Bei der WM 2026 wurde Lionel Mpasi für seine Auswahl zum Helden, dabei hätte er das Turnier offenbar gar nicht bestreiten dürfen. Wollte die FIFA den Fall vertuschen?
Nächster Skandal drohtHätte WM-Held gar nicht spielen dürfen?
Nach dem „Fall Balogun“ droht der FIFA und Präsident Gianni Infantino ein weiterer Skandal im Zusammenhang mit der Fußball-WM. Der Weltverband soll die Demokratische Republik Kongo trotz festgestellter Zweifel an der Spielberechtigung eines Nationalspielers nicht aus der WM-Qualifikation genommen haben.
Das berichteten die „New York Times“ und „Le Monde“ am Dienstag (6. Oktober 2026) unter Berufung auf interne FIFA-Dokumente und Korrespondenzen. „Le Monde“ schrieb von einer „heiklen Angelegenheit, die die FIFA aus politischen Gründen“ vertuscht habe.
FIFA entschied sich gegen Strafmaßnahme
Demnach stellten Rechtsexperten des Weltverbandes bei einer Untersuchung fest, dass die Unterlagen für einen Verbandswechsel von Torhüter Lionel Mpasi nicht fertiggestellt worden seien. Der Schlussmann läuft seit 2021 für das Heimatland seiner Eltern auf und hatte zuvor für französische Jugendnationalteams gespielt.
Die FIFA prüfte den Berichten zufolge mehrere Optionen von einer Geldstrafe bis hin zu einem Ausschluss des Kongo aus den WM-Playoffs. Letztlich wurde keine dieser Maßnahmen umgesetzt.
Ausgangspunkt der Untersuchung war eine Beschwerde des nigerianischen Verbandes. Die FIFA wies diese nach eigenen Angaben aus formalen Gründen zurück. Kongo hatte sich durch einen Erfolg über Nigeria für das Playoff-Turnier qualifiziert und gegen Jamaika das WM-Ticket gelöst.
Mpasi stand bis zum Sechzehntelfinal-Aus gegen England (1:2) in allen Spielen auf dem Feld, wurde mit mehreren Glanztaten zum Helden des in der Heimat frenetisch gefeierten Einzugs in die K.o.-Runde. Dort träumte die Auswahl dank seiner Glanztaten sogar lange von der Sensation gegen England, kassierte den 1:1-Ausgleich erst in der 75. Minute.

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Gegen England ließ Lionel Mpasi seine Auswahl lange von einer Sensation träumen.
Die New York Times stellte eine Verbindung Infantinos zum heutigen Chef des kongolesischen Verbandes her. Véron Mosengo-Omba, demnach ein Verbündeter des Schweizers, hatte zum Zeitpunkt der Untersuchung seine Kandidatur für den Posten an der Spitze der Verbandes vorbereitet und wurde nach der Qualifikation für das Turnier in den USA, Mexiko und Kanada gewählt.
Infantino schon bei Balogun-Aufreger im Fokus
Eine SID-Anfrage zu diesem Thema ließ die FIFA zunächst unbeantwortet. Auf Anfrage der „New York Times“ teilte der Weltverband mit: Ihre Ausschüsse seien „autonom und entscheiden über Fälle auf Grundlage der geltenden Vorschriften und der jeweils vorliegenden konkreten Fakten“.
Infantino, der für seine Wiederwahl 2027 inmitten des Machtkampfes auf die Unterstützung aus Afrika angewiesen ist, habe keinen Einfluss auf solche Entscheidungen. Frühere Erkenntnisse sorgen allerdings für erhebliche Zweifel an dieser Feststellung.
Während der WM hatte die Aufhebung der Sperre des US-Stürmers Folarin Balogun massive Kritik ausgelöst. US-Präsident Donald Trump hatte im Vorfeld des Achtelfinals gegen Belgien (1:4) nach eigenen Angaben bei Infantino angerufen und um eine Überprüfung der Rotsperre des Torjägers gebeten.
In der Tat wurde die Sanktion zurückgenommen. Die FIFA beharrte darauf, dass ihre Disziplinarkommission unabhängig entschieden habe. In der Geschichte der WM war allerdings nie zuvor ein Spieler nachträglich von einer Rotsperre freigesprochen worden. (sid/bc)
