontrolle der Fifa stünde.
Doch diese Darstellung wirft Zweifel auf. Laut Berichten in den Medien soll der Fifa-Chef den Verbänden eine strikte Deadline bis zum 19. September gegeben haben, um dem Vorhaben zuzustimmen. Um das Ganze schmackhaft zu machen, lockt Infantino mit einer üppigen Bonuszahlung. Einem Schreiben zufolge lautet die Botschaft: „Sollten Sie diesen Fortschritt wünschen, steht Ihnen dieses 10-Milliarden-Dollar-Paket ab dem 1. Januar 2027 zur Verfügung.“
Wer sich dem Deal verweigert, soll zwar nicht leer ausgehen, erhält aber erheblich weniger Geld. „Sollten Sie den Status quo beibehalten und diesen Vorschlag ablehnen wollen, steht Ihnen weiterhin unsere geplante Erweiterung des Forward-Programms um 2,7 Milliarden US-Dollar zur Verfügung“, so die angebliche Fortsetzung in Infantinos Schreiben. Für zahlreiche Beobachter hat das den Beigeschmack von Nötigung und nicht den eines Angebots auf freiwilliger Basis.
Seine Pläne verteidigt Infantino mit dem Argument, dass vom steigenden ökonomischen Wert des Fußballs bislang nur ein Bruchteil dort ankomme, „wo er am dringendsten benötigt wird.“ Man benötige zusätzliche Expertise, um dieses Potenzial voll zu nutzen. Abschließend wendet er sich direkt an die Anhänger und kontert die Vorwürfe, sein Vorhaben würde den Fußball in seiner bekannten Form ruinieren.
Sein Versprechen lautet: „Die Fans bleiben das Herzstück des schönsten Spiels der Welt – und der Sport, den sie lieben und verfolgen, wird sich nicht verändern.“ Die bedeutendsten Turniere der Fifa, darunter die Weltmeisterschaften der Herren und Damen, würden selbstverständlich beibehalten und ohne Einmischung von außen geleitet. Ob diese Aussagen die erhitzten Gemüter besänftigen können, ist allerdings stark zu bezweifeln. (red)

