„Wenn wir den Spielbetrieb einstellen...“ Bundesliga-Vereine streiten um Thema Bundesliga-Pause

Blick ins leere Kölner Rhein-Energie-Stadion.

Finden demnächst wieder alle Spiele in leeren Stadien statt, wie hier am 22. Dezember 2020 in Köln.

Gibt es in Deutschland erstmals seit der Anfangsphase der Corona-Pandemie wieder einen Fußball-Lockdown. Inzwischen gibt es eine erste klare Stimme, die eine Pause bis Weihnachten fordert.

Aue. Der Corona-Klammergriff im deutschen Fußball nimmt immer weiter zu. Die Fälle steigen bei vielen Klubs auch im Spieler- und Betreuerkreis, erstmals kommen in einigen Stadien auch wieder deutliche Zuschauer-Beschränkungen zur Anwendung. Droht dem Fußball jetzt sogar der komplette Stillstand?

Geht es nach Helge Leonhardt (63), dann sollten die Profi-Ligen sogar von sich aus eine Vollbremsung hinlegen. Der meinungsstarke Präsident von Zweitligist Erzgebirge Aue fordert daher am Mittwoch (24. November 2021): „Wir brauchen bis Ende Dezember einen Fußball-Lockdown.“ Er fordert einen sofortigen Stopp des Profi-Fußballs mitsamt der 1. und 2. Bundesliga.

Aue-Boss Leonhardt fordert Fußball-Pause bis Jahresende

Der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt hält überhaupt nichts von der Forderung nach einer freiwilligen Unterbrechung des Spielbetriebs wegen der neuerlichen Corona-Auflagen bei der Auslastung in Stadien. „Das halte ich nicht für den richtigen Ansatz“, sagte Markus Krösche dem „Kicker“. „Wir alle sind Wirtschaftsunternehmen, die laufende Kosten haben und Gehälter bezahlen müssen. Deshalb müssen wir unseren Betrieb aufrechterhalten. Wenn wir den Spielbetrieb einstellen, fehlt uns ein beträchtlicher Teil unserer wirtschaftlichen Grundlage“, sagte Krösche.

Gegenüber der „Bild“ machte Leonhardt, schon seit den frühen Neunzigerjahren Jahren im Erzgebirge in verschiedenen Positionen tätig, deutlich: „Die nächsten vier Wochen werden extrem schwierig für unser Land und stellen uns vor eine Zerreißprobe. Dort wird kluges und geordnetes Handeln gefragt sein, ohne chaotische Aktionen.“

Aues Torhüter und Kapitän Martin Männel mit Kind auf dem Arm (l) und Aues Präsident Helge Leonhardt sprechen nach dem Spiel.

Präsident Helge Leonhardt (r.) am 22. Oktober 2021 nach dem Spiel von Erzgebirge Aue gegen Schalke 04 mit Torwart Martin Männel und dessen Sohn.

Im Umfeld von Erzgebirge Aue ist die Lage aktuell besonders dramatisch, die Inzidenz auf Kreisebene lag am Dienstag bei unglaublichen 1346,4. Eine Situation, in der laut Leonhardt der finanzielle Aspekt nur noch eine Nebenrolle spielen darf. Stattdessen müsse der Fußball, der schon zu Beginn der Pandemie wegen möglicher Sonderrollen in der Kritik stand, seiner sozialen Verantwortung gerecht werden.

Die DFL reagierte am Mittwochmorgen eindeutig auf den Vorstoß. „Die abgestimmte Linie aller 36 Klubs war seit dem Beginn der Corona-Pandemie immer, auf Basis der staatlichen Vorgaben zu agieren. Ein selbstverhängter flächendeckender Lockdown im Sinne einer Saison-Unterbrechung ist daher kein Thema“, hieß es in einer Stellungnahme.

Helge Leonhardt plädiert mit Erzgebirge Aue für Verantwortung im Fußball

Im Gespräch mit der MDR-Sendung „Sport im Osten“ hatte Leonhardt am Dienstag zur Corona-Lage gesagt: „Wir müssen einfach den Schutz der Menschen in den Vordergrund stellen, Vorbilder sein.“

Da bei vermehrten Ausfällen oder Quarantäne-Anordnungen Spielausfälle drohen und die Zuschauer-Regelungen je nach Bundesland teils deutlich voneinander abweichen, sieht der Unternehmer außerdem keinen fairen Wettbewerb mehr gegeben: „Es kann nicht das Ziel sein, die erste Saisonhälfte um jeden Preis bis Weihnachten durchzupeitschen.“

Der Blick auf die 2. Bundesliga zeigt: Der von Helge Leonhardt vorgeschlagene „Fußball-Lockdown“ wäre zweifellos nicht mit sportlichen Hintergedanken verbunden. Schließlich sind die „Veilchen“ aus Aue nach katastrophalem Saisonstart und Trainerwechsel inzwischen voll auf Kurs. Der FCE holte zehn Punkte aus den vergangenen fünf Spielen und schaffte damit erstmals seit dem dritten Spieltag wieder den Sprung von den Abstiegsrängen. (bc)

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