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Vitaminpillen gegen Corona? Biologin warnt: Wer zu viel nimmt, geht enormes Risiko ein

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Manche Arzneien und Medikamente sind in Apotheken immer schwerer zu bekommen. Auch Vitaminpräparate sind vielerorts ausverkauft.

Bonn – Wer etwas für seine Abwehrkräfte tun will, deckt sich gerne mit extra Vitaminen aus Apotheke, Drogeriemarkt oder Internet ein. Sicher ist sicher, erst recht in der Corona-Krise. Doch genau das, nämlich „sicher“, ist dieser Weg für mehr Immunpower nicht, betont die Bonner Immunbiologin Prof. Ingrid Förster, Expertin für Immunsystem und Umwelt, im EXPRESS-Gespräch.

Speziell Vitamin D wird leicht überdosiert und ist über das gesunde Maß hinaus sogar gesundheitsschädlich. Dabei kursiert im Netz die Behauptung: Ein Vitamin-D-Mangel mache Menschen anfälliger für das neuartige Corona-Virus, die Ausbreitung von Corona könne daher mit der Gabe von Vitamin D bekämpft werden. Vor dieser Idee warnt die Bonner Expertin ausdrücklich.

„Das fettlösliche Molekül, verwandt mit dem Cholesterin, kann in Zellen eindringen und die Gen-Funktionen verändern“, erklärt die Wissenschaftlerin. Gerade durch diese Eigenschaft werde es ein zweischneidiges Schwert. „Es kann die Immunantwort sowohl fördern als auch unterdrücken.“

Vitamin D gegen Corona? Nur 20 Prozent stammen aus der Nahrung

Nur 20 Prozent des Vitamin D stammen überhaupt aus der Nahrung, 80 Prozent produziert der Körper dadurch, dass UV-Strahlung auf die Haut wirkt. In genau dem richtigen Verhältnis für gesunde Abwehrkräfte. Es genügt, Gesicht, Hände und Arme unbedeckt zwei bis dreimal pro Woche der Hälfte der minimalen sonnenwirksamen UV-Dosis auszusetzen, empfiehlt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfA).

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Viele setzen während der Corona-Krise auf Vitaminpillen und spezielle Präparate.

Bei Menschen mit Hauttyp II (hellhäutig, nicht übermäßig sonnenempfindlich) ergäben dies 12 Minuten. Im Sommer wird Vitamin D in Fett und Muskeln für die lichtarme Jahreszeit gespeichert.

Biologin: „Mann muss Öffentlichkeit davor warnen, unkontrolliert Vitamin D zu nehmen”

„Insofern ist es gut, wenn wir alle uns jetzt auch draußen an der frischen Luft bewegen, wenn die Sonne scheint“, sagt Immunbiologin Förster. „Aber man sollte die Öffentlichkeit davor warnen, unkontrolliert Vitamin D einzunehmen.“

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Typisches Bild zur Corona-Zeiten: Schlangen vor den Apotheken

Sie betont: „Nahrungsergänzungsmittel unterliegen keinen Restriktionen, und gerade fettlösliche Vitamine können viel Schaden anrichten. Ohne ärztliche Begleitung würde ich sie nicht einnehmen.“

Falsche Dosierung von Vitamin D kann zu Nierenschäden führen

Ein Arzt müsse erst definitiv feststellen, dass tatsächlich ein Vitamin-D-Mangel vorliegt. Die zum gezielten Ausgleich dieser seltenen Mangelerscheinung nötigen Tabletten sind in hoher Dosierung verschreibungspflichtig und können bei unsachgemäßer Verwendung zum Beispiel Nierenschäden verursachen. Auch das ebenfalls fettlösliche Vitamin A, das oft als „gut für die Sehkraft“ mit in Vitamin-Mixe gepackt wird, kann positive und negative Effekte auf die Infektabwehr ausüben. Bei Überdosierung von Vitamin A kann es zu Haut- und Leberschäden kommen.

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Etwas unproblematischer ist Vitamin C. Aber auch hier warnt die Immunforscherin vor Behauptungen, die im Netz kursieren, Vitamin C könne helfen, Corona zu heilen aufgrund von Erfahrungen in China. „Wie genau Vitamin C auf das Immunsystem wirkt, ist bis heute nicht geklärt“, sagt Förster.

Vitamin C ist im Gegensatz zu Vitamin D wasserlöslich

Wobei die Universität Bonn zu den Spitzenforschungszentren mit dem Schwerpunkt Immunologie und Ernährung zählt. „Was wir wissen, ist, dass Vitamin C die Freisetzung reaktiver Sauerstoffmoleküle hemmt. Aber: Das ist bei Infektionen eher erwünscht, weil es ein antibakterieller Mechanismus ist.“
Vorteil an Vitamin C: Es ist im Unterschied zu Vitamin D wasserlöslich. Was der Körper nicht verwertet, wird ausgeschieden. Aber Vitamin C hat eine gewisse Säurewirkung, sagt Förster. Lutschtabletten können schlimmstenfalls den Zahnschmelz schädigen.

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„Vitamine sind gut und stärken die Immunabwehr, wenn sie mit der Nahrung aufgenommen werden, in Tabletten haben sie nicht so eine gute Wirkung “, dies zeige sich als roter Faden in der Grundlagenforschung, so Förster. „Dabei ist Gemüse mit besonders vielen sekundären Pflanzen- und Ballaststoffen, weniger Zucker noch hochwertiger als Obst.“

Biologin über Corona: Hochdosierte Vitamine „killen” das Virus nicht

Aktuell untersuchen sie und ihr Team Rezeptoren im Darm, die Pflanzinhaltsstoffe binden und die Darmschleimhaut schützen, am Beispiel von Broccoli und Rosenkohl. Dass hochdosierte Vitamine ein Virus „killen“, hält sie für ausgeschlossen, eine gesunde Ernährung mit frischen Produkten sei dagegen für das Immunsystem garantiert gut. „Da kann man nie zu viel von einzelnen Vitaminen oder Mineralstoffen essen.“

Diese natürliche Zufuhr sei ein wichtiger Baustein für eine starke, erfolgreiche Immunantwort, „die erst eine Abwehr-Reaktion anstößt, dann sich selbst zurückschraubt.“

Mittel gegen Covid-19: Sofortiger Rauchstopp

Das natürliche Schutzschild speziell gegen Atemwegsinfekte aller Art, einschließlich Covid-19, stärkt am besten ein Rauchstopp. „Die beste Zeit mit Rauchen aufzuhören, wäre jetzt“, rät die Expertin für Immunsystem und Umweltstoffe. „Denn der Zigarettenrauch schädigt das Lungengewebe und macht uns so deutlich anfälliger für Atemwegsinfektionen.“

Auch die anderen Tipps der Immunforscher der Uni Bonn sind leider weder zu kaufen noch zu schlucken:

  • Bewegung:
  • Stress vermeiden:
  • Regelmäßiger, ausreichender Schlaf: