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Kaffee, Kulinarik, KuriosesAlles andere als trist – dieses Triest!

Eine überdimensionale Münze mit dem Konterfei Maria Theresias darauf steht auf einem Platz zwischen alten Häusern

Noch ganz junge Sehenswürdigkeit: Der Maria-Theresien-Taler wurde 2023 eingeweiht, er steht auf der Piazza del Ponterosso und erinnert daran, dass Triest der einzige größere Seehafen Österreichs war, als Maria Theresia im 18. Jahrhundert das Reich der Habsburger regierte.

Eine wahre Perle (und noch nicht so überlaufen) ist Triest. Wir waren in der Hauptstadt von Friaul- Julisch-Venetien und haben leckerste Tipps mitgebracht.

Diese Stadt hat eine bewegte Geschichte. Gleich vier Mal (!) wechselte Triest allein im 20. Jahrhundert die Staatszugehörigkeit: 1918 von Österreich­-Ungarn zum Königreich Italien; 1943 durch die Besetzung der Nationalsozialisten ging es ans Deutsche Reich, im Jahr 1947 entstand unter Verwaltung der Alliierten das Freie Territorium Triest (das von Jugoslawien beansprucht wurde) – und 1954 kam die Stadt dann endgültig zu Italien.

Alle möglichen Kulturen haben hier ihre Spuren hinterlassen. Zudem sind Kaufkraft und Lebensqualität sehr hoch. Das alles macht Trieste (wie es auf Italienisch heißt) zu einem komfortablen Reiseziel mit vielen charmanten Kuriositäten. Das aber viele gar nicht auf dem Schirm haben.

Triest: Gemütliches Sightseeing – ohne Stress und Hektik

  1. Unbedingt anschauen: Die Hauptstadt der Region Friaul-Julisch Venetien punktet mit ihren wunderschönen Gebäuden. Hier nur entlang der Gassen und Promenaden zu lustwandeln ist eine helle Freude. Am Canale Grande (ja, heißt so wie der in Venedig, hier wird man aber nicht von Touristen überrant) entlangspazieren und die Kirche Sant'Antonio Nuovo bestaunen. Die Piazza dell'Unita d'Italia beschreiten, einen der wenigen Plätze in Europa, der an einer Seite zum Meer hin geöffnet ist. Die prächtigen Paläste an den anderen drei Seiten bewundern (bei Tag und bei Nacht!), in eines der über 40 Museen gehen oder ins hochkarätige Opernhaus Teatro Verdi. Und dann noch die kulturellen Highlights der Römerzeit am Teatro Romano sowie das Lapidarium im Schloss San Giusto besuchen. In Triest sind die meisten Sehenswürdigkeiten ganz nah beieinander, so dass man sich beim Sightseeing wirklich Zeit nehmen kann – und nicht hetzen muss.
  2. Zusatztipp: Wer mag kann noch zur Wallfahrtskirche Monte Grisa hochfahren, die im krassen Stil des Brutalismus hochoben über der Adriaküste trohnt. Die Triestiner nennen sie „Formaggino“ (Käseecke). 1945 legte der Bischof von Triest, Antonio Santin, ein Gelübde ab: Er werde eine Kirche bauen, wenn Triest im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wird. Die Stadt blieb heile, der Papst gab sein Okay, die Kirche wurde gebaut – und diente auch als Mahnmal des Kalten Krieges, denn hinter dem Eisernen Vorhang von Jugoslawien aus konnte man das Gebäude ebenfalls sehen. Den „Ungläubigen im Tito-Staat“ sollte gezeigt werden, wo Gott wohnt, so die damalige Devise.
  1. Übernachten: Zentral sollte man seine Herberge wählen, das ist in Triest aber auch kein Problem. Wer mit dem Auto anreist oder einen Mietwagen hat, der sollte aber schauen, dass die Unterkunft auch einen Parkplatz hat, denn Parkraum ist in der Stadt Mangelware.
  2. Tipp: Auch die großen Luxushotels (oft in beeindruckenden historischen Gebäuden und in bester Lage) bieten in der Nebensaison gute Deals mit Frühstück an. Ruhig auch mal in höheren Kategorien suchen und sich überraschen lassen (ca. 100 Euro die Nacht mit Frühstück für 2 Personen). Aber auch für kleinere Budgets gibt es genug Auswahl.
  3. Essen und Trinken: Italien ist ja eigentlich überall eine Bank was Kulinarik angeht. Hier ist auch das k.u.k.-Erbe von Österreich-Ungarn in der Küche deutlich spürbar. Es geht deftiger zu, zu Pasta, Fisch und Co. (die es natürlich auch gibt) gesellen sich gerne Gulasch, Schnitzel und Schweinebraten. Gerade traditionellere Gaumen kommen also auch voll auf ihre Kosten. Beliebt sind die einfachen Buffet-Restaurants mit großen Portionen, kleinen Preisen und ganz viel einheimischem Flair. Kosten sollte man Jota, eine Suppe aus Sauerkraut, Kartoffeln und Bohnen und Sardoni al Savor, frittierte Sardinen süß-sauer eingelegt mit Zwiebeln, Rosinen und Pinienkernen (klingt schräg, ist aber sehr lecker). Lokale Weine sind ebenfalls ein Muss, darunter die hier einzigartigen Rebsorten Vitovska (Weiß) und Terrano (Rot). Und zu jeder Tageszeit geht natürlich ein Illy-Kaffee, der wird schließlich in Triest produziert.

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  1. Sehen und gesehen werden: In den historischen Kaffeehäusern muss man mindestens einmal Platz genommen haben. Nein, eigentlich mindestens zwei Mal, einmal draußen auf den tollen Terrassen und einmal drinnen im klassischen Interieur. Toll ist das Caffè degli Specchi, das Café der Spiegel, indem einst die bedeutendsten Schriftsteller residierten. Man schaut direkt auf die Piazza dell'Unità d'Italia, kann dem geschäftigen Treiben und den den immer gut angezogenen Bürgern Triests und ihren vielen Hunden zuschauen (die aber nicht so viel auf die Straße machen wie anderswo). Und: Das Café sieht teuer aus, ist es aber gar nicht. Die Preise sind für diese Lage sehr angemessen – und zum einfachen Spritz-Aperitif gibt es eine derartige Auswahl an leckeren Snacks gratis dazu, dass man ganz schnell komplett satt ist.
  2. Shopping: Die Touristen zieht es vor allem zum Eataly-Markt direkt am Hafen. Ja, da kann man nett stöbern, aber die Preise sind auch entsprechend und traditioneller und niedlicher ist zum Beispiel der Delikatessenladen Modernariato & Collezionismo. Von der Via delle Torri bis hin zur Via San Nicolò findet man vor allem schöne Buchhandlungen wie die von Saba, die einst dem berühmten Triester Dichter und Schriftsteller Umberto Saba gehörte. Im alten jüdischen Viertel locken Trödel und Antiquitäten. Als Mitbringsel eignet sich vor allem die überraschend leckere Presnitz-Blätterteigrolle, die nicht so süß ist, wie sie ausschaut.
  1. Kurioses: Kaffee-Spezialitäten haben in Triest völlig andere Namen, sich vorher schlau machen. Manche Karte in Cafés umfasst mehr als 60 (!) Varianten. Berüchtigt ist Triest für seinen Fallwind Bora, der richtig heftig werden kann. Eine Art Eiffelturm gibt es auch, den 70 Meter hohen Ursus, einen Schwimmkran von 1913, der den Beinamen „nostra piccola torre Eiffel“ (unser kleiner Eiffelturm“) trägt. Fährt man nach Triest rein, sieht man in der Bucht vor dem Hafen eine gigantische Jacht ankern. Es ist die nagelneue „Sy A“, die größte Segeljacht der Welt. Sie gehört einem russischen Oligarchen, wurde nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine beschlagnahmt – und rottet jetzt vor sich hin.
  2. Das nervt: Triest ist oft Start- und Endpunkt von Kreuzfahrten. Wenn die großen „Pötte“ direkt im Hafen liegen, verändern die Touristenströme die Stadt sofort– leider nicht zum Guten. Im Netz checken, wann die Kreuzfahrtschiffe an- und ablegen. Ist kein Schiff da, gibt es auch günstigere Hotelangebote direkt am Hafen.
  3. Das bleibt: Österreich und Italien im Mix ist ein gute Kombi. Hier kann man gerne immer mal wieder ein verlängertes Wochenende verbringen oder einen Zwischenstopp auf dem Weg weiter gen Süden einbauen. Und ein bisschen was von Geheimtipp hat es auch noch, die Preise sind zivil geblieben, selbst an absoluten Hotspots, findet man so auch nicht mehr überall.

Geheimtipp Triest: So komme ich hin

Mit dem Auto dauert die Fahrt ca. 11,5 Stunden, Direktflüge aus dem Rheinland nach Triest gibt es nicht, Flüge gehen z. B. mit Lufthansa oder der Bahn und Air Dolomiti via Frankfurt (ca. 1,5 Stunden Flugzeit ab Frankfurt bis zum Flughafen Ronchi dei Legionari).

Der Airport liegt tatsächlich näher an der Stadt Monfalcone als an Triest. Vom Flughafen dauert die Fahrt mit einem Mietwagen ca. 40 Minuten. Ein Leihwagen oder eigenes Auto empfiehlt sich, wenn man auch die Umgebung rund um Triest erkunden und/oder einen Abstecher nach Slowenien machen will.

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