Physisch verkommen Fußball-Profis zu gläsernen Athleten, psychisch liegt dagegen noch vieles im Argen. Mit Sergi Darder sprach jetzt ein Erstliga-Profi offen über seine mentalen Probleme.
„Was ist falsch mit mir?“Erstliga-Profi spricht über Tabu-Thema und hofft auf Vorbild-Rolle

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Sergi Darder, hier am 21. Januar 2022 im Spiel von Espanyol Barcelona gegen Real Betis, hat offen über die schwerste Zeit seiner Fußball-Laufbahn gesprochen.
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Offene Worte über die Schattenseiten im Fußball. Der spanische Erstliga-Profi Sergi Darder (28) hat am Freitag (11. Februar 2022) in einem Interview mit dem Fernsehsender ESPN über eines der großen Tabu-Themen der Branche gesprochen. Seine große Krise hat der Mittelfeldspieler inzwischen überwunden, jetzt will er Kollegen als Vorbild dienen.
Vor zwei Jahren sah das noch ganz anders aus: Darder, seit 2017 bei Espanyol Barcelona unter Vertrag, zweifelte an sich selbst und ließ sich vom Fußball-Frust die Lebenslust rauben. Dank psychologischer Hilfe kämpfte er sich aus seiner Krise. Allerdings: Während Fußballer physisch inzwischen zu fast schon gläsernen Athleten geworden sind, wird über das psychische Wohlbefinden weiterhin nur äußerst ungern gesprochen.
Psychische Probleme: Max Eberl verschaffte sich mit Offenheit Respekt
So wie in Deutschland zuletzt Manager Max Eberl (48) bei Borussia Mönchengladbach, sorgte Darder in Spanien für die große Ausnahme, gab detaillierte Einblicke in sein einstmals angeschlagenes Seelenleben: „Ich wollte meinen Spaß am Leben zurück. Ich konnte eine schlechte Trainingseinheit haben und schon wollte ich mit niemandem mehr reden.“

Über seinen Zustand in der Abstiegs-Saison 2019/2020 von Espanyol Barcelona sagte Darder, der einst unter Bernd Schuster (62) beim FC Málaga sein Profi-Debüt feierte, rückblickend: „Ich würde nicht von einer Depression sprechen, weil es Leute gibt, denen sie wirklich große Probleme bereitet, die krank sind, aber ich war auf Hilfe angewiesen.“
Obwohl sein Berater und seine Frau schon lange zuvor auf ihn eingeredet hatten, habe er erst nach einem Jahr realisiert, dass bei ihm nicht alles in Ordnung sei.
Sergi Darder spricht offen über psychologische Hilfe im Fußball
Seine damaligen Gedanken beschreibt der frühere U21-Nationalspieler wie folgt: „Ich habe alles, was ich immer wollte, könnte der glücklichste Mann der Welt sein, aber ich bin nicht glücklich. Und meine Freunde, die acht Stunden am Tag malochen, kein Geld haben, sind glücklicher als ich. Was ist falsch mit mir?“
Alleine fand Sergi Darder keine Antwort auf diese Frage, er begab sich schließlich in die Hände eines Psychologen, mit dem es langsam wieder aufwärts ging. Statt sich einzuschließen und mit niemandem zu sprechen, ging er offener mit seiner Situation um, versuchte die Bedeutung des Fußballs wieder unter familiäres Glück und das Wohlbefinden seiner Liebsten einzuordnen.
Das sorgte auch wieder für ein gesünderes Verhältnis zum Sport: „Ich kann jetzt sagen, dass ich wieder Spaß am Fußball habe“, zeigte sich Darder erleichtert. Aus dem einstigen Pessimisten sei inzwischen wieder ein Optimist geworden, versichert er. Dass viele Fußball-Kollegen diesen Weg aus Sorge nicht gehen oder zumindest nicht darüber sprechen, gehört zu den Dingen, die er mit seinem Schritt in die Öffentlichkeit gerne ändern will. (bc)

