Der 1. FC Köln hat 0:1 in Frankfurt verloren. Nach sechs Spieltagen bleibt der Klub bei sieben Punkten in der Tabelle stehen. Es wurde erneut deutlich, dass das Team nicht über 90 Minuten performen kann. Jetzt darf man sich nicht weiter in die eigene Tasche lügen. Ein Kommentar.
Verpufft die Sportkompetenz?FC darf sich nicht weiter in die Tasche lügen

Mit leeren Blicken standen die Spieler, Trainer und Betreuer des 1. FC Köln in Frankfurt und starrten in den Nachthimmel. Nur fünf Tage nach dem 2:1-Kampf-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach ist die Derby-Euphorie schon wieder dahin. Beim 0:1 wurden einige Schwächen einmal mehr deutlich.
FC-Trainer René Wagner (38) sagte nach dem verlorenen Spiel: „Wir haben auswärts bei einem schweren Gegner eine Top-Leistung gebracht.“ Kann man so sehen, muss man aber nicht.
1. FC Köln hat offensichtlich ein Fitnessproblem
Was auch zur Wahrheit gehört: Die Eintracht war total verunsichert, wartete seit März 2026 auf einen Heimsieg. In der ersten Hälfte hätte Köln in Führung gehen müssen, doch aus der Überlegenheit wurde nichts gemacht.
Und dann hieß es nach der Pause beim FC wieder: Stecker gezogen! Der FC war plötzlich völlig passiv, überließ Frankfurt den Ball und baute so den Gegner auf. Die Folge: Nach 77 Minuten konnte Ebnoutalib das Tor zum 1:0-Erfolg der Hessen erzielen. Der FC hatte nicht mehr viel entgegenzusetzen.
Unter Trainer Wagner konnte der FC noch kein einziges Spiel ohne Gegentor über die Bühne bringen. Seit mehr als einem Jahr gab es auswärts keinen Sieg mehr. Spätestens jetzt müssen am Geißbockheim alle Alarmglocken klingeln. Man darf sich nicht weiter in die eigene Tasche lügen, denn es ist offensichtlich, dass einige Spieler in der Mannschaft ein Fitnessproblem haben.
Über 90 Minuten konnte der FC noch in keinem Spiel in dieser Saison überzeugen. Es gab zwar immer wieder gute Phasen, aber auch regelmäßige Einbrüche. Und dann kam es zu Unkonzentriertheiten und Fehlern. Hinzu kommen zahlreiche Verletzungen. Allein in dieser Saison fielen schon sechs Spieler aus, weil die Muskulatur nicht mehr mitmachte.
Gerade Mannschaften, die um den Klassenerhalt spielen, müssen mit Kampf und Einsatz überzeugen. Doch dafür fehlt dem FC in entscheidenden Phasen oft die Luft. Die Laufleistungen sind im Vergleich zu früheren Zeiten eingebrochen. Auch in Frankfurt lief die Kölner Mannschaft nur 114 Kilometer und damit knapp drei Kilometer weniger als die Gastgeber. Nationalspieler Said El Mala wurde nach 83 Minuten ausgewechselt, auch weil ihm „die Power“ ausgegangen war.
Hinter den Kulissen gestaltet sich die Situation schwierig und kompliziert. Sportgeschäftsführer Thomas Kessler (40) steht voll hinter dem Trainerteam um René Wagner (38), den Athletiktrainern und der medizinischen Abteilung. Man hat das Gefühl, dass eine Wagenburg aufgebaut wurde, in der man einander schützt.
Zur Aufarbeitung der Muskelseuche sagte Wagner zuletzt: „Natürlich arbeiten wir das intern auf, das sollte aber dann auch unter uns bleiben.“ Die Frage ist, ob man sich mit Kritik konstruktiv auseinandersetzt oder ob man sie als persönlichen Angriff versteht. Fakt ist: Kritik im Leistungssport ist ein elementarer Faktor, um besser zu werden, um sich ständig zu hinterfragen und danach Dinge zu optimieren.
Mit Vizepräsident Ulf Sobek (54) haben die FC-Mitglieder vor einem Jahr Sportkompetenz in den Vorstand gewählt. Der promovierte Sportwissenschaftler war Professor für Bewegungswissenschaft an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement. Er hat die Fußballtrainer A-Lizenz und 30 Trainerqualifikationen in weiteren Bereichen. Ein gutes Gesundheitsmanagement könnte der FC aktuell gut gebrauchen …
Offiziell heißt es, dass Sobek einen Austausch auf Augenhöhe mit der sportlichen Führung pflegt und Unterstützung in allen Bereichen anbietet. Die Frage ist, wie diese Unterstützung in der Realität angenommen wird. Bei vielen im Vereinsumfeld ist die Sorge groß, dass die sportliche Kompetenz aus dem Vorstand eher verpufft oder gar nicht ernst genommen wird.
Eure Noten für die FC-Profis gegen Eintracht Frankfurt
Bewertet hier die Leistungen der Kölner Spieler gegen Eintracht Frankfurt.
Marvin Schwäbe
Trainer Wagner und seine Mitstreiter sind unbestritten absolute Fachleute. Im Umgang mit der Mannschaft wird allerdings sehr auf Harmonie geachtet. Der Trainer sagte schon Sätze wie diesen: „Ich bin dafür da, dass es der Mannschaft gut geht.“ Das bedeutet aber nicht, immer nur nett zu sein.
Richtig gut geht es einer Mannschaft eigentlich immer, wenn sie fit und erfolgreich ist. Um das zu erreichen, muss hart und konsequent gearbeitet werden. Und genau das muss beim FC hinterfragt werden.
In der Länderspielpause gab es beispielsweise fünf freie Tage für die in Köln verbliebenen Spieler. Anstatt an Schwächen zu arbeiten, durften die Profis erst einmal entspannen. Hinter vorgehaltener Hand beklagten sich schon einige Spieler über mangelnde Qualität im Training. Sobek scheint einige Probleme in der Wohlfühloase Geißbockheim erkannt zu haben, konnte aber bis dato nichts bewegen.
Das muss sich schnell ändern. Denn eins ist klar: Der FC hat eine der talentiertesten Mannschaften seit Jahren beisammen. Talent allein reicht aber nicht, um in der Liga zu bestehen. Jetzt müssen die Ärmel hochgekrempelt und Defizite aufgearbeitet werden. Der Coach selbst geht mit Fleiß voran, ist teilweise ab 5 Uhr morgens am Geißbockheim. Jetzt muss er einige Spieler endlich auch mal aus der Komfortzone holen.

