Bayer Leverkusen stand kurz vor der Überraschung. Doch dann kam Kai Havertz und machte eine noch bessere Ausgangsposition für die Werkself zunichte.
War ihm fast unangenehmHavertz mitten ins Herz der Bayer-Fans

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Kai Havertz wirkte nach seinem Tor wenig glücklich.
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Ausgerechnet Kai Havertz hat Bayer Leverkusen auf dem Weg in die ersehnte nächste Runde der Champions League eine bessere Ausgangsposition vermiest. Dennoch bot der Werksklub dem scheinbar übermächtigen FC Arsenal eindrucksvoll Paroli und hat weiter Chancen auf das erste Champions-League-Viertelfinale seit 24 Jahren.
Die Werkself trotzte dem Premier-League-Tabellenführer beim Wiedersehen mit Havertz im ersten Achtelfinal-Duell ein 1:1 (0:0) ab und gab dabei eine bessere Ausgangslage für das Rückspiel erst spät aus der Hand.
Andrich erst mit Problemen, dann mit Tor
Dennoch: Am kommenden Dienstag (21.00 Uhr/Prime Video) in London ist nach der couragierten Vorstellung des deutschen Vizemeisters alles offen. Die Führung durch Bayer-Kapitän Robert Andrich (46.) glich Arsenals Havertz per Foulelfmeter erst spät aus (89.). Zuvor hatte Malik Tillman Noni Maduek gefoult, der Video-Assistent bestätigte den umstrittenen Strafstoß. Zuletzt hatte der Werksklub 2002 das Viertelfinale der Königsklasse erreicht – damals ging erst das Endspiel gegen Real Madrid verloren.
Während Bayer vor dem Liga-Kracher gegen den FC Bayern am Samstag Selbstvertrauen sammelte, ging Arsenal nach einer makellosen Ligaphase erstmals in dieser Champions-League-Saison nicht als Sieger vom Platz. Nationalspieler Havertz, der erstmals seit seinem Abschied 2020 in die BayArena zurückkehrte, kam in der 74. Minute als Joker ins Spiel.
Arsenal sei „vielleicht die beste Mannschaft Europas“ und „natürlich der große Favorit“, hatte Bayer-Trainer Kasper Hjulmand vor der Partie gesagt. Verstecken wollte er sich mit seinem Team gegen den Premier-League-Tabellenführer aber nicht: „Wir haben schon sehr gut gegen große Mannschaften gespielt. Es ist Fußball. Alles ist möglich.“ Doch sein Team stand von Beginn an unter Druck.
Vor allem Andrich wirkte zu Beginn überfordert. Der Bayer-Kapitän ließ sich zu zwei Fouls an Arsenal-Angreifer Viktor Gyökeres hinreißen und kassierte früh die Gelbe Karte. Bayer kam dann aber etwas besser in die Partie, Christian Kofane (7.) hatte den ersten Abschluss der Partie. Arsenal war um Spielkontrolle bemüht, Leverkusen stand kompakt und lauerte auf schnelle Umschaltsituationen.
Eine solche nutzten dann fast die Londoner zur Führung: Über Gyökeres landete der Ball halblinks bei Gabriel Martinelli, der mit einem wuchtigen Abschluss die Latte traf (20.). Bayer zeigte sich davon aber unbeeindruckt und hielt stark dagegen. Kofane machte im Sturmzentrum immer wieder Bälle fest und stellte die Defensive der Gunners vor Probleme. Auch offensiv fanden die Engländer kaum Lösungen. Bis zur Pause war es ein Spiel auf Augenhöhe. Bayers Ibrahim Maza schoss bei einem Konter links vorbei (45.+1).
Kurz nach dem Seitenwechsel ging Leverkusen dann in Führung: Andrich köpfte nach einer Ecke am zweiten Pfosten ein – und Arsenal geriet erstmals in dieser Königsklassen-Saison in Rückstand. Die Gunners versuchten zu antworten, doch auch die ansonsten gefürchteten Standards blieben zunächst wirkungslos. Angeführt vom starken Exequiel Palacios verteidigte Bayer lange leidenschaftlich die Führung – dann traf ausgerechnet Havertz mitten ins Herz der Bayer-Fans. Er verzichtete gegen sein Ex-Team auf ausgelassenen Jubel. Noch mehr: Trotz großer Erleichterung schien ihm der Treffer fast unangenehm zu sein. (sid)

