Wir waren unterwegs rund um die Baie de Somme und den Ärmelkanal – und haben Tipps aus einer weniger bekannten Region mitgebracht.
NordfrankreichDiese Küste ist steinreich – und rekordverdächtig!

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Am „Grande Plage de Cayeux“ lädt die Strandpromenade mit ihren mehr als 400 bunten Holzhütten zum Flanieren ein. Auf den Planken läuft es sich auch viel besser als am steinigen Strand.

Steine über Steine bei Flut – und bei Ebbe ein riesiger Sandstrand: In der Baie de Somme, wo das Süßwasser des Flusses in den Ärmelkanal fließt, tummelt sich Frankreichs größte Robbenkolonie und leben mehr als 300 Vogelarten. Auf dem Weg in die Bretagne haben wir in Cayeux-sur-Mer und Le Crotoy Halt gemacht.
Die Region Hauts-de-France ist relativ jung, sie entstand vor zehn Jahren durch den Zusammenschluss der beiden Regionen Picardie und Nord-Pas-de-Calais. Kleines Partywissen noch für alle Fans des Fettgebackenen: Arras, südwestlich von Lille, ist die Frittierhochburg Frankreichs, hier findet alljährilich das Championnat du Monde de la Frite (also die Fritten-WM) statt. In diesem Jahr am 26. September. Aber genug davon, zu Essen gibt es gleich noch was.
Europas längster Holzweg
- Rekordverdächtig: Mehr als 400 kleine bunte Holzhäuschen, die teils so klangvolle Namen tragen wie „Les pieds dans l’eau“ (die Füße im Wasser), stehen Brett an Brett auf dem mit zwei Kilometern längsten Plankenweg Europas. Dankenswerterweise darf man hier „auf dem Holzweg“ sein, wo es sich um einiges besser gehen lässt als auf den Milliarden großer Kieselsteine, die den oberen Strandabschnitt säumen. Und genau daher hat der Ort auch seinen Namen, von „Cayeu“ oder „Caillex“, was Kieselstein bedeutet.

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Die Pointe du Hourdel an der Sommebucht: Überreste von Bunkern des Atlantikwalls zeugen von den Schrecken des Zweiten Weltkrieges. Und direkt dahinter (Fernglas mitnehmen auf der Wanderung!) liegen die Seehunde.
- Alles England, oder was? Zu Cayeux-sur-Mer gehört auch Brighton. Jawohl, Sie haben richtig gelesen, der Ortsteil mit englischem Namen besticht durch seinen riesigen Pinienwald (eine wahre Wohltat, bei Hitze dort spazieren zu gehen) und seinen Leuchtturm. Der ist mit seinen 28 Metern höchster Leuchtturm an der picardischen Küste. Am Leuchtturm und direkt am Dünenrand vorbei führt die „weiße Straße“, auf der sich wunderbar radfahren lässt. Und die englische Küste ist gar nicht sooo weit weg.

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Da holt man sich in Le Crotoy doch gleich mal die maritime Anmutung als Schattenspender auf die Flaniermeile.
- Tierisches: Mit dem Rad (oder auch per pedes) gelangt man auf genau dieser „weißen Straße“ zur Pointe de Hourdel, wo Schrecken und Freude so nah beieinander liegen: Überreste von Nazi-Bunkern des Atlantikwalls sind stumme Zeugen des Zweiten Weltkrieges – wenige Meter weiter aalen sich possierliche Meeresbewohner auf Sandbänken, hier hat sich die größte Robbenkolonie Frankreichs angesiedelt (Achtung, man darf sich den Tieren nur bis auf 300 Meter nähern). Snacks gibt in der „Cabane du pêcheur“ am Leuchtturm.
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- Essen & Schlafen: In Cayeux-sur-Mer ist dienstags, freitags und sonntags Markt im Zentrum; hier gibt es frischen Fisch, Krustentiere, Käse, herrliches Gemüse und – wie immer auf französischen Märkten – Klamotten. Tipp: Einen Espresso (im Juni 2026 für 1,20 Euro zu haben!) im „L’embuscade“ gegenüber der Markthalle nehmen – hier treffen sich die Einheimischen nach der „anstrengenden Einkaufstour“. Übernachtet haben wir auf dem Campingplatz „Le Bois de Pins“ in Brighton-les-Pins (Ende Mai 2026 haben wir 34 Euro die Nacht für zwei Personen, Stellplatz, Hund und Strom bezahlt). Hier kommt gelegentlich (Aushang beachten) ein mobiler Rotissseur vorbei und bietet u. a. Rôti de jambon (am Drehspieß gegarten Schinkenbraten) an.
- Le Crotoy: Könnte auch als die heimliche Hauptstadt der Moules (Muscheln) und Krustentiere durchgehen – so sehr biegen sich die Tische der vielen Restaurants im kleinen Ort unter den Etageren mit Austern, Bulots (Meeresschnecken), Crevetten und Taschenkrebsen. Und Moules frites gehen ja immer – ob „marinière“ oder „à la crème“. Und unbedingt durchs Städtchen mit seinen netten kleinen Läden schlendern – in der Boulangerie Victor Florent zum Beispiel gibt es tolle Törtchen und köstliches Pain au chocolat. Wer mit dem Wohnmobil da ist, ergattert mit Glück ein Plätzchen auf dem Wohnmobilstellplatz „Chemin du Marais“ (im Juni 2026 zehn Euro für 24 Stunden). Direkt hinter dem Platz geht’s ganz kurz durch die Dünen an einen herrlichen Strand – über den es sich auch bis in den Ort laufen lässt. Mitbringsel aus der Region gibt’s bei Philippe im „Aux Saveurs de la Baie“. Lässig auf dicken Polstern lümmeln und aufs Meer schauen lässt es sich in der Beachbar „L’Ancrage“.

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Moules frites (Fritten nicht im Bild): Die Miesmuscheln sind in Cidre gekocht und mit Speck, Zwiebeln und Crème fraîche abgeschmeckt.
- Das nervt: „Hunde-verboten“-Schildern an immer mehr Stränden. Traurig, aber angesichts von vielen liegengebliebenen Haufen auch kein Wunder.
- Das bleibt: Ein Fallschirmspringer-Spielzeug zum Hochwerfen. Von meinem Mann an der Schießbude am Hafen von Le Crotoy eigenhändig geschossen. Merci!
Ärmelkanal – so komme ich hin
Richtung Cayeux-sur-Mer geht es mit dem Auto mautfrei über Lüttich, Charleroi, Roubaix und Béthune; dauert rund 6,5 Stunden. Wer Amiens als Zwischenziel einschieben möchte (die Stadt mit toller Kathedrale, in der sich Jules Verne niederließ, ist einen Abstecher wert), muss Maut bezahlen und braucht die französische Umweltplakette („Crit'Air“). Tipp: Mit einer Mautbox (z. B. von Bip&Go oder dem ADAC) reist es sich entspannter.
