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Geheimtipp für Kultur & NaturWaren Sie schon mal in Seine-et-Marne?

Ein prächtiges Schloss

Copyright: Laura Schmidl

Traumhaft schön! Kein Wunder, dass das Schloss Vaux-le-Vicomte Vorbild für  Prachtschloss Versailles bei Paris war.

Nicht weit von Paris verbirgt sich eine wahre Perle: Wir waren unterwegs im Département Seine-et-Marne.

Östlich von Paris versteckt sich das Département de la Seine-et-Marne. Abseits des Hauptstadttrubels kann man in dem knapp 6000 Quadratkilometer großen Gebiet Natur und Kultur entdecken.

Perfekt für ruhigere Tage nach einem Städtetrip in Paris, einem Aufenthalt im Disneyland (das schon zu Seine-et-Marne zählt) oder einem mehrtägigen Zwischenstopp Richtung Frankreichs Küste. Lohnt aber auch als alleiniges Reiseziel.

Märchenhafte Gärten, alte Städtchen – und natürlich Fromage

  1. Le Moulin Jaune: Ein wahrhaft märchenhafter Ort ist dieser versteckte, fast geheime Garten, der nur zu bestimmten Events für die Öffentlichkeit geöffnet ist. EXPRESS.de durfte „einfach so“ reinschauen – und ist verzückt! Gestaltet hat ihn der Künstler und Clown Slava Polunin (76). Auf vier Hektar im Ort Crécy-la-Chapelle (nur 15 Autominuten von Disneyland entfernt) wächst nicht nur schönste Botanik, sondern es finden sich auch allerlei Kunstwerke – Fenster aufs Wasser, schwebende Stühle, riesige Papierschiffe, Spiegel im Wald, verwunschene Wege, einsame Balkone und eine gelbe Mühle. Zu den Events mit kostümierten Schauspielern, Künstlern und Artisten gibt es stets eine Kleiderordnung. Das nächste Event ist am letzten Augustwochenende (Dresscode: Weiß), danach wieder vom 19. bis 20. September (Dresscode: „Bazar“). Die Tickets gibt es (je nach Event) schon ab 25 Euro.
  2. Extra-Tipp: Mitten im Garten gibt es ein exklusives AirBnB in Form eines echten koreanischen Pavillons direkt am Fluss (ca. 320 Euro die Nacht). Meditative Ruhe (und exklusiver Zugang zum Rest des Gartens) sind da inklusive.

Auch interessant: Diese französische Küste ist steinreich!

  1. Provins: „Wer durch eine mittelalterliche Stadt laufen will, kommt nach Provins“, sagt Reiseleiterin Stéphanie. Und tatsächlich wirkt die 12000-Einwohner-Stadt wie eine Kulisse für Historienfilme – das ist sie häufig auch. Im 12. Und 13. Jahrhundert war Provins eine wichtige Handelsstadt mit eigener Währung. Die gesamte Altstadt ist unterkellert, in den Katakomben wurden früher Wolle verarbeitet, Waren gelagert und es wurde sich versteckt. Produziert wird hier heute u. a. der Brie de Provins – den kann man bei „Cave du Chatel“ verkosten (liegt auch unterirdisch).
  2. Lecker: Brie mit Rosenkonfitüre, ebenfalls eine Spezialität. Besonders am Abend lohnt ein Rundgang um die 1,2 Kilometer langen Stadtmauern aus dem 13. Jahrhundert. Am Tage sollte man den Cäsar-Turm (angeblich von Julius Cäsar erbaut, dafür gibt es aber keine Nachweise) erklimmen, hier hat man eine schöne Aussicht. Die Kirche Collégiale Saint-Quiriace ist nie ganz fertig geworden, ist aber sehenswert – mit ihrem hellen Gestein sieht es besonders hübsch aus, wenn das Licht durch eines der Fenster fällt. Oft finden in Provins Mittelalterfeste statt, dann ist die Stadt aber sehr überlaufen; es kommen bis zu 120.000 Besucher an einem Wochenende. Lieber an einem Tag kommen, Mittelalter-Charme gibt es nämlich auch so.
  3. Hotel-Tipp: Das „Hotel Aux Vieux Remparts“ – oder die zum Hotel gehörende „Villa Maison Le Parc“. Super schick und grün gelegen, dort fühlt man sich wie in einer französischen Liebeskomödie (ab rund 170 Euro/Nacht).
  1. Fontainebleau: Das Schloss Fontainebleau ist beeindruckend groß, 1500 Zimmer, hier lebten zwischen dem 12. Und 19. Jahrhundert etliche Herrscher (zum Beispiel Napoleon Bonaparte oder Marie Antoinette) – und sie alle haben etwas zur (Innen-)Architektur beigetragen. De ist prunk- und prachtvoll. Ein Besuch im Inneren lohnt sich daher auch, wenn man sonst nicht so geschichtsinteressiert ist. Allein der riesige Ballsaal beeindruckt mit unzähligen Details, Malereien, Stuck, Kronleuchtern und mehr. Ein leckeres Mittagessen mit schönem Blick auf den Karpfenweiher gibt es im Schloss im Les Petites Bouches.
  2. Waldausflug: Im Wald von Fontainebleau, etwa 25.000 Hektar groß, kann man Radfahren, Reiten, Wandern oder Waldbaden; außerdem ist der Wald mit seinen markanten Felsbrocken ein wahres Mekka für Boulderer. Pinien duften und spenden gemeinsam mit mächtigen Eichen Schatten, der Boden ist sandig und selten matschig. Das ist Erholung pur.

Besuch beim Vorbild für Schloss Versailles

  1. Barbizon: Das kleine Dorf liegt am Rande des Waldes und ist im wahrsten Sinne des Wortes malerisch: Zwischen 1820 und 1870 zog es hier viele Maler hin, die sich trafen, inspirieren ließen – „L’art de vivre“ eben. Das örtliche Museum war früher Treffpunkt, an den Wänden kann man neben vor allem impressionistischer Kunst noch gekritzelte Skizzen der Künstler entdecken. Eine sehr lebendige Art, Kunst zu erfahren. Und: Auf 900 Metern Länge (größer ist Barbizon nicht) tummeln sich an die elf Restaurants.
  2. Besharat Gallery: Die Galerie in Barbizon ist gleichzeitig ein Hotel mit einer handvoll Suiten – alle 55 bis 60 Quadratmeter groß, hochwertig eingerichtet und mit echter Kunst an den Wänden, jedes Zimmer in einem eigenen Stil. Der Besitzer, Exil-Iraner und Kunstliebhaber Massoud Besharat (78) richtete alle Zimmer selbst ein. Sein Ziel: Gäste sollen sich fühlen wie Kunstsammler (das gelingt ihm). Übernachtungsgäste dürfen jederzeit die Galerie besichtigen. Nachts im Museum! Gastgeber Luigi Perez serviert außerdem ein leckeres Frühstück – und erzählt gerne über die Kunst und Mäzen Besharat. Dazu ein idyllischer Innenhof mit plätscherndem Pferdebrunnen und einem alten Morgan (gehört zur Kunstsammlung) in der Einfahrt. Einzigartige Atmosphäre für ca. 250 Euro die Nacht. Luigi verleiht außerdem E-Bikes, mit denen man in den Wald, zum Schloss und in den Ort Fontainebleau radeln kann.
  3. Vaux-le-Vicomte: Es ist das Schloss, das als Vorbild für Versailles diente und für viele auch schöner ist. Gleichzeitig ist dieses Chateau das größte Anwesen Frankreichs in Privatbesitz. Ein immersiver Audioguide führt durch die Gemächer und erzählt die Geschichte des Erbauers wie ein Hörspiel. Tipp: Durch die Schlossgärten kann man mit einem Golfcart fahren, macht Spaß! „Draußen“ ist auch der Lieblingsort eines der Schlossherren, Jean-Charles de Vogüé, der dort schon als Kind spielte: „Dort ist alles sehr harmonisch“, sagt er. Am Schloss finden samstagabends Feuerwerk und Lichtshows statt. Zu Ostern und Weihnachten gibt es Märkte. Niedlich: Das Wappentier von Nicolas Fouqet, Auftraggeber für den Bau ab 1656, ist ein Eichhörnchen.
  4. Das nervt: Das Preisniveau ist schon eher hoch.
  5. Das bleibt: Die Erkenntnis, dass auch abseits der bekannten Hotspots Highlights lauern.

Département de la Seine-et-Marne: So komme ich hin

Für die Reise mit mehreren Stationen ist ein Auto praktisch, dann sind es 5,5 bis 6 Stunden, plus die Strecken zwischen den Orten. Grundsätzlich ist auch eine An- und Weiterreise per Zug möglich, dann mit dem Eurostar nach Paris, von dort aus mit den RER-Linien (die französischen Regionalzüge). Zum Schloss Vaux-le-Vicomte z. B. fährt auch ein Shuttle in umliegende Dörfer. Geht auch – erfordert nur einiges mehr an Planung.

Symbolfoto zum Thema Reisebetrug
Jeder 8. Urlauber betroffen
Der große Reibach mit dem Reisebetrug