„Das ist ein Missverständnis“ Bundesnetzagentur warnt die Deutschen vor Dezember

Der Winter ist kalt, die Deutschen drehen ihre Heizungen wieder auf. Dabei sollte dringend der Gasverbrauch eingespart werden. Jetzt warnt die Bundesnetzagentur – auch vor einem teuren Missverständnis im Dezember.

Der Winter nimmt allmählich Anlauf in Deutschland, die vergangenen Tage waren bereits kühl, an vielen Orten ist Schnee gefallen. Viele drehen deshalb aktuell die Heizung auf – das macht sich auch beim deutschlandweiten Gasverbrauch bemerkbar. 

Zuletzt wurde viel weniger Gas eingespart, als es eigentlich erforderlich wäre, um gut durch die kalte Jahreszeit zu kommen. Müssen wir uns also Sorgen machen, wenn der Winter kalt wird? Der Chef der Bundesnetzagentur spricht eine klare Mahnung aus – und warnt vor einem teuren Missverständnis, dem viele Verbraucherinnen und Verbraucher im Dezember nun erliegen könnten. 

Heizen: Gasspeicher sind gut gefüllt –„müssen aber wachsam bleiben“

Die gute Nachricht nennt der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, im Interview mit dem „Tagesspiegel“ vorweg: Angst vor dem Winter sollten wir uns keine machen, trotz der Energiekrise. „Wir sind heute deutlich besser vorbereitet als im Sommer“, sagt er. „Wir bekommen jetzt Gas aus verschiedenen Quellen, wir haben bald drei Terminals für Flüssiggas, aus Norwegen und Holland, über Belgien und auch über Frankreich werden wir gut beliefert.“ Nicht nur Verbraucherinnen und Verbraucher, auch die Industrie in Deutschland verbrauche insgesamt weniger Gas als 2021.

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Auch die Gasspeicher seien aktuell gut gefüllt, habe einen Höchststand von 95 Prozent erreicht. Anfang Februar sollten sie noch zu 40 Prozent gefüllt sein. Müller mahnt auch: „Wir müssen aber wachsam bleiben.“

Denn: Bei den derzeitigen kühlen Temperaturen drehen die Deutschen ihre Heizungen mehr und mehr auf, aktuell liegen die Einsparungen nur noch bei 13 Prozent. Die Bundesnetzagentur aber sagt, Verbraucherinnen und Verbraucher müssten insgesamt 20 Prozent beim gesamten Gasverbrauch einsparen, damit Deutschland gut durch die kalte Jahreszeit kommt. „Wenn das ein Ausreißer bleibt, muss uns das noch nicht beunruhigen. In den nächsten Tagen wird es aber kalt bleiben. Es ist deswegen wichtig, dass wir mit den Sparanstrengungen nicht nachlassen und den ganzen Winter durchhalten“, mahnt Müller. 

Gasverbrauch: Ein großes Risiko bleibt für den Winter

Er sehe vor allem ein Risiko: einen bitterkalten Winter und eine Kältewelle, die länger andauert. „Bei Temperaturen von minus zehn Grad schießt der Gasverbrauch in die Höhe.“ Einige der deutschen Nachbarn würden jetzt schon anfangen, mehr Gas aus ihren Speichern zu entnehmen als Deutschland. 

Der Chef der Bundesnetzagentur warnt zudem vor einem teuren Missverständnis, dem einige Deutsche erliegen könnten: Dass der Staat im Dezember die Rechnung für Gas oder Fernwärme zahlt – und man sich es daher über Weihnachten noch einmal schön warm und kuschelig machen könnte.

Heizen: Bundesnetzagentur warnt vor Missverständnis im Dezember

Doch das ist nicht der Fall, macht Müller klar. Der Staat übernehme nur die Vorauszahlung für Dezember. „Das ist etwas anderes“, stellt Müller klar. „Der Staat finanziert einen Abschlag, der auf Werten aus der Vergangenheit beruht, es geht nicht um den aktuellen Verbrauch. Wer im Dezember Energie spart und weniger verbraucht als im Jahresdurchschnitt, spart bares Geld.“

Wer hingegen mehr verbraucht, müsse mit deutlich höheren Kosten rechnen. „Und muss damit leben, dass andere umso mehr sparen müssen, damit wir alle gut über den Winter kommen“, so Müller. Er erwarte zudem, dass die Versorger sowie Vermieterinnen und Vermieter richtig abrechnen. Und dass die Berechnungen korrekt aufgeschlüsselt und ausreichend erklärt werden. 

Blackout? Wie groß ist die Gefahr, wenn alle mit Heizlüfter heizen?

Und was ist mit der Gefahr eines Blackouts, etwa wenn die Deutschen ihre Heizlüfter anwerfen, um notfalls mit Strom zu heizen? Die sieht Müller nicht. „Die Bundesregierung hat im Sommer einen verschärften Stresstest durchgeführt, um die Gefahr eines Zusammenbruchs des Stromnetzes zu untersuchen. Schon da war klar, dass Krisensituationen und Extremszenarien sehr unwahrscheinlich sind.“ 

Gaskraftwerke bekämen demnach genug Gas, um Strom zu erzeugen, auch Heizlüfter seien kein Problem. Zwar seien sie massiv gekauft worden, aber: „Die Geräte werden nicht eingeschaltet. Sie stehen im Keller.“ Im November sei es vorübergehend kalt geworden, da hätte man bereits auf die „dumme und teure Idee“ kommen können, statt mit Gas mit Strom zu heizen, so Müller. „Zum Glück hat das kaum jemand gemacht.“

Dennoch bestehe ein anderes Risiko, nämlich die aktuelle Situation in Frankreich. „Die französischen Atomkraftwerke haben derzeit Probleme und produzieren deutlich weniger Strom als üblich. Der französische Atomstrom fehlt im europäischen Netz.“ Das führt dazu, dass Deutschland Frankreich mit Strom aus den eigenen Kohle- und Gaskraftwerken beliefern muss und den drei AKW, die weiter laufen. „Jetzt zeigt sich, dass die Laufzeitverlängerung eine verantwortungsbewusste Entscheidung war.“ 

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