Kommt nun doch die Super League? UEFA geht auf Barca, Juve und Real Madrid zu – unter Vorbehalt

Aleksander Ceferin von der UEFA guckt kritisch.

UEFA-Boss Aleksander Ceferin ist von den Super-League-Plänen überhaupt nicht begeistert. Das Bild stammt vom 14. September 2021.

Die UEFA zeigt sich gegenüber den Super-League-Hardlinern von Barca, Juve und Real Madrid milde. Nun muss der Verband aber mit einem neuen Anlauf der Klubs rechnen.

Nyon. Im April 2021 empörte eine Nachricht die gesamte europäische Fußballwelt: Zwölf europäische Spitzenklubs eröffneten, eine Super League gründen zu wollen. Die Fans gingen auf die Barrikaden und waren sich einig: Den Vereinen geht es dabei mal wieder nur um die Kohle. Denn: Aus einer potentiellen Super League könnten die Klubs mehr Geld schöpfen als aus der UEFA-Champions-League, bei der der europäische Fußballverband UEFA ordentlich mitverdient.

Die Super League stünde in direkter Konkurrenz zur Champions League. Entsprechend harsch kritisierten die UEFA-Funktionäre den Alleingang der Klubs, drohten mit Ausschlüssen. Neun der zwölf Klubs kamen damals – im April 2021 – binnen weniger Tage zur Besinnung, zogen sich aus den Plänen zurück. Nur Barca, Juve und Real Madrid halten weiterhin mit Vehemenz an dem Vorhaben fest. Die UEFA drohte mit drakonischen Strafen.

UEFA: „Fortsetzung einer juristischen Auseinandersetzung nicht im eigenen Interesse“ 

Doch nun hat die UEFA auf eine richterliche Androhung aus Spanien reagiert und wird die Verfahren gegen die drei abtrünnigen Super-League-Clubs Real Madrid, FC Barcelona und Juventus Turin nicht weiter verfolgen. Das bestätigte die UEFA am Dienstag (28. September 2021). Auch werde der europäische Verband von den übrigen neun Super-League-Teams keine Strafzahlung einfordern.

Memphis Depay vom FC Barcelona läuft zur Eckfahne.

Obwohl der FC Barcelona an der Super League festhält, spielt der Klub in der Champions-League. Hier zu sehen: Memphis Depay am 14. September im Spiel gegen Bayern München.

Man sei nach genauer Prüfung zu der Erkenntnis gekommen, dass die Fortsetzung einer juristischen Auseinandersetzung nicht im eigenen Interesse und des der Mitgliedsverbände sei, hieß es in einer UEFA-Mitteilung. Die Berufungskammer der UEFA hatte daher entschieden, dass die Verfahren nicht weiter verfolgt würden. Im Raum stand ein Champions-League-Ausschluss der drei Top-Vereine.

Dennoch bleibe man bei der klaren Haltung gegen die Gründung einer Superliga und der Missbilligung des Verhaltens der beteiligten Vereine. Man werde weiterhin alles Notwendige tun, um die Super League und jede Form einer abtrünnigen Liga zu stoppen. Ebenso behalte man sich bei einer möglichen Wiederaufnahme etwaiger Abspaltungspläne neue juristische Schritte vor. Man habe immer in Übereinstimmung mit ihren Statuten und Reglements aber auch mit EU-Recht, der Europäischen Menschenrechtskonvention und schweizerischem Recht gehandelt, hieß es von der UEFA.

Der spanische Richter Manuel Ruiz de Lara hatte der UEFA in der Vorwoche ein Ultimatum gestellt, um die Sanktionsdrohungen gegen die Gründungsmitglieder der umstrittenen Superliga zurückzunehmen. Anderenfalls müsse UEFA-Chef Aleksander Ceferin (53) mit einer Anklage wegen Nichtbeachtung eines richterlichen Urteils rechnen.

Aleksander Ceferin und Andrea Agnelli sitzen nebeneinander.

Damals war die Stimmung noch nicht so unterkühlt: UEFA-Boss Aleksander Ceferin und Andrea Agnelli zusammen auf einer Konferenz am 20. November 2018 in Brüssel.

Juventus-Präsident will weiterhin eine Super League

Juventus Turins Präsident Andrea Agnelli (45) rückt weiter nicht von einer europäischen Super League ab. In einem Brief an die Aktionäre des italienischen Fußball-Rekordmeisters erläuterte der 45-Jährige die Vorteile des Projekts, an dem neben Juve auch die spanischen Topklubs Real Madrid und FC Barcelona trotz der gescheiterten Gründung im April festhalten. Darin betonte Agnelli, dass „der politische Dialog wieder aufgenommen werden muss“. Ein erneuter Versuch, eine Super League zu etablieren, ist also abzusehen.

Laut des Juve-Bosses enthalte die Super League „drei wesentliche Werte für die Stabilität der Fußballindustrie“. Dabei handle es sich um einen „neuen gemeinsamen Rahmen für die Kostenkontrolle, ein starkes Engagement für Solidarität und Gegenseitigkeit sowie die zentrale Bedeutung der Leistung der Vereine in europäischen Wettbewerben und ihr Beitrag zur Entwicklung von Talenten“. (dpa/sid)

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