Abo

Haarige Fakten, schrottige Schnitte, Profi-TippsEin Festival der Frise

Auftritt in der Hitparade (Juni 1974).

Copyright: imago images / United Archives

Wer „Frise“ sagt (und etwas älteren Baujahres ist), meint damit automatisch auch die Haartrachten der Interpretinnen und Interpreten in der ZDF-Hitparade der 70er und 80er. Auf dem Foto von 1974 haben (von links nach rechts) die Haare schön: Werner Leismann, Lena Valaitis, Jürgen Marcus, Costa Cordalis und Tina York. picture alliance/dpa,

Aktualisiert:

Jetzt wird es haarig - mit Fakten und Tipps rund um Frisur und Kopfputz.

Was wären wir nur ohne sie, ohne die Haarkünstlerinnen und Scheitelspezialisten, die mit Farbe, Föhn und Fantasie dafür sorgen, dass wir erhobenen Hauptes durchs Leben schreiten können? Genau – schlecht frisiert und schlecht gelaunt! Zwar gibt es alljähriglich im April den Tag der Frisur, eigentlich ein Dankeschöntag für fleißige Friseure. Aber weil wir den Cut-Cuties gar nicht oft genug huldigen können, kämmen wir uns mal kurz und erklären hiermit jeden Tag zum Festival der Frise!

Bei Frisuren ist es wie bei den meisten Dingen im Leben: Geschmack ist Bandbreite und erlaubt ist, was gefällt. Während die eine sorgsam Gewelltes auf dem Kopf trägt und alle zweieinhalb Wochen die Balayage (spezielle Strähnchen-Technik) auffrischen lässt, fühlt sich der andere mit klassischem Fasson-Schnitt am wohlsten. Die Kreativität der Kopfkünstler in voller Varianz zu zeigen, würde jedes Format sprengen – daher rasieren wir ein wenig und fokussieren uns auf haarige Fakten, famose Fußballer-Frisen und Tipps einer erfahrenen Haar-Expertin. An die Schere, fertig, los! 

Eumelanin, Cuticula und John Lennons Luxus-Locke

  1. Ein Mensch besitzt im Schnitt 100.000 Kopfhaare, Blonde haben die meisten (etwa 150.000), Rothaarige die wenigsten (95.000).
  2. Ein Haar wächst täglich bis zu 0,4 Millimeter und 1,5 Zentimeter pro Monat. Allerdings nicht gleichzeitig: Rund 15 Prozent der Haare haben immer Ruhepause, während der Rest vor sich hin wächst.
  3. Ein Haar wird im Schnitt sechs Jahre alt, dann fällt es in einen monatelangen Ruhemodus – und schließlich komplett aus. Ein gesunder Erwachsener verliert pro Tag 70 bis 100 Haare.
  4. Nur zwei Farbstoffe sorgen dafür, dass Haarfarben von hellblond bis schwarz gebildet werden können: Eumelanin (braun-schwarz) und Phäomelanin (rot-gelb).
  1. Die Haarfasern von Menschen mit glattem Haar sind im Querschnitt eher rund, die von Personen mit welligen Haare oval.
  2. Ein einzelnes Haar kann bis zu 100 Gramm tragen, ohne zu reißen. 100.000 Haare können theoretisch 10.000 Kilo halten. Das macht aber die Kopfhaut nicht mit.
  3. Für ein einziges (!) Haar des 1980 ermordeten John Lennon zahlte ein Fan 2004 auf einer Auktion 3460 Euro.
  4. Weil die über der Haut sichtbaren Haare weder Nerven noch Blutgefäße haben (im Gegensatz zu Haarfollikel und -wurzel, die unter der Haut sitzen), tut Haareschneiden nicht weh. Haareausreißen hingegen schon.
  5. Die Cuticula („Rinde“ des Haares) reflektiert einen Teil des Lichts und sorgt so, einfach gesagt, für den Glanz des Haares. Glattes Haar glänzt in der Regel mehr als lockiges.
  6. 53 Prozent der Frauen hierzulande haben aktuell gefärbte Haare (Studie des Industrieverbandes Körperpflege- und Waschmittel). Bei den Männern sind es nur vier Prozent.

„Bad Hair Day“? Kein Grund zum Haareraufen – mit diesen Profi-Tipps

Haare (und Frisuren) sind individuell, es gibt aber ein paar professionelle Tipps, an denen man sich orientieren kann. Friseurmeisterin Melanie Zimmermann, Inhaberin des Salons „Melanie Zimmermann – Haare machen Leute“ in Bad Honnef erklärt, wie es auf dem Kopf nicht zu „haarig“ wird:

Das A und O ist Feuchtigkeit, die bekommt man am besten mit einer Schnell- oder Intensivkur ins Haar. Shampoo, so die Spezialistin, dient in erster Linie der Reinigung des Haares, auch wenn darin schon einige Pflegestoffe enthalten sind.

Feuchtigkeit sorgt dafür, dass sich das Haar glättet (je glatter das Haar, desto glänzender ist es in der Regel). Die dachziegelartige äußere Schuppenschicht des Haares, auch Cuticula genannt, umschließt die Feuchtigkeit und hält sie im Haar. Das Prinzip ist das Gleiche wie beim Eincremen der Haut.

Friseurmeisterin Melanie Zimmermann, Inhaberin des Salons "Melanie Zimmermann – Haare machen Leute" in Bad Honnef.

Das Foto wurde honorarfrei für die Berichterstattung zur Verfügung gestellt

Copyright: Anna Bröhl

Friseurmeisterin Melanie Zimmermann aus Bad Honnef

Das Haar braucht Wärme, um sich umzuformen, erklärt Melanie Zimmermann. Da moderne Föhns meist mit Ionen-Technik ausgestattet sind, ist Föhnen an sich kein Problem. Bei Stylingtools, die mit Hitze arbeiten (z. B. Glätteisen), bitte vorm Frisieren unbedingt Hitzeschutz auftragen.

Wer morgens mit haarsträubender Mähne aufwacht, aber keine Zeit zum Haarewaschen hat, sollte das Haar sorgfältig bürsten und/oder kämmen. Trockenshampoos machen, so die Friseurmeisterin, das Haar „fluffiger“, es lässt sich leichter stylen.

Bei „fliegenden Haaren“ die Hände (!) eincremen und sanft übers Haar streichen. Dann ist der Spuk flugs vorbei.

Und wie tragen Trendsetter aktuell ihre Haare? Bei Damen ist der Bob in allen Variationen angesagt. Und bei den Herren geht die Zeit der eher harten Konturen (anrasierte Seiten, etc.) ganz langsam zu Ende: Es wird länger, weicher und welliger – ganz vorn dabei ist der Mullet, also der verfeinerte Vokuhila. Auch der „Boyband-Look“ der 90er mit längerem Deckhaar und Scheitel kommt wieder.

Vater und Sohn ernten Tomaten auf einem Balkon

Tschüss, grauer Balkon

Mit diesen fünf Expertinnen-Tipps wird er zur grünen Oase