Früher griffen die Herren eher verschämt zum Tiegelchen, heute boomt der Markt der Männerkosmetik.
Kein Buch mit sieben TiegelnWarum Männerpflege boomt wie jeck

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So ein bisschen cremen schadet auch dem Mann nicht. Merken immer mehr Vertreter des „starken Geschlechts“ – auch jenseits der 30 und 40 Jahre.
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Sich wohl in der eigenen Haut fühlen, das wollen natürlich auch Männer. Nur cremen wollten sie viele Jahrzehnte dafür nicht. Das ist heute anders, der Markt für Männerkosmetik boomt, nicht nur am Tag der Männerpflege, der in den USA am 21. August gefeiert wird. Körperpflege fürs „starke Geschlecht“ liegt voll im Trend, sorgt für Umsatz in Drogeriemärkten und Parfümerien. Die Auswahl steigt, es wird kräftig die Werbetrommel gerührt und verschämt zum Tiegel muss kein Mann mehr greifen. Rund 80 Milliarden Euro soll die Branche mit Männer-Beauty weltweit mittlerweile machen. Mann macht sich schön.
Warum auch nicht? Das Antlitz lange „knitterfrei“, die Epidermis prall und die Hände gepflegt zu halten, ist längst kein Privileg der klischeehaft als „schönes Geschlecht“ bezeichneten Damen. Die Zukunftsstudie des Industrieverbandes Körperpflege- und Waschmittel (IKW) zeigt: 70 Prozent der Männer nutzen Kosmetikprodukte, aber nur 20 Prozent kaufen ausschließlich Männerkosmetik – Tendenz aber steigend!
Produkte der Liebsten ausprobiert – so kommt man(n) ans Cremen
Diese Entwicklung bestätigt uns auch der Kölner Parfümerie-Experte Heinz-Josef Meller, der bei EXPRESS.de regelmäßig Tipps zu Beautyprodukten und Co. gibt. „Männer haben schon lange auch ein Interesse daran, ihre Haut zu pflegen. Meistens haben sie sich aber an den Produkten ihrer Frauen und Freundinnen bedient, die sich dann immer wunderten, dass die Tiegelchen so schnell leer waren“, lacht er. „Das ist seit einigen Jahren anders, da kaufen auch Männer verstärkt spezielle Produkte für Männerhaut. Man muss auch ganz klar sagen: Die Qualität dieser Produkte ist besser geworden, sie sind besser auf die Hauttypen von Männern abgestimmt.“
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Die meisten greifen wohl zu günstigen Drogerie-Angeboten und bleiben dann dabei. Vor allem aber die Herren, deren Damen sich mit teureren Produkten aus der Parfümerie pflegen, greifen auch mal zu hochpreisigen Cremes und Co. speziell für „Ihn“. „Das ist dann auch schon ein kleiner Battle“, sagt Heinz-Josef Meller, ganz nach Motto: Wer hat die bessere Creme im Bad stehen?! Ganz ohne Wettbewerb geht’s bei den Gentlemen wohl nicht ...
Wie gut, dass es als niederschwelligen Einstieg ins Pflegegeschäft noch die Tübchen, Töpfchen und Tiegelchen der Partnerin gibt, an denen Mann sich mal heimlich bedienen kann. Aus der „Kosmetik-Klau-Not“ eine Tugend gemacht und eigene Pflegelinien herausgebracht haben beispielsweise Pharrell Williams, Harry Styles oder Hollywood-Muskelpaket Dwayne „The Rock“ Johnson. „Früher habe ich meiner Liebsten immer die Pflegeprodukte gemopst“, verriet der Action-Held, der durchaus auch hart im Cremen ist – wie er in der Bildergalerie oben verrät.
Und Männer generell schätzen laut IKW-Umfrage am meisten an Pflegeprodukten, dass diese unkompliziert in der Anwendung (71 Prozent) sowie schnell aufzutragen sind (66 Prozent). Für mehr als die Hälfte der befragten Männer (63 Prozent) ist „die Pflege von Haut und Haar eine Investition in die Zukunft“. Zwar sind Feuchtigkeitscremes und Bartpflegeprodukte die hauptsächlichen Kategorien, wenn es um Männer-Beauty geht – aber gerade in den letzten Jahren geben gerade sehr junge Männer immer mehr Geld aus, um sich exklusive Nischenparfüms für mehrere hundert Euro zu kaufen. „Zum Teil kommen die mit ihren Eltern oder Großeltern ins Geschäft und lassen sich beschenken. Oder sie kaufen mit ihren Freunden gemeinsam einen teuren Flakon und füllen dann nach dem Kauf in kleinere Einheiten ab – und teilen sich so den Duft“, beobachtet Meller.
Apropos Duft: Früher drehte sich Männer-Pflege vor allem um Rasierwasser, das sieht man aber immer seltener, schon mal aufgefallen? Warum ist das so? „After Shave ist auf dem Rückzug, die Parfümhersteller bringen zu den neuesten Düften meist gar kein eigenes Aftershave mehr heraus.“ Vermutung: Da will man wohl lieber das teurere Eau de Toilette verkaufen und nicht den Mann schon mit günstigerem Rasierwasser gut riechen lassen. Dabei hat das After Shave eine wichtige Funktion, es desinfiziert. „An die frisch rasierte Gesichtshaut sollte man besser nicht das Eau de Toilette oder Parfüm ranlassen, das ist viel zu scharf und es ist eine Überreizung für die Haut, auch durch die starke Duftstoff-Konzentration“, sagt Heinz-Josef Meller. Dann lieber einen Aftershave-Balsam verwenden oder eine Emulsion. Motto: Lieber gut gepflegt als vom Leben gezeichnet.
