Wer prickelnde Erfahrungen für alle Sinne machen möchte, sollte der Champagne einen Besuch abstatten. Es lohnt sich!
Edlen Tropfen auf der SpurNobel unterwegs in der Champagne

Copyright: Marie Schäfers
Das Château Comtesse Lafond ist so pittoresk, dass es fast schon zu kitschig wirkt. Die Führung hier lohnt sich nicht nur wegen des Champagners, sondern weil man das Anwesen komplett bestaunen darf.
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Champagner, die sündhaft teure „Prickelbrause“, steht für Dekadenz pur. Muss ja alles wahnsinnig teuer sein, wenn man in die Wiege des Champagners fährt, denkt man. Überraschung: Ist es aber gar nicht zwangsläufig. In der Champagne kann man wunderbar ein verlängertes Wochenende verbringen, ohne Unsummen auszugeben. Und sogar dabei den ein oder anderen Champagner schlürfen, wunderbar essen und viel lernen.
Jetzt nicht sofort aufhören zu lesen, wenn man denkt: „Ach, Champagner mag ich gar nicht so gerne. Ich weiß nicht, was da immer alle dran finden!“ Gerade dann lohnt sich ein Ausflug, weil die Varianz an verschiedenen Champagnern so groß ist, dass Ihnen bestimmt einer gut schmeckt. Sie kennen ihn nur noch nicht. Aber ein Gläschen sollten sie schon bereit sein zu trinken, sonst lohnt der Ausflug nicht. Ist also eher was für einen romantischen Ausflug als Paare oder eine nette Tour mit Freunden als für einen Familientrip mit Kindern.
- Touren durch die Champagnerhäuser: Große Namen, kleine Betriebe, in der Champagne (Schaumwein darf sich nur Champagner nennen, wenn er von hier kommt und nach spezieller traditioneller Methoden hergestellt wurde) gibt es alles. Und es ist ganz wichtig, dass man auch den kleinen Betrieben, die gar nichts exportieren, eine Chance gibt. Einfach hinfahren, kosten und auch mal erstaunt sein, das die Flasche unter 20 Euro kostet, aber schmeckt wie 200 Euro. Wir mochten z. B. „Bouché Père et fils“ sehr gerne. Aber: Auch bei einem der großen Namen wie Moët & Chandon oder Mercier vorbeischauen. Deren Keller besucht man mit unterirdischen Zügen, weil die Lager so gigantisch sind. In den Kellern unter der Avenue de Champagne lagern auf 110 Kilometern insgesamt rund 200 Millionen Flaschen. Kosten der Touren: zwischen 30 und 80 Euro pro Person. Nicht günstig, dafür bekommt man auch einige edle Tropfen zu kosten, die sonst viel stärker zu Buche schlagen würden.

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Champagne Épernay und Umgebung ..für Reiseseite Sonntag-EXPRESS Champagne
- Romantiktipp: Tasting und Kellerbesichtigung bei Domaine Comtesse Lafond (mittelgroßer Produzent, 50 Euro pro Person). Highlight hier ist nicht nur die Verkostung mit einigen Vintage-Tropfen, sondern die inkludierte Besichtigung des kleinen Schlosses, das die Firma vor dem Abriss gerettet hat. Heute kann man es für Events mieten (wenn man das nötige Kleingeld hat). Bei der Tour darf man auch in den beeindruckenden Partykeller und zumindest davon träumen, hier ein rauschendes Fest zu feiern.
- Unbedingt machen: Das Champagnermuseum besuchen (ab 13. Mai im Angebot für 6,50 Euro statt 10 Euro Eintritt), am besten noch vor dem ersten Champagnerkellerbesuch, damit man versteht, was dieses Getränk so besonders und teuer macht. Es gibt auch interaktive Elemente, es ist also kurzweilig. Danach über die Avenue de Champagne schlendern und die Architektur bestaunen. Und am nächsten Tag in die Weinberge mit dem Leihrad düsen, vielleicht dort ein romantisches Picknick machen. Wichtig ist hier nur stets: Alles entschleunigt angehen. So eine Genießerregion will genossen werden. Es geht nicht darum, von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten zu jagen, sondern sich selbst den größten (und kostenlosen) Luxus zu gönnen: Zeit.

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Die Avenue de Champagne mit den eindrucksvollen Domizilen der großen Prickel-Produzenten.
- Übernachten: Wer sich nobel betten will, kann im „La Briqueterie & Spa“ in Vinay (ca. 10 Minuten von Épernay entfernt) einkehren (5 Sterne, aber in der Nebensaison gibt es Angebote ab 180 Euro im Doppelzimmer, auch die Angebote mit Dinner beachten, die oft günstiger sind). Nette Zimmer mit historischem Charme, wunderschöner Garten, tolles Restaurant. Nur der Wellnessbereich schwächelt. Es gibt aber auch einfachere Herbergen für weniger Geld (ab 60 Euro/ Nacht), auch wunderbar romantisch.
- Essen und Trinken: Die Dekadenz stoppt hier nicht beim Trinken (es gibt sogar ganze Champagnerbegleitungen zu Menüs, die Weine sind aber auch nicht schlecht). Von Austern bis Gänseleber ist alles da, was das Gourmetherz begehrt. Aber: Die traditionelle Küche der Champagne ist deftig, mit Weißwürsten mit Trüffel, Schweinefüßen in Brühe, Kartoffelaufläufen und Kuttelwürsten aus Troyes. Sich einfach mal was trauen, was zunächst wenig appetitlich klingen mag, aber tatsächlich köstlich ist. Keine Angst, auch Kostverächter solch „nischiger“ Gerichte kommen in der Champagne auf ihre Kosten.

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Das „La Briqueterie & Spa“ in Vinay. Zimmer und Küche überzeugen, der Wellnessbereich leider nicht so.
- Souvenirs: Klar, Champagner ist ein Muss, so günstig bekommt man ihn nirgendwo sonst. Biskuits und Schokolade kann man auch einpacken, ebenso wie den würzigen Weichkäse Langres (aber gut verpackt, sonst müffelt das ganze Auto). Und Champagnergläser sollte man auch kaufen, die edlen Tropfen daheim bloß nicht aus Sektschalen von Oma trinken, das wäre nicht stilecht und ein bisschen ein Frevel. Champagner genießt man am besten aus der Tulpe, mit leichter Wölbung unten und dann zulaufend wie eine Flöte. Darin entfaltet sich das Aroma am besten, sagen die Experten. Hübsch sehen sie sowieso aus.

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Wer mag, kann bei einer Führung lernen, wie man eine Flasche mit dem Säbel öffnet.
- Das nervt: Die ewige (aber wichtige) Frage – wer ist heute der Fahrer/die Fahrerin, wenn es zur Champagnerverkostung geht? Einfach eine Tour mit Abholung vom Hotel buchen oder ein Taxi nehmen – oder durch die schöne Landschaft zurückwandern.
- Das bleibt: Die Erkenntnis, das man sich Champagner auch mal so an einem besonders schönen Tag schmecken lassen kann – und nicht nur zu Silvester oder am Valentinstag (wir hoffen mal, der wurde im Karnevalstrubel nicht vergessen).
Genießen in der Champagne: So komme ich hin
Nach Épernay dauert die Anreise aus dem Rheinland mit dem Auto ca. 4,5 Stunden. Mit dem Zug kann mit Eurostar über Paris und weiter mit der Regionalbahn TER Grand Est nach Épernay reisen (dauert 5,5 Stunden und kostet ca. 72 Euro oneway).
Auto ist praktischer, einfach weil man viel mehr der regionalen Köstlichkeiten der Champagne mir nach Hause nehmen kann. Tipp: Kühltaschen mitnehmen, in den großen Supermärkten in Frankreich gibt es so viele frische und tiefgekühlte Leckereien, da will man auf jeden Fall viel von einpacken.


