Das erste Prost im neuen Jahr: Na, da schlägt es prickelnd Mitternacht! Wir servieren prickelnde Fakten zur französischen „Luxus-Brause“.
Zum Angeben beim ZuprostenZwölf prickelnde Champagner-Geheimnisse

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Drei Damen in Champagnerlaune: Das Luxusgetränk aus Frankreich krönt so manches Fest.
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Er ist das festlichste aller Getränke. Ploppt sein Korken, dann haben wir in der Regel etwas richtig zu feiern. Zum Beispiel den Beginn des neuen Jahres. Champagner hat das besondere Prickeln, steht für Prestige, Perfektion, Luxus – und auch diesen Hauch von Dekadenz.
Doch was steckt hinter den fein perlenden Bläschen? Und was macht ihn so anders als schnöden Sekt? Wir verraten hier zwölf Geheimnisse rund um den König der Schaumweine.
1. Ein Mönch perfektionierte die prickelnde Wein-Entdeckung
Wer genau den Champagner erfand, ist unbekannt. In seiner heutigen Form entscheidend prägte ihn aber Benediktiner-Mönch Dom Pérignon (1638-1715). Als er das Produkt seiner Gärung in der Flasche kostete, soll er gerufen haben: „Brüder, kommt schnell, ich trinke Sterne!“ Das Champagner-Haus Moët & Chandon ehrt den Mönch seit 1936 mit luxuriösen Jahrgangs-Champagnern unter dem Namen Dom Pérignon.
2. Die gläserne Frage: Tulpe vor Schale und Flöte
Woraus trinkt man den edlen Tropfen? Für den Genuss ist das Tulpenglas am empfehlenswertesten – einem Weinglas sehr ähnlich – mit mittigem „Bauch“, aber insgesamt schmaler. Durch die im Vergleich zur Sektflöte größere Öffnung können sich Aromen besser entfalten. Bei einer Sektschale ist die Öffnung wiederum zu groß.
3. Welche Temperatur muss Champagner eigentlich haben?
Champagner schmeckt am besten bei 8 bis 10 Grad, also nicht ganz eiskalt. Gereiftere Champagner sollten sogar bei 10 bis 12 Grad serviert werden, um ihr volles Potenzial zu entfalten. Stilecht serviert man ihn, indem man die Flasche mit der rechten Hand am Boden festhält und das Getränk in ein Glas in der linken Hand gießt.
4. Was macht Champagner so teuer?
Für die Produktion gibt es strenge Regeln. Wichtig: Alle Trauben müssen aus der Champagne stammen. Die Lese erfolgt ausschließlich von Hand, damit auch wirklich nur gesunde Trauben verwendet werden, die auch genau den richtigen Reifepunkt haben. Das erkennt keine Maschine. Die Trauben müssen auch sofort gepresst werden – Champagner muss nach der traditionellen Methode hergestellt werden – der „méthode champenoise“. Hefe wandelt Zucker in Alkohol, als Nebenprodukt entsteht Kohlensäure.
Das Besondere bei Champagner: Es gibt eine zweite Gärung direkt in der Flasche durch eine weitere Zucker-Hefe-Lösung. Und ein Champagner muss reifen, mindestens fünfzehn Monate (die meisten reifen aber zwei bis drei Jahre, Jahrgangschampagner sogar in der Regel vier bis zehn Jahre). Schlägt sich alles im Preis nieder, aber eben auch im Geschmack.
5. Das große „Plopp“ – und es darf „gepanscht“ werden
Die Hefe muss natürlich nach der Gärung aus der Flasche, sonst wäre Champagner ja trüb. Das passiert beim Degorgieren. Der Flaschenhals mit dem Hefesatz wird im Eisbad (minus 20 Grad) eingefroren, der Kronkorken entfernt und der Eispfropfen schießt dank des Flascheninnendrucks heraus. Danach wird mit einer Mischung aus Wein und Zucker aufgefüllt. Dosage nennt man das Verfahren. Die Zuckermenge des Dosage-Likörs bestimmt den Süßegrad. Wenn der Zuckergehalt weniger als drei Gramm pro Liter Wein beträgt und kein Zucker zugesetzt wurde, wird er als „brut nature“ bezeichnet.
6. Durchblick: Was bedeuten die ganzen speziellen Begriffe?
Brut Nature, Extra Brut, Brut, Extra Dry (auch bekannt als Extra Sec), Dry (Sec), Demi Sec, Doux – das bezeichnet die Zuckergehalte vom geringsten zum höchsten. Die meisten Champagner fallen in die Kategorie brut. Ein weiterer Begriff ist Cru. Er bezeichnet das Qualitätssystem für die Lagen der Weinberge. An der Spitze stehen 17 Grand-Cru-Lagen (mit einer Qualitätsbewertung von 100 Prozent), gefolgt von 41 Premier-Cru-Lagen (90-99 Prozent) und allen anderen Lagen (mit Bewertungen zwischen 80-89 Prozent).
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7. Welche Trauben nimmt man für Champagner
Champagner ist ein Verschnittwein, es können also mehrere Rebsorten verwendet werden. Die drei am häufigsten verwendeten sind Chardonnay (weiß), Pinot Noir und Pinot Meunier (beide rot). Daneben gibt es noch Arbane, Petit Meslier, Pinot Blanc und Pinot Gris. Champagner ist der einzige französische Wein, der aus einer Mischung aus roten und weißen Trauben hergestellt werden darf. Das Ergebnis kann weiß ausfallen oder rosé. Champagner, der aus 100 Prozent Chardonnay hergestellt wird, heißt Blanc de Blancs.

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Edles Getränk in edler Schale: eine Flasche Champagner aus dem Hause Moët & Chandon.
8. Es muss nicht immer teuer sein: günstigere Alternativen
Die Machart des Champagners wird kopiert, diese Produkte dürfen sich aber nicht Champagner nennen. Aber: Spanischer Cava, italienischer Franciacorta und Crémant (z. B. aus anderen Regionen Frankreichs oder Luxemburg) werden ebenfalls nach der klassischen Flaschengärung hergestellt. Allerdings ist der Geschmack nicht der Gleiche wie beim Champagner.
9. Die größten Produzenten und bekanntesten Namen
2024 lag der weltweite Absatz von Champagner bei 271,7 Millionen Flaschen, ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr um 9,2 Prozent (2025 wird es wohl einen weiteren Rückgang geben). Das Geld für Luxusprodukte sitzt eben nicht mehr so locker. Die Exporte sorgten mit 153,4 Millionen Flaschen (Vorjahr: 172,0 Millionen) für 56,5 Prozent des weltweiten Absatzes 2024, so das Comité Champagne. Zu den größten Champagnerhäusern zählen Moët & Chandon, Veuve Clicquot, Ruinart, Krug und Mercier (alle heute Teil des Luxusgüter-Konzerns LVMH).

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Die Statue des Mönchs Dom Perignon vor dem Stammhaus von Moet et Chandon in Frankreich.
Dom Pérignon wird als Marke von Moët & Chandon geführt, sie geht auf den Erfinder des heutigen Champagners zurück, diese Flaschen werden nur in besonders guten Jahren hergestellt. Große Namen im Champagnerbusiness sind außerdem Vranken-Pommery Monopole mit Marken wie Pommery und Heidsiek & Co. Monopole sowie die unabhängigen Häuser Taittinger, Pol Roger (Churchills Lieblingsmarke, gilt als britischster Champagner), Nicolas Feuillatte, Louis Roederer, Bollinger und Laurent-Perrier. Daneben gibt es viele kleine Häuser, deren Champagner man unbedingt mal kosten sollte. Sie sind oft auch günstiger.
10. Die Heimat des Champagners
Die Champagne ist eine Provinz im Nordosten Frankreichs, seit dem 17. Jahrhundert wird dort gekeltert, Weinbau gibt es schon seit der Römerzeit. Heute wird auf rund 34.000 Hektar Wein angebaut. Das Gebiet wurde am 22. Juli 1927 festgelegt, es dehnt sich über 150 Kilometer aus. In den „Terroirs“ sind nicht nur Mikroklimate, sondern auch die Bodentypen sehr unterschiedlich, das verleiht dem Champagner jeweils einen anderen Geschmack. Die größten Kellereien befinden sich in Reims und Épernay, als Herz des Weinbaugebietes mit den besten Lagen gelten aber die Regionen Verzenay und Bouzy-Ambonnay in der Montagne de Reims, die Côte des Blancs mit Orten wie Avize und Oger sowie das Grande Vallée de la Marne um Aÿ. Hier liegen alle Grand Cru-Weinbaugemeinden.
Lagerung: Gerüttelt, nicht geschüttelt!
Während der Reifung auf der Hefe müssen die Flaschen gerüttelt (leicht gedreht und in ihrer Achse von der horizontalen in die vertikale Position) werden, entweder manuell oder mechanisch – ein Vorgang, der als „Remuage“ bezeichnet wird. So wandert die Hefe in den Flaschenhals. Das Rütteln erfordert Zeit und ganz viel Erfahrung. Zwar geht es heute auch mithilfe von Maschinen, viele Häuser halten aber an der traditionellen Methode per Hand fest. Der Prozess kann sich über etwa acht Wochen erstrecken. Jahrgangschampagner hat eine Jahreszahl auf der Flasche, die anzeigt, dass die Trauben aus einem bestimmten Jahrgang stammen. Nicht-Jahrgangschampagner – oft auch als Non-Vintage bezeichnet – haben keine Jahreszahl aufgedruckt, da sie aus einer Mischung aus Trauben mehrerer Jahrgänge hergestellt wurden. Prestige Cuvée ist der jeweils der hochwertigste und teuerste im Sortiment eines jeden Champagner-Hauses.

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Ein klassisches „Rüttelbrett“ für Champagner. Das Verfahren erfordert Fingerspitzengefühl und Erfahrung.
Sie haben den edlen Tropfen vielleicht zu Weihnachten geschenkt bekommen und wollen ihn für einen besonderen Moment aufbewahren? Aber wie geht die Lagerung daheim? Wichtig zu wissen: Champagner mag es ruhig, kühl und dunkel. Und er wird immer stehend aufbewahrt, damit der Korken nicht zu sehr durchfeuchtet, sonst droht Oxidation und die schadet dem Geschmack. Allerdings sollte man die Flasche ab und an mal für eine kurze Zeit hinlegen, damit der Korken auch nicht zu trocken wird. Champagner ist halt eine Diva.
12. Eine der teuersten Straßen der Welt
Champagner muss gelagert werden, das geschieht in gigantischen Kellern der Champagnerhäuser. Dort liegen Milliardenbeträge, an der Oberfläche sieht man davon nichts. Das berühmte Haus Veuve Clicquot in Reims besitzt zum Beispiel ein 24 Kilometer langes Kellerlabyrinth. Bei frischen 12 Grad lagern hier Millionen von Flaschen 20 Meter unter der Erde.

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Sieht unscheinbar aus, unter ihre allerdings lagern prickelnde Millionenwerte: die Avenue de Champagne im französischen Épernay.
Die Avenue de Champagne in Épernay wird auch als „Champagner-Champs-Élysées“ bezeichnet, unter der ca. einen Kilometer langen Straße, die gesäumt ist von prächtigen Schlössern und Anwesen der großen Champagnerhäuser, liegt ein 110-Kilometer (!) großes Labyrinth von Kellern, das man teilweise mit unterirdischen Bahnen durchqueren muss, sonst wären die Wege zu weit. Seit 2015 gehört die Avenue zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist eine Hauptattraktion für Touristen, die Weinproben und Besichtigungen der historischen Häuser vornehmen können. Seit 1995 ist die gesamte Champagnerstraße (also dort, wo die Reben angebaut werden) entlang des Marnetals bis zu den Städten Épernay, Reims, Sézanne und Côte des Bar UNESCO-Weltkulturerbe. Und ein Besuch lohnt sich für alle, die gutes Essen und Champagner lieben.
Porn Star Martini – der ultimative Champagner-Cocktail
Den edlen Champagner noch mit anderen Zutaten strecken? Für manche ein echter Frevel, aber Champagnercocktails haben eben auch viele Liebhaber – und sie haben eine lange Tradition. Außerdem geht, was schmeckt. Der Porn Star Martini beispielsweise ist einer der derzeit angesagtesten Cocktails, der allerdings schon 2002 vom ghanaischen Barkeeper Douglas Ankrah in London erfunden wurde. Und so mixt man ihn:
- 4 cl Vanille-Wodka
- 4 cl Passionsfruchtlikör
- 1 cl Vanillesirup
- Saft von 1/2 Limette
- 2 Passionsfrüchte
- 4 cl Champagner (oder Prosecco)
Fruchtfleisch der Passionsfrüchte mit Wodka, Passionsfruchtlikör, Sirup und Limettensaft auf Eis im Shaker schütteln, in Cocktailschale abseihen. Der Champagner wird separat dazugereicht und abwechselnd mit dem süßen Drink getrunken.

