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„Mag vielleicht komisch klingen“FC-Boss Steidten über El Mala & Wirtz-Trauma

Kaderplaner Tim Steidten (1. FC Köln) bei einer Medienrunde in Kitzbühel.

Copyright: IMAGO/Jan Huebner

Kaderplaner Tim Steidten (1. FC Köln) sprach im Trainingslager in Kitzbühel über seine Arbeit.

Seit März 2026 ist Tim Steidten der neue Kaderplaner beim 1. FC Köln. Er arbeitet weitestgehend im Hintergrund. Jetzt gab er im Trainingslager erstmals Einblicke in seine Arbeit.

Der 1. FC Köln hat in dieser Transferphase mit einigen Transfers durchaus überrascht. Was dabei auffällt: Der FC schaut weit über den Tellerrand hinaus und wird immer internationaler. So kamen die WM-Spieler Paul Okon Engstler (21, Mittelfeld) aus Australien und Gideon Mensah (28) aus Ghana oder auch der britische Youngster Reigan Heskey (18) von Manchester City.

Vor allem Heskey hat in der Szene für Aufsehen gesorgt, denn diesen Spieler hätten auch andere Vereine gerne in ihren Reihen gehabt. Hinter den FC-Kulissen ist seit März Tim Steidten als Kaderplaner mitverantwortlich für die Zusammenstellung der Mannschaft.

Tim Steidten geht beim 1. FC Köln neue Wege

Der 47-Jährige war zuletzt bei West Ham United Technischer Direktor, arbeitete zuvor als Sportkoordinator bei Bayer Leverkusen. Dort war er noch als Scoutingchef maßgeblich am Transfer von Florian Wirtz, der vom FC geholt wurde, beteiligt. Am Geißbockheim sorgte das für ein Trauma, nach dem jeder Stein umgedreht wurde, um solch einen Abgang künftig zu vermeiden. Seine Karriere begann Steidten bei Werder Bremen, wo er sich vom Scout zum Sportlichen Leiter hocharbeitete. 

Im Trainingslager in Kitzbühel sprach Steidten erstmals über seine Arbeit in Köln, nachdem er zuvor erst einmal im Hintergrund bleiben und ankommen wollte. Steidten über...

... seine Aufgaben:

„Meine Hauptgebiete sind Scouting und Recruitment, damit bin ich verantwortlich für die Scoutingabteilung und die Kaderzusammenstellung. Wir erarbeiten in enger Abstimmung mit Thomas Kessler und René Wagner Profile für Spieler und machen Vorschläge für den Kader. Den Prozess kann man sich folgendermaßen vorstellen: Wir besprechen mit den beiden, wo wollen wir hin, was wollen wir spielen lassen, wie ist unsere Identität? Daraus ergeben sich dann die Profile und Aufgaben für die Scouting-Abteilung. Natürlich steht unsere Arbeit in der Transferphase im Fokus, aber natürlich beginnt sie viel, viel früher. Worüber wir gerade sprechen, ist das Ergebnis der Arbeit der letzten Wochen und Monate.“

... den Transfer von Paul Okon-Engstler. Wie genau ist das abgelaufen?

„Paul ist ein gutes Beispiel, weil er in Australien gespielt hat. In einer Liga, die man hier in Deutschland vielleicht gar nicht so auf dem Schirm hat. Auf ihn sind wir durch Datenscouting aufmerksam geworden. Wir haben klare Datenprofile, die wir in unsere Datenbanken geben. Im nächsten Schritt schauen wir dann, ob auch das qualitative Niveau passt. Die australische Liga ist nicht mit der Bundesliga vergleichbar. Deshalb sind Live-Eindrücke dann entscheidend, wie zum Beispiel bei der WM. Wenn diese passen, gehen wir in Gespräche.“

... über klassische Zielmärkte?

„Nein, die gibt es nicht mehr. Das können wir uns auch nicht erlauben, wir müssen weltweit denken und können keine Märkte ausschließen. Noch vor ein paar Jahren gab es diese Möglichkeit noch nicht. Und man konnte es sich natürlich finanziell nicht erlauben, permanent um die ganze Welt zu fliegen. Aufgrund des Datenscoutings ist es heutzutage möglich, diesen Blick zu haben und dann gezielt Spieler anzuschauen.“

... ob er ein Türöffner für den englischen Markt ist?

„Das ist natürlich kein Nachteil. Dadurch, dass ich dort gearbeitet habe, habe ich viele Kontakte und es ist einfacher, in Gespräche zu kommen. Aber dieser Markt war auch schon vorher ein Thema beim FC, bereits im Winter kam ja zum Beispiel Jahmai Simpson-Pusey.“

„Für junge Spieler ist Einsatzzeit entscheidend“

... wie man ausgesuchte Spieler dann auch davon überzeugt, zum FC zu kommen:

„Für junge Spieler zum Beispiel sind Einsatzzeiten entscheidend. Die Voraussetzung dafür ist, dass wir ein Umfeld haben, das das auch zulässt. Junge Spieler zu entwickeln, bedeutet auch, Fehler machen zu dürfen, und setzt das Verständnis voraus, dass es möglicherweise Zeit braucht. Deswegen ist das Argument bei jungen Spielern immer, dass du ihnen Spielzeit gibst. Bei erfahrenen Spielern, wie zum Beispiel bei Gideon Mensah wussten wir, dass er auf Tradition, auf Fans, auf Emotionen Bock hat. Das war ein wichtiger Faktor, warum er sich für den FC entschieden hat.“

...den Umgang mit Flops:

„Wir werden nicht perfekt sein. Es wird auch Spieler geben, die nicht so funktionieren, wie wir es uns vorstellen. Damit werden wir ehrlich umgehen – damit wir daraus lernen.“

... ob ein Abgang wie der von Florian Wirtz in Köln nochmals passieren könnte. War es ein Leverkusener Geniemove oder war es ein Kölner Fehler?

„Das ist schwer zu sagen, weil ich zur damaligen Zeit keine Einblicke in die Entscheidungsfindung der Kölner hatte. In meinen Augen, von außen betrachtet, war es aber kein Fehler.“

...weitere Transfers in diesem Sommer:

„Wir werden noch etwas machen, das ist klar. Dazu bin ich in engem Austausch mit Thomas Kessler und René Wagner.“

... die Situation von Said El Mala:

„Das mag vielleicht komisch klingen, aber das ist bei uns gar nicht so ein großes Thema. Wir sind da absolut entspannt. Said ist Spieler des 1. FC Köln und er fühlt sich sehr wohl – und wir fühlen uns genauso wohl mit Said, insofern gibt es aktuell auch überhaupt keinen Grund, über etwas anderes zu sprechen.“

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