Vor Gericht wird es emotional: Am vierten Prozesstag kommt eine zentrale Zeugin zu Wort und schildert ihre Version der Ereignisse.
Prozess gegen Mette-Marit-SohnZeugin schildert schockierende Details aus Horror-Nacht

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Marius Borg Høiby muss sich aktuell vor Gericht verantworten. (Archivbild)
Aktualisiert
Am vierten Verhandlungstag im Prozess gegen Marius Borg Høiby ging es um den gravierendsten der insgesamt 38 Vorwürfe. Wie die norwegische Zeitung „VG“ berichtet, stand eine angebliche Vergewaltigung in der Nacht auf den 8. Oktober 2023 auf den Lofoten im Zentrum der Verhandlung. Die Anklagebehörde vermutet, dass nach anfänglich konsensualem Sex sexuelle Handlungen stattgefunden haben sollen, als die mutmaßliche Geschädigte schlief.
Die Zeugin, von den Medien als „Lofoten-Frau“ anonymisiert, gab an, sie habe erst im Nachhinein verstanden, was passiert war. Das Verfahren gegen den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit läuft unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Die Öffentlichkeit ist teilweise nicht zugelassen und das Fotografieren ist untersagt.
Zeugin berichtet von Schock, Schmerz und fehlendem Einverständnis
Die Zeugin beschrieb laut „VG“ am Vormittag ausführlich die Nacht mit dem Beschuldigten. Sie gab an, dass es zuerst zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr kam. Allerdings sei Marius Borg Høiby danach mehrmals wiedergekommen und habe sie aus dem Schlaf gerissen.

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Marius Borg Høiby darf während der Verhandlung nicht fotografiert werden.
In einer dieser Situationen habe sie einen „kleinen Schock“ erlitten, weil der Geschlechtsverkehr ohne vorherige Übereinkunft angefangen habe. Sie habe Schmerzen empfunden und sei körperlich nicht bereit dafür gewesen. Auf eine Frage der Verteidigung hin gab sie zu, beim letzten Mal nichts gesagt zu haben. Sie betonte aber, dass dies nicht freiwillig geschehen sei und sie sich nicht habe äußern können.
Brisantes Video und verdrängte Erinnerungen im Fokus
Am vierten Verhandlungstag wurde hinter verschlossenen Türen außerdem ein Video vorgeführt. Høiby soll es in der besagten Nacht vom Bauch der Frau gefilmt haben. Die mutmaßliche Geschädigte sagte, sie habe einer solchen Aufnahme nie zugestimmt. Erst während der polizeilichen Vernehmung habe sie das Geschehen komplett realisiert, da sie die Erinnerung bewusst oder unbewusst verdrängt hatte.

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Der Gerichtssaal für Marius Borg Høiby.
Später sagte Marius Borg Høiby aus, er habe keine Erinnerung an das Video. Er wisse auch nicht, ob die Frau darauf zu sehen war, wie sie schlief oder wach war. Er unterstrich aber erneut, dass er nichts unternommen habe, während sie schlief.
Angeklagter weist Vorwürfe zurück: Seine Sicht der Dinge
Am Nachmittag äußerte sich Marius Borg Høiby persönlich zu den Anschuldigungen. Der 29-Jährige erklärte, es sei für ihn „unglaublich unangenehm“, hier vor Gericht zu sein. Er sagte, er könne sich nicht vorstellen, inwiefern sein Verhalten falsch gewesen sein soll. Aus seiner Perspektive habe es zu keinem Zeitpunkt ein „Nein“ oder eine Zurückweisung gegeben.
Er gestand, dass er auch frühere Partnerinnen im Schlaf berührt habe, betonte aber, dass dies nie ein Problem dargestellt habe. Die Anklage konterte, dass vorherige Vereinbarungen nicht einfach auf die fragliche Nacht übertragen werden könnten. Der Prozess gegen Marius Borg Høiby wird in den kommenden Tagen mit weiteren Vernehmungen von Zeugen und Zeuginnen fortgesetzt. (jag)

