Schulstress, Angst und Überforderung: Deutschlands Top-Lehrer weiß Rat – und hat extra für EXPRESS einen Fünf-Punkte-Plan skizziert.
Bessere NotenDer Fünf-Punkte-Plan von Deutschlands Top-Lehrer

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Der Wegweiser von Bob Blume (hier auf der Digitalmesse 2025 in Berlin) „Wie kommt mein Kind gut durch die Schule?“ richtet sich an Eltern. Da geht es um Verhaltenstipps, aber auch um das Lernen mit KI.
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Bauch- und Kopfschmerzen, Einschlafprobleme. Schon Grundschüler sind gestresst durch Leistungsdruck, zu wenig Freizeit, Ängste, schlechte Noten. Eltern schimpfen (teils zu Recht) auf zu große Klassen, überforderte Lehrkräfte, überfrachtete Lehrpläne. Doch sie sollten sich auch an die eigene Nase packen. Bob Blume, Deutschlands bekanntester Lehrer und Bildungsaktivist, rät dazu, die Kirche „im Dorf zu lassen“.
Natürlich seien Eltern aktive Gestalter, auch wenn sie keine Ersatzlehrkräfte seien. Das könnten sie auch gar nicht leisten, weiß er. Doch der Lehrer beobachtet immer häufiger, dass Eltern ihre Kinder unter Erfolgsdruck setzen. „Unsere Haltung gegenüber Lernen hat eine direkte Wirkung auf unsere Kinder und deren Sichtweise aufs Lernen“ erklärt er. „Inhalte kann man nachholen, aber das Interesse neu zu wecken, ist ungleich schwieriger.“ Jeder Perspektivwechsel sei sinnvoll, sagt er.
Lehrer Bob Blume: Kinder muss man groß denken
Eltern sollten sich deshalb vor allem erst mal selbst den Spiegel vorhalten und sich folgende Fragen stellen, bevor sie den Nachwuchs zum Diktat, Kopfrechnen und Co. zitieren: „Wie schwer fällt es mir, das Kind so anzunehmen, wie es ist, ohne ständig mehr zu erwarten? Was löst es bei mir aus, wenn mein Kind schulische Schwierigkeiten hat? Angst, Druck, Scham – oder das Vertrauen in eine Lösung?“ Laut Blume, übrigens selbst Vater, spielt das Verhalten der Eltern, das auch unbewusst stattfinden kann, nämlich eine größere Rolle als viele vermuten würden.
Er nennt ein Beispiel, das sicherlich zu denken geben sollte: „Wenn wir glauben, dass ein Kind ein großes Potenzial hat, sei es nun im künstlerischen oder mathematischen Bereich, verhalten wir uns bewusst oder unbewusst ermutigender, unterstützender und zugewandter. Das Kind verspürt dieses Vertrauen und wächst hinein in das Bild, das wir von ihm haben.“ Umgekehrt gelte das leider auch: Wer nach dem Grundsatz „das schafft der Junge sowieso nicht“ vorgehe und nichts erwarte, senke unbewusst die Chancen auf Erfolg – allein durch die Art, wie er mit dem Kind spreche, es korrigiere und eben nicht unterstütze. Vertrauen, Wertschätzung, Ermutigung seien keine netten Extras, sondern entscheidende grundlegende Wachstumsbedingungen. Es lohne sich deshalb, Kinder nicht kleinzureden, sondern groß zu denken.
Lernen gelinge nur auf stabilem Boden: Schutz, Halt und ein sicherer Rahmen seien die Voraussetzung, schreibt er in seinem Ratgeber „Wie kommt mein Kind gut durch die Schule?“. Deshalb rät er dazu, immer mal wieder nachfragen, wenn das Kind unglücklich wirkt: Wiederholte, einseitige Angriffe seien kein Necken, Mobbing sollte frühzeitig dokumentiert werden.
Und bei anhaltender Erschöpfung sozialem Rückzug und psychosomatischer Beschwerden solle man nicht lange warten, sondern sich niederschwellig beraten lassen und professionelle Hilfe holen.
Für EXPRESS erstellt: Bob Blumes Plan für bessere Noten
Für EXPRESS skizziert er einen übersichtlichen Fünf-Punkte-Plan, den Eltern sich immer wieder vor Augen führen sollten.
- 1. Erst Druck rausnehmen. Kinder sind bei schlechten Noten oft schon traurig oder wütend. Jetzt braucht das Kind Ruhe, nicht noch Ärger obendrein. Noten sagen nichts über den Wert eines Kindes aus. Folgende Fragen können helfen: Was fühlt mein Kind gerade? Was braucht es jetzt von mir?
- 2. Unterstützung klug wählen. Nachhilfe oder Lern-Apps/KI können helfen, wenn sie verständlich erklären und nicht nur mehr Stoff drauf packen. Folgende Fragen können helfen: Versteht mein Kind den Stoff wirklich? Welche Hilfe passt zu seinem Lerntempo?
- 3. Fehler als Lernmoment sehen. Schlechte Noten zeigen, wo es hakt. Gemeinsam hinschauen statt Vorwürfe machen, hilft in diesem Fall weiter. Folgende Fragen können helfen: Was genau war schwierig? Was können wir gemeinsam verändern?
- 4. Das Gespräch mit Lehrkräften suchen. Nachfragen, zuhören, gemeinsam Lösungen überlegen – dabei sachlich bleiben. Folgende Fragen können helfen: Wo sieht die Lehrkraft das Problem? Welche nächsten Schritte sind sinnvoll?
- 5. Keine Belohnung für bessere Noten. Bitte, kein Geld und keine Geschenke rüberwachsen lassen, wenn die Noten sich bessern. Er rät, lieber gerade nach schlechten Noten etwas Schönes zusammen zu machen. Das Signal ist nämlich ein ganz anderes: „Du bist gut, so wie du bist – den Rest schaffen wir gemeinsam.“ Folgende Fragen können helfen: Was gibt meinem Kind Sicherheit? Wie stärke ich unsere Beziehung?
Ein ganz wichtiger und interessanter Aspekt: Wichtiger als auf die Noten zu achten sei es, Kinder neugierig zu machen auf den Lernstoff, ihn zum Beispiel mit Ausflügen, Basteln und Co. zu verbinden, sagt Bob Blume.



