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„Was für ein Land wollen wir?“ Werder Bremen kritisiert die Polizei und stellt Grundsatzfrage

Werder-Fans zeigen bei der Hymne im Weserstadion am 29. April 2022 gegen Jahn Regensburg ihre Schals.

Fans von Werder Bremen halten am 29. April 2022 beim Heimspiel gegen Jahn Regensburg ihre Schals in die Luft.

Polizei-Kontrollen vor dem Bundesligaspiel in Wolfsburg verärgerten Fans von Werder Bremen – die Ultras entschieden sich für die sofortige Rückreise. Jetzt reagiert der Klub mit einer Forderung an die Politik.

Hat das Verhalten der Polizei am Samstagnachmittag (6. August 2022) in Wolfsburg Konsequenzen? Nach den unverhältnismäßigen Kontrollen der Werder-Gästefans vor dem Bundesligaspiel in Wolfsburg hagelt es Kritik. Nicht nur aus Bremen.

Die Verantwortlichen von Werder Bremen haben das Vorgehen der Polizei am Wolfsburger Hauptbahnhof gegen Bremer Fans massiv kritisiert. „Ich erwarte da eigentlich eine politische Korrektur von den Entscheidungsträgern, denn das kann so nicht stehen bleiben und darf sich nicht wiederholen“, sagte Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald (61) bei Sky nach dem 2:2 am Samstag beim VfL Wolfsburg.

Jörg Schmadtke: „Das stellt für mich die gesamte Polizeiarbeit infrage“

Mehrere Ultras hatten vor der Partie in der Fußball-Bundesliga Durchsuchungen und Personalienbestimmungen der Beamten als unverhältnismäßig empfunden, waren aus Protest nicht zum Spiel erschienen. Videos in den Sozialen Medien zeigen Fans, die von mehreren Polizisten und Einsatzfahrzeugen umgeben sind und die Ansage der Beamten erhalten, dass die Anhänger sich nicht im Stadtgebiet aufhalten und nur zum Stadion gehen dürften.

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Am Sonntag kritisierte auch Wolfsburgs Sportchef Jörg Schmadtke dieses Vorgehen. „Wenn diese Gangart der Beamten Standard ist, stellt das für mich die gesamte Polizeiarbeit infrage. Es kann doch nicht sein, dass die Polizei eingreift, bevor du überhaupt etwas getan hast“, sagte er der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“: „Ich habe mir die Bilder von dem Einsatz angesehen. Ich bin bestürzt. Das ist eine Blamage für den Fußball-Standort Wolfsburg.“

Die Wolfsburger Polizei verwies auf die vermeintliche Notwendigkeit der Durchsuchungen zur Gefahrenabwehr. Die Aktion sollte „Auseinandersetzungen von Fangruppierungen“ verhindern, schrieb die Behörde auf Twitter. Werders Profifußball-Leiter Clemens Fritz (41) äußerte: „Ich verstehe es nicht. Ich weiß nicht, wer das entschieden hat und ich weiß auch nicht, wer sich da verwirklichen wollte, aber ich finde es eine Frechheit.“

„Was für ein Land wollen wir haben?“

Jeder müsse sich laut Hess-Grunewald fragen, was für einen Fußball und was für ein Land man haben wolle. „Ein freiheitliches Land oder eins, das sich mit anderen Ländern messen muss, die wir nicht so freiheitlich sehen?“, fragte er.

Die Abreise der Ultras stelle für die Partie „einen klaren Wettbewerbsnachteil“ dar, twitterte Werder. Fritz sagte, beide Klubs seien sich einig gewesen, dass die Partie kein Risiko darstelle. „Unsere Fans einzukesseln, am Bahnhof zu durchsuchen und die Personalien aufnehmen zu wollen. Ich meine: Keiner hat etwas gemacht.“ In den vergangenen Jahren sei es „immer ruhig“ gewesen. „Ich habe da kein Verständnis“, fügte der frühere Werder-Profi hinzu.

„Dass die Wolfsburger Polizei dann zu der Einschätzung kommt, das ist ein Rotspiel und im Vorfeld – ohne, dass irgendetwas passiert ist – solche gravierenden, freiheitsentziehenden Maßnahmen trifft, da muss ich sagen, das ist außerordentlich bedenklich“, sagte Hess-Grunewald. (dpa)

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