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Sternekoch für 7 FrankenAuf diesem Festival im Tessin gibt es Sterneküche zum Spottpreis

Wasserfall bei Foroglio im Val Bavona

Copyright: Alessio Pizzicannella/Ticino Turismo/dpa-tmn

Ein Gefühl wie im Dschungel: Wanderer im Val Bavona.

Tessin: Zwischen Hollywood-Glamour und Kinder-Sklaverei.

Am Lago Maggiore prallen Gegensätze aufeinander: laute Sportflitzer gegen stille Bergbäche. Daniel Schälli, Hotel-Profi und begeisterter Radsportler, ist in beiden Welten zu Hause. Er schätzt den Trubel am Seeufer, wo er bereits Hollywood-Prominenz empfing, genauso wie die vollkommene Abgeschiedenheit der einsamen Täler.

Wenn im Sommer das Musik-Event „Moon & Stars“ und das Filmfest die Reichen und Berühmten anziehen, sind die edlen Herbergen in Locarno und Ascona komplett ausgebucht. „Während der Events hatte ich schon Hollywood-Stars wie Meg Ryan und Oscar-Preisträgerin Hillary Swank oder den italienischen Sänger Eros Ramazzotti zu Gast“, verrät Schälli. Dann ist am See die Hölle los, und die Touristenschiffe manövrieren hupend zwischen Tretbooten und schnellen Yachten.

Stadt Ascona im schweizerischen Tessin

Copyright: Bernhard Krieger/dpa-tmn

Das schweizerische Ascona liegt am Ufer des Lago Maggiore, durch den die Grenze zu Italien verläuft.

Instagram-Hotspot mit Tücken

Sogar in den Tälern ist dann viel los. Im Verzascatal bilden sich lange Autoschlangen – das Ziel aller ist die bekannte „Ponte dei Salti“. Die historische Steinbrücke aus dem 17. Jahrhundert spannt sich elegant über den türkis leuchtenden Fluss Verzasca. Ein perfektes Fotomotiv, das bei Instagram viral geht. Aber Achtung: Die reißende Strömung hat sich tief in den Granit gegraben und sollte nicht unterschätzt werden.

Ponte dei Salti über den Fluss Verzasca in Lavertezzo

Copyright: Alessio Pizzicannella/Ticino Turismo/dpa-tmn

Könnte man von Instagram kennen: die Ponte dei Salti über dem Fluss Verzasca.

Daniel Schälli bevorzugt für seine Rad-Ausflüge das stillere Valle Maggia. Er tritt in die Pedale bis nach Bignasco und klettert dann hinauf ins schmale Val Bavona. „Die Anstrengung lohnt sich, da die Natur einfach traumhaft ist“, sagt er begeistert. Unterwegs zum 108 Meter hohen Wasserfall bei Foroglio wähnt man sich fast in einem Urwald. Hier, im Ort Peccia, kann man sogar Kreativen in einer Bildhauerschule zuschauen, wie sie mit Marmor und Granit aus der Region arbeiten.

Das dunkle Geheimnis der Kinder-Sklaven

In den Tälern werden zunehmend mehr baufällige Steinhäuser, die sogenannten Rustici, für erholungssuchende Städter renoviert. In Corippo wurde sogar das erste „Albergo diffuso“ (verteiltes Hotel) des Kantons ins Leben gerufen: Die Rezeption befindet sich im zentralen Gebäude, die Gästezimmer sind in den Gassen des Ortes verstreut. Auf diese Weise wird fast ausgestorbenen Dörfern neues Leben eingehaucht.

Doch diese Postkarten-Idylle hat eine entsetzliche Vergangenheit. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts herrschte hier so große Not, dass Familien ihre eigenen Söhne verkaufen mussten. Die Jungen, oft nur acht bis zwölf Jahre alt, wurden für wenig Geld als „lebende Besen“ an Schornsteinfeger nach Norditalien verschachert. An diese versklavten „Spazzacamini“ erinnert heute ein Museum im nahegelegenen Santa Maria Maggiore. Erst der Tourismus, der mit dem Gotthard-Tunnel von 1882 einsetzte, brachte der Gegend allmählich einen gewissen Wohlstand.

Corippo im Tessin

Copyright: Skyscoop/Ticino Turismo/dpa-tmn

In Corippo im Tal der Verzasca entstand das erste «Albergo diffuso» des Kantons: Das «aufgeteilte Hotel» verteilt sich über mehrere Häuser im Dorf.

Gourmet-Häppchen für Kleingeld

Heutzutage treffen das Rustikale und das Luxuriöse nirgends schöner aufeinander als beim Genuss-Festival „Mercato del Gusto“ in Ascona. An jedem ersten Sonntag im Juni kann man hier kosten, was das Tessin so lecker macht: Wein, Käse, Risotto, Nudeln und unzählige weitere Spezialitäten von lokalen Herstellern.

Produkte auf dem Mercato del Gusto

Copyright: Bernhard Krieger/dpa-tmn

Beim Mercato del Gusto bieten kleine Produzenten vieles, was das Tessin für Genießer so einladend macht: Wein, Käse, Honig, Marmeladen, Pilze, Pasta, Risotto, Fisch- und Wild-Spezialitäten.

Der absolute Höhepunkt sind jedoch die Stände der Spitzenköche, die von Gastgeber Mattias Roock eingeladen werden. Der Deutsche ist selbst Sternekoch und kocht im „Castello del Sole“. Zum Festival erscheinen aber auch Kaliber wie der Drei-Sterne-Koch Andreas Caminada. Für ein Foto mit dem Schweizer Küchen-Gott stehen die Menschen geduldig an.

Sternekoch Mattias Roock

Copyright: Bernhard Krieger/dpa-tmn

Gastgeber beim Mercato del Gusto: Sternekoch Mattias Roock.

Der Hammer: Während ein Menü bei einem Sternekoch oft ein Vermögen kostet, ist der Zugang zum Mercato del Gusto kostenlos. Jede Kostprobe von den Meisterköchen gibt es für schlappe sieben Franken (ungefähr 7,60 Euro). „Es ist doch schön, wenn jeder es sich leisten kann, einmal Gerichte dieser Köche zu probieren“, sagt Roock dazu.

Das Tessin ist von Deutschland aus einfach per Zug oder Pkw durch den Gotthard-Tunnel zu erreichen; die nächstgelegenen Flughäfen sind Zürich und Mailand. Der kommende „Mercato del Gusto“ ist für den 7. Juni 2026 von 11 bis 17 Uhr angesetzt. Alle weiteren Informationen gibt es auf der Website des Veranstalters. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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