Der 1. FC Köln muss sich zwingend weiterentwickeln, wenn er im professionellen Fußball erfolgreich sein will. Vor einem Jahr wurde ein neues Präsidium gewählt. Wie fällt die Bilanz aus?
Stobbe, Alvermann & SobekEin Jahr FC‑Vorstand – „brutal, das ist zu wenig“

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Präsident Jörn Stobbe und seine Vize Jörg Alvermann sowie Ulf Sobek beim Heimspiel gegen Werder Bremen am 12. September 2026.

Es ist ein Jahr her: Am 27. September 2025 wurde beim 1. FC Köln ein neuer Vorstand für drei Jahre gewählt. Jörn Stobbe (60) übernahm die Führung des Klubs als Präsident. An seiner Seite befinden sich die Vizepräsidenten Jörg Alvermann (55) und Ulf Sobek (54).
Was haben die drei in einem Jahr bewirkt? Was sind ihre Pläne und wo liegen die größten Herausforderungen? Präsident Stobbe sagte zuletzt im Podcast „Dreierkette Köln“: „Das war ein großartiges Jahr! Ich kneife mich noch einmal morgens, dann kommt die Freude, aber auch die Verantwortung, weil da so viel dranhängt.“ EXPRESS.de zieht eine Bilanz:
Sportlicher Erfolg des 1. FC Köln hängt am seidenen Faden
Auftreten: Die drei wurden vom Mitgliederrat einzeln gecastet und als Team zusammengeführt. Zunächst waren sie als Einheit unterwegs, reisten beispielsweise gemeinsam zu Auswärtsspielen. Was zuletzt auffiel: Zum Auswärtsspiel nach Würzburg reisten Alvermann und Sobek in getrennten Zugwaggons. Auf Reisen getrennt, in der Sache vereint. Hinter den Kulissen wird teils auch heftig diskutiert und auch mal gestritten, aber alle arbeiten am Erfolg des Klubs.
Jeder einzelne hat einen Themenschwerpunkt, der bearbeitet wird. Stobbe kümmert sich um die Projekte Geißbockheim, Nachwuchszentrum oder Stadionausbau, Alvermann um Strukturen, die neue Satzung sowie die FC-Stiftung und Sobek ist bei allen sportlichen Abteilungen bis in die Jugend unterwegs. Dazu gehören auch Tischtennis und Handball.
„Wenn uns eins gemeinsam auszeichnet, dann ist es, dass wir Erfolg haben wollen. Erfolg definieren wir am Ende über den Sport. Natürlich müssen wir auch gesellschaftspolitisch und wirtschaftlich was machen, um die Voraussetzungen zu schaffen. Wir haben hier noch viel vor. Der FC ist kein schlafender Riese. Der FC ist ein Riese“, untermauert Stobbe. Generell zeigen alle drei Fannähe und wenig Berührungsängste in der Öffentlichkeit. Sie sind mit Herzblut und Fleiß bei der Sache.
Sportlicher Erfolg/Krisen: Der neue Vorstand musste in den entscheidenden Gremien mit Lukas Kwasniok (45) schon nach wenigen Monaten den ersten Trainer von seinen Aufgaben entbinden. Der FC hat danach mit Ach und Krach die Liga gehalten. In ihrer Amtszeit haben Stobbe, Alvermann und Sobek nur einen Auswärtssieg (3. Oktober 2025, 1:0 bei der TSG Hoffenheim) gesehen. „Das ist so brutal. Das ist zu wenig“, sagt Stobbe frustriert.
Sportliche Ausrichtung: Nach dem Klassenerhalt wurde versucht, mit dem Präsidium die Weichen für die Zukunft zu stellen. Viele Dinge im Geißbockheim wurden auf links gedreht. Thomas Kessler (40) wurde zum Geschäftsführer Sport befördert, Philipp Türoff (50) zum Sprecher der Geschäftsführung. Mit Tim Steidten (47) kam ein Kaderplaner mit reichlich England-Erfahrung zum FC. Die Folge: Top-Talente aus der Premier League landeten am Geißbockheim. Mit Manchester City ist laut Stobbe eine Kooperation angedacht, doch das ist eher Wunschdenken als konkreter Plan. Zudem konnte Said El Mala (20) gehalten werden. Die sportliche Marschroute wird eher von Kessler vorgegeben, der das Präsidium einbindet. Im Verbund sorgten alle dafür, dass René Wagner (38) weiter als Cheftrainer arbeiten durfte. Mit ihm soll langfristig etwas aufgebaut werden.
Nach den letzten Spielen in Bremen (1:1) und beim Hamburger SV (1:2) hängt der sportliche Erfolg am seidenen Faden. Stobbe weiß, dass jetzt Ergebnisse her müssen: „Natürlich hätten wir Bremen schlagen sollen und in Hamburg einen Punkt holen können. Wir müssen jetzt das Glück erzwingen und weiter hart arbeiten. Jetzt müssen wir noch erfolgreicher spielen. Am besten fangen wir bei den nächsten Heimspielen an. Es ist ein Ergebnissport, das nehmen wir brutal ernst.“ Am 11. Oktober 2026 kommt Borussia Mönchengladbach nach Köln.
Bei einer weiteren Niederlage darf man gespannt sein, wie der Vorstand agiert. Das Trio war angetreten, um sportliche Kompetenz in das Gremium zu bringen. Richtige Impulse sind bislang allerdings ausgeblieben oder waren noch nicht gefordert.
Im Frauenbereich wurde auch eine Menge investiert, die FC-Mannschaft hat den besten Saisonstart der Vereinsgeschichte hingelegt. Aus dem männlichen und weiblichen Nachwuchs sollen weiter viele Talente an die ersten Mannschaften herangeführt werden.
Über 50 Millionen Euro! Baufinanzierung für das neue Leistungszentrum steht
Die sportlichen Ziele sind klar definiert, dabei geht es vorwiegend um die Männer. Stobbe sagt: „Kurzfristig wollen wir in der Liga bleiben, mittelfristig das sichern. Es kann nicht sein, dass wir überhaupt darüber nachdenken, ob man absteigt oder nicht. Da müssen wir mittelfristig hinkommen.“ Der Präsident weiß, dass vor allem der Erfolg der männlichen Profis zählt. Bei einem weiteren Abstieg können viele andere Projekte beerdigt werden.
Geißbockheim und Leistungszentrum: Das Präsidium wollte die Platzsituation rund ums Geißbockheim mit der Stadtpolitik schnell klären, das ist nur fast gelungen. Aktuell wartet der FC weiter auf die sogenannten Satellitenplätze. Stobbe gesteht, dass schon vor seiner Amtszeit viel getan wurde: „Wir sind so weit beim Geißbockheim, wie noch nie. Aber da waren die Weichen schon gut gestellt.“ Der FC will im Frühjahr mit dem Bau des neuen 50-Millionen-Euro-Gebäudes neben dem Franz-Kremer-Stadion beginnen. Eine solide Baufinanzierung ist vorhanden.
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Stadion: Hier ist keine Lösung in Sicht. Zwar will Stobbe den Ausbau des Rhein-Energie-Stadions auf eine Kapazität von über 75.000 nochmals prüfen. Doch in der Vergangenheit wurden bereits zwei Gutachten erstellt, die wenig Hoffnung machen. Zudem gibt es zwei wesentliche Knackpunkte, die sich kaum ändern lassen: Für das Stadion im Wohngebiet liegt nur eine Baugenehmigung mit einem Fassungsvermögen von 50.000 Zuschauern vor. Und: Sollte ein Antrag auf ein größeres Stadion gestellt werden, werden Bürgervereine in Müngersdorf und Junkersdorf mit Sicherheit dagegen klagen. Innovative und neue Ideen des Vorstands, wie man ein größeres Stadion bekommt, gibt es bislang nicht.
Satzung: Der FC will seine Strukturen ändern und Gremien abschaffen. Auf der Mitgliederversammlung am 22. November 2026 (12 Uhr/Kölnmesse) wird eine neue Satzung vorgestellt. Vize Alvermann hat mit der neugegründeten Satzungskommission akribisch daran gearbeitet. „Es wird eine spannende, klarere und moderne Satzung vorgestellt“, verspricht Stobbe.
Alvermann kündigte bereits an: „Die Abschaffung des Gemeinsamen Ausschusses und die Stärkung des Aufsichtsrats in der Kapitalgesellschaft ist ein sehr zentrales Anliegen. Der Beirat soll künftig kein Vereinsorgan mehr sein, sondern rein beratend wirken. Der Mitgliederrat soll als Aufsichtsrat des Vereins seine Kernaufgabe im Namen tragen. Das trägt alles zur Verständlichkeit der Satzung bei.“ Aus der aktiven Fanszene ist erstes Grummeln zu vernehmen. Ob auf der Versammlung für die neue Satzung gestimmt wird, wird sich zeigen.
Vereinsleben/interne Kommunikation: Das Trio war auch mit dem Versprechen angetreten, transparent zu arbeiten und die Mitglieder mitzunehmen. Rund 170.000 sind es mittlerweile. Gar nicht so einfach, alle einzubinden. Der Vorstand hat allerdings Wort gehalten und verschiedene Formate ausgebaut: In Kommissionen, Arbeitsgruppen, Foren und Stammtischen versucht man, so viele Mitglieder wie möglich in Entscheidungsprozesse einzubinden. „Die Formate unterscheiden sich bewusst in Auftrag, Zusammensetzung, und Frequenz. Alle haben ein Ziel: Den 1. FC Köln als demokratischen, mitglieder- und fanorientierten Verein zu leben“, betont Alvermann.
FC-Stiftung: Vizepräsident Alvermann hat den Stiftungsvorstand übernommen. Der Verein übernimmt mit seiner Stiftung als größte Sportorganisation der Region gesellschaftliche Verantwortung. Mit dem eingesammelten Geld werden zahlreiche soziale Projekte unterstützt. Dabei geht es um Inklusion, Obdachlosenhilfe, Resozialisierung oder erkrankte Menschen, die Teil der FC-Familie sind.
Alvermann fand zuletzt beim Golfturnier des FC für die Stiftung die richtigen Worte: „Gerade in diesen Zeiten, wenn man auf Wahlergebnisse schaut, ist es wichtig, dass wir zusammenstehen. Für uns ist das ein wunderbarer Tag, denn es kommen so viele Menschen für die gute Sache zusammen. Die Stiftung ist eine absolute Herzensangelegenheit. Es ist aktuell besonders wichtig, für alle da zu sein. Es geht um die, die es im Leben nicht so einfach haben.“

