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„Meine Uhr läuft ab“Viktoria-Ikone Mike Wunderlich: Darum wird es Zeit, jetzt zu gehen

Fußballspieler Mike Wunderlich (Viktoria Köln) sitzt auf dem Sessel und schaut TV.

Mike Wunderlich schaut sich die Doku über Viktoria Köln mit seinem Papa Franz Wunderlich am 25. Januar 2023 im Sportpark Höhenberg an.

Für Mike Wunderlich ist es die dritte Rückkehr zur Viktoria – zumindest als Fußballer wird es die letzte sein. Im Interview mit EXPRESS.de gesteht die Schäl-Sick-Ikone, warum es Zeit wird, im Sommer zu gehen.

von Christian Knop (knop)Alexander Haubrichs (ach)

Zurück in seinem Wohnzimmer. Mike Wunderlich (36) hockt in einer Box im Sportpark Höhenberg und schaut die Klub-Doku „Viktoria Köln – Vussball in Rheinkultur“, die während seiner Zeit in Kaiserslautern entstand.

Wenn man es genau nimmt, sind es Möbel aus einem ehemaligen Wohnzimmer von Trainer Olaf Janßen, aber das Bild passt schon bei Viktoria-Urgestein Wunderlich, der seine letzte Halbserie im Profifußball beim Drittligisten von der Schäl Sick absolviert. Vor dem Heimspiel gegen Waldhof Mannheim in der 3. Liga am Sonntag (29. Januar 2023) stand er Rede und Antwort.

Mike Wunderlich, Sie sind jetzt ein paar Wochen wieder hier. Wie fühlt es sich an, zurück bei Viktoria Köln zu sein? Mike Wunderlich: Schön. Ich wollte unbedingt nach Hause und bin allen Beteiligten dankbar, dass es geklappt hat. Die zwei Niederlagen zum Start haben die Stimmung etwas gedämpft, aber trotzdem fühlt es sich richtig an, dass ich die Entscheidung getroffen habe.

Alles zum Thema Viktoria Köln

Warum der Schritt zurück vom 1. FC Kaiserslautern? Mike Wunderlich: So wie es am Ende gelaufen ist, war ich mit der Situation nicht mehr zufrieden. Ich hatte ein sensationelles erstes Jahr mit dem Aufstieg, dann war der Start in die Zweite Liga auch überragend. Doch der Verein hat mit Philipp Klement noch einen ähnlichen Spieler geholt, plötzlich war der Trainer der Meinung, es könne nur noch einer von uns spielen, das war nicht ich. Aber ich wollte nicht die letzte Saison meiner Karriere auf der Bank verbringen. Dann machst du dir Gedanken. Du verzichtest privat auf viele Dinge, weit weg von Familie und Freunden.

Wie wichtig war für Sie persönlich trotzdem der Schritt nochmal raus zu einem anderen Klub nach den Jahren bei Viktoria? Mike Wunderlich: Extrem wichtig. 2010 war ich beim FSV Frankfurt in der 2. Liga auf einem guten Weg, mit der Aussicht, durchaus noch eine Etage höher gehen zu können. Und dann gehst du, weil der Körper und der Kopf nicht mehr wollen, drei Schritte zurück. Dann war ich zehn Jahre hier. Da gab es viele Stimmen, die gesagt haben: Der Wunderlich funktioniert nur zu Hause. Das hat an mir genagt, als ich auf der Couch saß und Leute in der Bundesliga sah, die damals nicht besser waren als ich. Deshalb hat mich die Anfrage aus Kaiserslautern gereizt – und mir am Ende mit dem Aufstieg und der Hinrunde in der 2. Liga auch den inneren Frieden gegeben.

Dann waren die Wege kurz für die Rückkehr. Mike Wunderlich: Mein Vater hat meine Situation natürlich mitbekommen. Aber ich habe ihn nie gebeten, mich zurückzuholen. Der Dienstweg war nur kürzer. Als er auf mich zukam und fragte, wie es aussähe, wenn der Klub mich zurückholen wolle, musste ich nicht lange überlegen.

Wäre die Enttäuschung groß gewesen, wenn es nicht geklappt hätte? Mike Wunderlich: Nein, ich war auf den Trainingsauftakt in Lautern fokussiert. Aber als die Viktoria kam, war ich bereit. Wenn der Coach mich nicht gewollt hätte, wäre das ja nicht passiert.

Bleibt’s dabei, dass im Sommer Schluss ist? Mike Wunderlich: Ja, für mich war es das. Das rückt immer näher, aber ich möchte da noch gar nicht groß drüber nachdenken. Doch manchmal kommt halt der Gedanke: Deine Uhr läuft ab. Ich fühle mich gut, könnte noch ein, zwei Jahre spielen, aber irgendwann wird es Zeit. Und es ist auch schön, erhobenen Hauptes vom Platz zu gehen. Und mit dem Platz in der Firma meines Vaters habe ich ja auch eine gute Perspektive. Nehmen Sie hier an der EXPRESS.de-Umfrage teil:

Und der Fußball? Mike Wunderlich: Dem werde ich erhalten bleiben. Ich will jetzt den B-Schein machen, als Trainer einsteigen. Ob das was für mich ist, wird man sehen. Ich habe ein Studium in Scouting und Spiel-Analyse abgeschlossen. Aber ich sehe mich eher auf dem Platz.

Mike Wunderlich: Franz-Josef Wernze hat mir unglaublich geholfen

Was macht die Viktoria für Sie aus? Mike Wunderlich: Ich habe hier angefangen, da hieß es noch Preußen Köln, und hier war ein Ascheplatz, wo nun der Kunstrasen ist. Dann die Zeit nach Frankfurt, als die Viktoria und vor allem Franz-Josef Wernze mir unglaublich geholfen haben. Deshalb bin ich auch hier geblieben, nach den verpassten Aufstiegen. Weil ich ihm dankbar war und mithelfen wollte, seinen Traum von der 3. Liga zu realisieren. Herr Wernze wurde gerne angefeindet und als reiner Geldgeber gesehen, aber was er hier auch abseits der ersten Mannschaft für Jugend und Infrastruktur geleistet hat, wird gerne übersehen.

Haben Sie einen Traum, was am letzten Spieltag passieren soll? Mike Wunderlich: Träumen ist nicht angebracht. Natürlich willst du als Sportler erfolgreich sein, und als ich kam, hatten wir nur vier Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Doch in dieser Liga ist alles eng und schwierig, und die beiden Niederlagen zum Start haben gezeigt: Es ist albern zu denken, da kommt jetzt Mike Wunderlich und schießt die Viktoria von Sieg zu Sieg. Ich möchte, dass wir eine erfolgreiche Zeit haben. Für den Verein wäre es der nächste Schritt, mal frühzeitig planen zu können.

Ihr steht jetzt leider etwas zwischen Baum und Borke … Mike Wunderlich: Ja, wir haben den Anschluss an die oberen Plätze verloren. Der Verein hat mit den Verpflichtungen von mir und „Schulle“ (Michael Schultz, Anm. d. Red.) signalisiert, dass er die gute Ausgangsposition nutzen und angreifen will, wenn sich die Chance bieten sollte. Das muss jetzt noch nicht vorbei sein. Wenn wir anfangen zu punkten, können wir vielleicht nochmal oben ran rutschen. Aber wir wissen auch: Wenn wir nicht punkten, dann kann es auch schnell nach unten nochmal eng werden.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit Marcel Risse? Hat die „Rentner-Gang“ schon einen eigenen Physio? Mike Wunderlich: Mit dem Rollator auf den Platz schieben muss man uns noch nicht. (lacht) Im Ernst: Wir haben mit Cello einen Kapitän, der nochmal über mehr Erfahrung verfügt als ich. Ich ordne mich da unter. Er ist ein Super-Junge, ein anderer Typ als ich, der Dinge auf seine Art regelt, auch ein echter Kölner, mit FC-Vergangenheit. Wir kommen super klar – und sind wahrscheinlich weniger beim Physio als so mancher junge Spieler.

Sie haben eben auf die Doku geschaut, da ist auch das Pokalspiel im vollen Müngersdorfer Stadion zu sehen. Wie haben Sie das erlebt? Mike Wunderlich: Ich konnte leider nicht da sein. Aber der Verein hatte so ein Highlight verdient, da sah man, dass hier jeder nach Erfolg lechzt. Die Viktoria entwickelt sich in die richtige Richtung und es macht Spaß, ein Teil davon zu sein.